Trinidad (Texas/USA) - Eine Mutter kritisiert auf Facebook das schmutzige Trinkwasser ihrer Kleinstadt und landet wenig später wegen eines schweren Straftatvorwurfs für eine Nacht im Gefängnis. Monate später greift der US-Bundesstaat Texas durch: Die örtliche Polizeibehörde muss schließen.
Jennifer Combs hatte im Mai auf Facebook behauptet, Bakterien in den Wasserleitungen von Trinidad hätten Einwohner ins Krankenhaus gebracht, wie die "New York Post" berichtet.
Daraufhin wurde sie wegen eines mutmaßlichen falschen Alarms beziehungsweise einer Falschmeldung festgenommen. Die Polizei argumentierte, ihr Beitrag habe in der Bevölkerung Angst und Panik auslösen können.
Brisant: Bereits Wochen zuvor hatte die Stadt selbst die Bewohner aufgefordert, ihr Wasser abzukochen, um sich vor schädlichen Bakterien zu schützen.
Der Fall brachte schließlich die Polizei selbst ins Visier der Behörden. Die Texas Commission on Law Enforcement untersuchte die Dienststelle.
Das Ergebnis war vernichtend: Die Ermittler erklärten, die Behörde habe nicht nachweisen können, dass sie der Gemeinschaft einen öffentlichen Nutzen bringe.
Bei der Überprüfung kamen erhebliche Mängel ans Licht: Die Polizeibehörde konnte 18 vorgeschriebene Dienstvorschriften nicht vorweisen. Dazu gehörten unter anderem verbindliche Regeln zum Einsatz von Gewalt, zu Verfolgungsfahrten, zum professionellen Verhalten von Beamten und zum Vorgehen bei bewaffneten Angreifern.
Der Vorwurf gegen die Mutter wurde fallengelassen
Am 9. September entzog die Kommission der Stadt schließlich die Lizenz zum Betrieb einer eigenen Polizeibehörde. Die Begründung: Die Dienststelle habe die vorgeschriebenen Mindeststandards nicht erfüllt.
Auch der damalige Polizeichef Charles Gregory geriet unter Druck. Zunächst hatte er den Fall gegen Combs noch als eindeutig bezeichnet. Im Juni trat er zurück.
Später meldete sich sogar der Richter zu Wort, der den Durchsuchungsbefehl gegen Combs genehmigt hatte. In einem scharf formulierten Schreiben stellte er die Richtigkeit, Vollständigkeit und Zuverlässigkeit der Informationen infrage, die ihm zwei Polizisten vorgelegt hatten.
Der schwere Vorwurf gegen Combs wurde nach der öffentlichen Aufmerksamkeit fallengelassen.
Auch ein Unterstützer der Frau, der nach einer Protestaktion vor dem Rathaus wegen ordnungswidrigen Verhaltens festgenommen worden war, musste sich letztlich nicht vor Gericht verantworten.