Vierfachmord in den USA: Hat die Staatsanwaltschaft einen riesigen Fehler gemacht?

Moscow (USA) - War der Plädoyer-Deal zwischen Bryan Kohberger (31) und der Staatsanwaltschaft ein schwerwiegender Fehler? Ja, sagt ein Kriminalexperte.

Bryan Christopher Kohberger (31, r.) soll die Studenten Kaylee, Madison, Xana und Ethan (rote Markierung) ermordet haben.  © Monroe County Correctional Facility, Instagram/kayleegoncalves

Laut Ansicht des forensischen Psychologen Dr. Kris Mohandie (63) wurde eine entscheidende Möglichkeit verpasst: Kohberger hätte im Rahmen der Vereinbarung zu einer vollständigen Schilderung der vier Morde an den Studenten der University of Idaho verpflichtet werden müssen.

Vor Kurzem wurde überraschend bekannt, dass Kohberger derzeit versucht, sein Geständnis zurückzuziehen und seine Verurteilung anzufechten.

Sein Verteidiger habe ihn nicht angemessen vertreten und er sei über die Folgen seiner Entscheidung irregeführt worden, argumentiert der mutmaßliche Täter. Gleichzeitig hält er an seiner Unschuld fest.

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Genau darin sieht Mohandie ein Problem des ursprünglichen Deals. Nach seiner Einschätzung hätte die Staatsanwaltschaft Kohberger vor der Annahme des Geständnisses dazu bringen müssen, die Taten detailliert zu schildern. Dadurch wäre seine Darstellung dokumentiert und ein späterer Kurswechsel erschwert worden.

"Es war ein echter Fehler und eine Reihe schwerwiegender Fehler seitens der Staatsanwaltschaft, diesen Deal einzugehen, denn nun stehen wir hier und lassen die Opfer all das noch einmal durchmachen, ohne dass sie etwas davon haben", sagte Mohandie gegenüber Fox News.

Er befürchtet, dass Kohberger nun behaupten könne, er habe keine belastbaren Angaben zu den Morden gemacht und sei lediglich aufgrund einer schlechten Verteidigung oder anderer Umstände zu seinem Geständnis gebracht worden.

Bryan Kohberger soll die College-Studenten Kaylee (†21), Madison (†21), Xana (†20) und Ethan (†20) in der Nacht zum 13. November 2022 in deren Haus ermordet haben.

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Psychologe kritisiert Kohberger-Deal: "Schwerer Fehler der Staatsanwaltschaft"

Die vier Mordopfer aus Idaho: Kaylee Goncalves (†21, l.), Xana Kernodle (†20) und Ethan Chapin (†20, M.) sowie Madison Mogen (†21).  © Instagram/@kayleegoncalves, @xanakernodle, & @maddiemogen

Die Ermittler hatten unter anderem Kohbergers DNA auf einer Messerscheide gefunden, die am Tatort sichergestellt worden war. Das Beweisstück lag in einem Bett, in dem zwei der vier Opfer gefunden wurden.

Staatsanwalt Bill Thompson hatte nach der Verurteilung erklärt, man habe nicht erwartet, dass Kohberger mit einem vollständigen und wahrheitsgemäßen Geständnis die Hintergründe der Tat offenlegen würde. Für Mohandie ist das jedoch keine ausreichende Erklärung.

"Es war schlecht durchdacht, es war schlecht konzipiert, und letztendlich weiß man, dass die Opfer durch all das erneut traumatisiert werden", sagte er. Die Familien der Opfer würden durch das weitere juristische Verfahren erneut mit den Morden konfrontiert.

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Auch Kohbergers Verhalten nach der Verurteilung bewertet der Psychologe kritisch. Der handschriftliche Antrag und die erneute öffentliche Aufmerksamkeit entsprächen aus seiner Sicht Persönlichkeitsmerkmalen, die er bereits zuvor bei Kohberger vermutet habe. Mohandie sieht dabei insbesondere den Wunsch, das Rechtssystem auszutricksen und gleichzeitig die eigene Bekanntheit aufrechtzuerhalten.

Er warnt deshalb grundsätzlich davor, verurteilte Täter wie Kohberger zu faszinierenden oder außergewöhnlichen Persönlichkeiten zu stilisieren.

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