Block-Prozess: Steakhouse-Erbin spricht über "zornige Ausbrüche" ihres Vaters

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Hamburg - Verhandlungstag 73 im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53). Die Hauptangeklagte wird erneut selbst das Wort ergreifen. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.

Steakhouse-Erbin Christina Block (53) neben ihrem mitangeklagten Lebensgefährten Gerhard Delling (67).
Steakhouse-Erbin Christina Block (53) neben ihrem mitangeklagten Lebensgefährten Gerhard Delling (67).  © Christian Charisius/dpa

12.09 Uhr: Mittagspause

Die Richterin unterbricht den Monolog der Hauptangeklagten für die obligatorische Mittagspause.

Weiter geht's um 13.30 Uhr.

12.04 Uhr: Christina Block kann sich Aussagen ihrer Kinder nicht erklären

Block bezieht sich nun auf die Dinge, die sie den Entführern angeblich vor der Silvesternacht für die Kinder überreicht haben soll, darunter Kuscheltiere. "Ich kann mich daran nicht erinnern", erklärt die Angeklagte.

Ein Kleidungsstück, wie von David B. behauptet, habe sie aber "ganz bestimmt" nicht übergeben. Sie vermisse nichts in diese Richtung und habe vom Alpakahof aus Süddeutschland auch nichts wieder mit nach Hause genommen.

Warum die Kinder in ihrer Vernehmung so etwas behauptet hätten, wisse sie nicht. Sie wolle auch nicht über die Gründe spekulieren, bekräftigt Block.

11.52 Uhr: Block spricht über Nachricht mit ominösem "Happy New Year"-Code

Nun erzählt Block von der Silvesternacht selbst. Sie argumentiert, dass sie niemals am Silvesterball im Hotel teilgenommen und bis 3 Uhr an der Bar gesessen hätte, wenn sie von der parallel stattfindenden Entführung gewusst hätte.

Ihr Vater sei ja vor Ort gewesen und habe "genug Strahlkraft für uns alle", sodass ihre Anwesenheit nicht notwendig gewesen wäre. Ihre Brüder würden solchen Veranstaltungen seit Jahren fernbleiben, unterstreicht Block.

Dass sie auf die Nachricht von "Olga" mit dem vermeintlichen Code "Happy New Year" geantwortet habe, dass sie dies ihrer Vertrauensperson auch wünsche, zeige, dass es sich offensichtlich nicht um einen geheimen Code im Zuge der Entführung gehandelt habe.

11.35 Uhr: "Es ist schwierig, etwas zu beweisen, was es nicht gab"

Als nächstes spricht Block über das angebliche Treffen mit den Entführern am 28. Dezember 2023. Erneut betont die Steakhouse-Erbin, dass es dieses Treffen nie gegeben habe. Warum David B. und die übrigen Israelis dieses Meeting erfunden hätten, wisse sie nicht.

"Es ist schwierig, etwas zu beweisen, was es nicht gab", ist sich die 53-Jährige bewusst. Allerdings hätten die Israelis sehr unterschiedliche Angaben zu dem angeblichen Treffen gemacht, gibt die Hauptangeklagte zu bedenken.

Tal S., der in U-Haft sitzende mutmaßliche Mit-Entführer, sitze wenige Meter neben ihr und wisse, dass es das Treffen nicht gegeben habe - anders, als er nach den Aussagen der anderen Israelis plötzlich auch behauptet habe, argumentiert Block.

11.19 Uhr: Situation sorgte für "zornige Ausbrüche" von Eugen Block

Block macht weiter. Im November 2023 sei sie emotional in einem "luftleeren Raum" gewesen. Bei ihrem Vater wiederum hätte die schwierige Situation regelmäßig zu "zornigen Ausbrüchen" geführt, erinnert sich die Hamburgerin.

Vor allem an Theos Geburtstag sei sie sehr emotional gewesen und habe sich nach ihrem Sohn gesehnt, betont die Steakhouse-Erbin. Zudem habe sie sich im Zuge des kinderpornografischen Verdachts gegen Herrn Uecker große Vorwürfe gemacht, dass sie ihre Kinder nicht besser geschützt habe.

Im Dezember 2023 seien im Rahmen des Kinderpornografie-Verdachts dann jedoch plötzlich Ermittlungen gegen sie eingeleitet worden - wegen vermeintlich falscher Verdächtigung. "Ich war völlig vor den Kopf gestoßen", betont Block. Sie habe den vermeintlichen Beweisen von David B. vertraut.

Christina Block neben ihrem Vater Eugen Block, Gründer der Block-Gruppe. (Archivfoto)
Christina Block neben ihrem Vater Eugen Block, Gründer der Block-Gruppe. (Archivfoto)  © Marcus Brandt/dpa

10.58 Uhr: Kurze Pause

Nach knapp anderthalb Stunden Monolog bittet die Steakhouse-Erbin um eine kurze Pause.

In zehn Minuten geht es weiter.

10.56 Uhr: Reagierte David B. mit der Aktion in der Silvesternacht auf Absage?

Im Oktober 2023 habe sie den Verdacht gegen Herrn Uecker nach Rücksprache mit ihrem Anwalt Otmar Kury der Polizei gemeldet. Sie sei "zutiefst besorgt" um ihre Kinder gewesen, unterstreicht die 53-Jährige. Die Kontaktdaten von David B., der den Verdacht aufgetan hatte, habe sie an die Behörden weitergeleitet.

Wenn sie eine Entführung ihrer Kinder gemeinsam mit dem Israeli geplant hätte, wäre sie diesen Schritt doch niemals gegangen, beteuert Block. Sie habe "jeden Tag" damit gerechnet, dass B. als Zeuge zu dem Verdacht gehört werde.

Im November 2023 habe Stephan von Bülow, der CEO der Block-Gruppe, indes eine langfristige Zusammenarbeit mit "Cyber Cupula" im IT-Bereich abgelehnt. Damit sei für das Unternehmen von David B. "die Tür zu" gewesen, so Block.

Die Aktion in der Silvesternacht könnte daher eine Verzweiflungstat gewesen sein, um die Sympathie der Block-Familie zurückzugewinnen und doch noch einen unternehmerischen Fuß in die Tür zu bekommen, mutmaßt die Steakhouse-Erbin.

10.30 Uhr: Kinderpornografie-Verdacht habe zwischenzeitlich "vieles verändert"

Ab August 2023 habe David B. mit seiner IT-Firma "Cyber Cupula" intensiv um die Block-Holding als Kunden geworben. Er habe seine Dienste bei sämtlichen Tochtergesellschaften anbieten wollen. Das Hotel sollte demnach die erste Arbeitsprobe des Unternehmens sein.

Sie selbst sei zu dieser Zeit "kaum lebensfähig" und "in einem Loch" gewesen, verdeutlicht die 53-Jährige. Der Verlust ihrer Mutter habe sie schwer getroffen. Am 15. September habe es einen "Tiefpunkt" erlebt, als Hensel-Anwalt Philip von der Meden ihr vorgeworfen habe, dass sie jederzeit Zugang zu ihren Kindern habe, dies offensichtlich aber selbst gar nicht wolle.

Am 24. September 2023 habe sie von dem inzwischen widerlegten kinderpornografischen Verdacht gegen Hensel-Anwalt Uecker durch "Cyber Cupula" erfahren. Dies habe vieles verändert und endgültig ihr Gefühl verstärkt, dass ihre Kinder in einem "gefährlichen Umfeld" lebten.

In der Rückschau habe "Olga", die ihr von dem Verdacht erzählt habe, zu diesem Zeitpunkt sicherlich "ganz genau gewusst", was sie mit dieser Nachricht bei ihr auslöse, mutmaßt Block.

10.16 Uhr: "Ich war eben nur seine Tochter und nur eine Frau"

Ihr Vater sei nach dem Tod seiner Frau "völlig von der Rolle" gewesen, deshalb habe sie sich in dieser für sie persönlich sehr schweren Zeit auch um ihn kümmern müssen, erinnert sich die Steakhouse-Erbin. Gleichzeitig habe sie Angst davor gehabt, dass sich die Trauer des Patriarchen in Aktionismus verwandeln würde.

Im August 2023 habe sie schließlich mitbekommen, dass ihr Vater "etwas" mit dem mitangeklagten Sicherheitsunternehmer Andreas P. plane.

Sie habe sich daraufhin nicht an ihren Vater selbst, sondern an Familienanwalt C. gewandt. Wenn jemand einen Zugang zu ihrem Vater gehabt habe, dann dieser. "Ich war eben nur seine Tochter und nur eine Frau und ich bin eben emotional", erklärt Block das schwierige Verhältnis zu ihrem Vater.

10.07 Uhr: Christina Block rechnet mit Ex-Anwalt Otmar Kury ab

Dass ihr Ex-Anwalt Otmar Kury ihre Mutter im vergangenen Jahr posthum für die Entführung der Kinder verantwortlich gemacht habe, könne sie nicht verstehen. Ihre Mutter hätte die Entführung niemals in dieser Form beauftragt, betont die 53-Jährige.

Zu der ominösen Bargeld-Abhebung ihrer Mutter, die Kury in die Öffentlichkeit getragen hatte, könne sie keine Angaben machen - bis heute wisse sie nicht, was dahintergesteckt habe, beteuert die Hauptangeklagte.

Besonders hart habe sie getroffen, dass ihre Mutter gestorben sei, ohne ihre Enkel zuvor noch einmal sehen zu können. Auch auf ihr Drängen, die Kinder zumindest zur Beerdigung ihrer Oma gehen zu lassen, habe ihr Ex-Mann Stephan Hensel nicht reagiert.

Die Steakhouse-Erbin rechnete am Mittwoch vor Gericht mit ihrem Ex-Anwalt Otmar Kury (r.) ab.
Die Steakhouse-Erbin rechnete am Mittwoch vor Gericht mit ihrem Ex-Anwalt Otmar Kury (r.) ab.  © Christian Charisius/dpa

9.55 Uhr: Christina Block: "Im Nachhinein bereue ich das sehr"

Im Frühling 2023 sei sie mehrfach mit "Olga" in Dänemark gewesen. Ihre Vertrauensperson sei mehrfach auch allein dort gewesen und habe ihr berichtet, dass die Kinder dort "wie im Gefängnis" leben würden. Sie selbst habe denselben Eindruck gehabt, so die Steakhouse-Erbin.

Als schließlich Anklage gegen Stephan Hensel und dessen Frau Astrid H. erhoben worden sei, habe sie die Hoffnung gehabt, das nun endlich etwas passiere - doch das sei nicht der Fall gewesen. Es habe "Verhandlungsbemühungen" gegeben, die aber zu nichts geführt hätten.

Das Verhältnis zu ihrer Mutter Christa, die zu diesem Zeitpunkt bereits todkrank gewesen sei und inzwischen verstorben ist, habe sie in dieser Zeit vernachlässigt. "Im Nachhinein bereue ich das sehr", sagt Block mit tränenerstickter Stimme.

Titelfoto: Marcus Brandt/dpa

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