Hamburg - Verhandlungstag 73 im Kindesentführungsprozess gegen Christina Block (53). Die Hauptangeklagte wird erneut selbst das Wort ergreifen. TAG24 ist vor Ort und berichtet im Liveblog.
10.30 Uhr: Kinderpornografischer Verdacht habe "vieles verändert"
Ab August 2023 habe David B. mit seiner IT-Firma "Cyber Cupula" intensiv um die Block-Holding als Kunden geworben. Er habe seine Dienste bei sämtlichen Tochtergesellschaften anbieten wollen. Das Hotel sollte demnach die erste Arbeitsprobe des Unternehmens sein.
Sie selbst sei zu dieser Zeit "kaum lebensfähig" und "in einem Loch" gewesen, verdeutlicht die 53-Jährige. Der Verlust ihrer Mutter habe sie schwer getroffen. Am 15. September habe es einen "Tiefpunkt" erlebt, als Hensel-Anwalt Philip von der Meden ihr vorgeworfen habe, dass sie jederzeit Zugang zu ihren Kindern habe, dies offensichtlich aber selbst gar nicht wolle.
Am 24. September 2023 habe sie von dem kinderpornografischen Verdacht gegen Hensel-Anwalt Uecker durch "Cyber Cupula" erfahren. Dies habe vieles verändert und endgültig ihr Gefühl verstärkt, dass ihre Kinder in einem "gefährlichen Umfeld" lebten.
In der Rückschau habe "Olga", die ihr von dem Verdacht erzählt habe, zu diesem Zeitpunkt sicherlich "ganz genau gewusst", was sie mit dieser Nachricht bei ihr auslöse, mutmaßt Block.
10.16 Uhr: "Ich war eben nur seine Tochter und nur eine Frau"
Ihr Vater sei nach dem Tod seiner Frau "völlig von der Rolle" gewesen, deshalb habe sie sich in dieser für sie persönlich sehr schweren Zeit auch um ihn kümmern müssen, erinnert sich die Steakhouse-Erbin. Gleichzeitig habe sie Angst davor gehabt, dass sich die Trauer des Patriarchen in Aktionismus verwandeln würde.
Im August 2023 habe sie schließlich mitbekommen, dass ihr Vater "etwas" mit dem mitangeklagten Sicherheitsunternehmer Andreas P. plane.
Sie habe sich daraufhin nicht an ihren Vater selbst, sondern an Familienanwalt C. gewandt. Wenn jemand einen Zugang zu ihrem Vater gehabt habe, dann dieser. "Ich war eben nur seine Tochter und nur eine Frau und ich bin eben emotional", erklärt Block das schwierige Verhältnis zu ihrem Vater.
10.07 Uhr: Christina Block rechnet mit Ex-Anwalt Otmar Kury ab
Dass ihr Ex-Anwalt Otmar Kury ihre Mutter im vergangenen Jahr posthum für die Entführung der Kinder verantwortlich gemacht habe, könne sie nicht verstehen. Ihre Mutter hätte die Entführung niemals in dieser Form beauftragt, betont die 53-Jährige.
Zu der ominösen Bargeld-Abhebung ihrer Mutter, die Kury in die Öffentlichkeit getragen hatte, könne sie keine Angaben machen - bis heute wisse sie nicht, was dahintergesteckt habe, beteuert die Hauptangeklagte.
Besonders hart habe sie getroffen, dass ihre Mutter gestorben sei, ohne ihre Enkel zuvor noch einmal sehen zu können. Auch auf ihr Drängen, die Kinder zumindest zur Beerdigung ihrer Oma gehen zu lassen, habe ihr Ex-Mann Stephan Hensel nicht reagiert.
9.55 Uhr: Christina Block: "Im Nachhinein bereue ich das sehr"
Im Frühling 2023 sei sie mehrfach mit "Olga" in Dänemark gewesen. Ihre Vertrauensperson sei mehrfach auch allein dort gewesen und habe ihr berichtet, dass die Kinder dort "wie im Gefängnis" leben würden. Sie selbst habe denselben Eindruck gehabt, so die Steakhouse-Erbin.
Als schließlich Anklage gegen Stephan Hensel und dessen Frau Astrid H. erhoben worden sei, habe sie die Hoffnung gehabt, das nun endlich etwas passiere - doch das sei nicht der Fall gewesen. Es habe "Verhandlungsbemühungen" gegeben, die aber zu nichts geführt hätten.
Das Verhältnis zu ihrer Mutter Christa, die zu diesem Zeitpunkt bereits todkrank gewesen sei und inzwischen verstorben ist, habe sie in dieser Zeit vernachlässigt. "Im Nachhinein bereue ich das sehr", sagt Block mit tränenerstickter Stimme.
9.44 Uhr: Christina Block spricht über enge Bindung zu Keren T. alias "Olga"
Die Vorsitzende Richterin Isabel Hildebrandt eröffnet mit der obligatorischen kleinen Verspätung die heutige Verhandlung und übergibt das Wort sogleich an die Steakhouse-Erbin.
Block macht dort weiter, wo sie gestern aufgehört hat und erzählt vom März 2023. Zu diesem Zeitpunkt habe sie Keren T. alias "Olga" persönlich kennengelernt. Sie habe von ihr "ein offenes Ohr und eine Umarmung" bekommen. Während David B. eigentlich nur mit Familienanwalt Andreas C. gesprochen habe, sei "Olga" zu ihrer Vertrauensperson geworden.
Im April 2024 habe B. dann aber einen Plan vorgestellt, um wieder Kontakt zu den Kindern zu bekommen. Teil dieses Plans sei eine Mail von Block an Stephan Hensels Familienanwalt Gerd Uecker gewesen, in der die 53-Jährige betont habe, dass sie "auf legalem Wege" alles tun werde, damit es den Kindern gut gehe.
Auch der Ansatz, Hensel Geld zu zahlen, habe auf dem Tisch gelegen. Doch ihr Vater Eugen Block habe sein Veto eingelegt. Hensel solle nicht auch noch für das Einbehalten der Kindern belohnt werden, so die Argumentation.
9.21 Uhr: Erneut großer Andrang im Gerichtssaal
Erwartungsgemäß sorgt die Aussicht auf persönliche Worte von Christina Block auch heute für reichlich Interesse.
Wenige Minuten vor Verhandlungsbeginn ist der Zuschauerraum in Saal 237 schon fast voll.
9 Uhr: So geht es am Mittwoch weiter
Wie das Gericht vorab mitteilte, wird Block am Mittwoch die Gelegenheit bekommen, ihre umfangreiche Einlassung fortzusetzen.
Ihr Verteidiger Ingo Bott hatte am Dienstag mitgeteilt, dass er davon ausgeht, dass seine Mandantin die Einlassung am Mittwoch auch abschließen wird.
8.45 Uhr: Recap von Dienstag
Nach langem Schweigen ergriff die Steakhouse-Erbin am Dienstag wieder selbst das Wort - und revidierte ihre Aussage. Sie räumte ein, dass es bereits beim ersten Treffen mit dem mutmaßlichen Chef-Entführer David B. um die Kinder und deren Situation gegangen sei.
Die 53-Jährige sprach auch noch einmal über die schwere Zeit nach der Einbehaltung der Kinder in Dänemark im August 2021. "Es begann ein Albtraum, der bis heute andauert."
Besonders emotional wurde Block, als sie über die aus ihrer Sicht erfolgte Manipulation der Kinder durch ihren Ex-Mann Stephan Hensel sprach. Dieser habe sie "dämonisiert" und es geschafft, ihre Sorge "in eine Bedrohung zu verdrehen".
Auch das Verhältnis zu ihrem Vater Eugen Block habe unter der Situation gelitten. "Ich habe seine Enttäuschung deutlich gespürt und mich sehr geschämt", berichtete die Angeklagte. In einem Brief habe sie den Patriarchen gefragt: "Warum glaubst du nicht an mich?"