Block-Prozess: Verteidiger kritisiert Staatsanwältin, Ex-Regierungssprecher soll aussagen

Hamburg - Am Montag wurde der Kindesentführungs-Prozess gegen Christina Block (53) mit dem 84. Verhandlungstag fortgesetzt. Verteidigung und Staatsanwaltschaft bekamen sich in die Haare, zudem wurde bestätigt, dass ein ehemaliger Regierungssprecher als Zeuge aussagen soll. TAG24 war vor Ort und berichtete im Liveblog.

Für Steakhouse-Erbin Christina Block (53) und ihren Verteidiger Ingo Bott (43) stand am Montag der 84. Verhandlungstag an.  © Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

10.16 Uhr: Blocks PR-Berater soll als Zeuge aussage, morgiger Termin entfällt

Nach den gepfefferten Stellungnahmen erklärt die Vorsitzende Richterin, dass für Freitag Blocks PR-Berater und Ex-Regierungssprecher Béla Anda (63) als Zeuge geladen war, er über seinen Rechtsbeistand aber ausrichten ließ, keine Zeit zu haben. Es muss ein anderer Termin her.

Anschließend spricht die Richterin über mögliche Termine im Januar und Februar. Nach ihren Angaben gibt es nur zwei Termine im Februar, an denen alle Anwälte könnten. Es müssten daher auch Termine gesetzt werden, die möglicherweise nicht allen zusagen.

Bevor sie den heutigen Verhandlungstag nach etwa einer halben Stunde beendet, verkündet die Richterin zudem, dass es für den morgigen Termin kein Programm gebe, da die eingereichten Beweisanträge noch nicht komplett gesichtet worden seien und noch keine Beschlüsse verkündet werden könnten. Der Termin morgen fällt entsprechend aus.

Weiter geht es daher erst am kommenden Freitag um 9.30 Uhr.

Der ehemalige Regierungssprecher und jetzige PR-Berater von Block, Béla Anda (63), soll als Zeuge im Verfahren aussagen. (Archivfoto)  © Marcus Brandt/dpa

10.05 Uhr: Block-Anwalt wettert gegen Staatsanwältin: "Es erschüttert mich!"

Jetzt spricht auch Block-Anwalt Ingo Bott. Er weist den Vorwurf der Staatsanwaltschaft, das Verfahren verschleppen zu wollen, mit deutlichen Worten von sich. Um die Schuldfrage in diesem Prozess klären zu können, seien die von ihm eingereichten Beweisanträge zwangsläufig zu beachten.

Die gesammelten Daten würden unterstreichen, dass seine Mandantin nicht zu der vom mutmaßlichen Chef-Entführer David B. behaupteten Zeit bei dem vermeintlichen Treffen im Hotel "Grand Elysée" gewesen sein könne.

"Es erschüttert mich!", schimpft der Verteidiger, dass die Staatsanwaltschaft offensichtlich nicht an einer lückenlosen Beweisführung interessiert sei.

9.58 Uhr: Delling-Anwalt kontert Kritik der Staatsanwaltschaft

David Rieks, Verteidiger von Gerhard Delling, kontert die Kritik der Staatsanwältin an Kollege Bott. Er argumentiert, dass die Beteiligten lange Zeit keinen Einblick in die sichergestellten Daten des Handys der Steakhouse-Erbin gehabt hätten.

Die Daten seien in Gänze erst vor knapp zwei Wochen einsehbar gewesen. Sich dann zu beschweren, dass so kurz vor Fristende eine derartige Menge an neuen Beweisanträgen eingereicht worden sei, finde er "erstaunlich", verdeutlicht Rieks.

Der Anwalt erklärt weiter, dass vor allem eine Sprachnachricht von Christina Block, die diese wenige Stunden vor der Entführung aufgenommen hatte, als Beweis eingeführt werden müsse. Diese Nachricht zeige ganz eindeutig, dass die Angeklagte nichts von der bevorstehenden Aktion gewusst habe, da sie absolut verzweifelt und hoffnungslos klinge.

David Rieks, Verteidiger von Gerhard Delling, wandte sich mit scharfen Worten an die Staatsanwaltschaft.  © Christian Charisius/dpa-Pool/dpa

9.45 Uhr: Verhandlung eröffnet, Kritik von der Staatsanwältin an Block-Anwalt

Es geht los. Die Vorsitzende Richterin fragt zunächst, ob alle Beteiligten ausreichend Zeit gehabt hätten, die Unterlagen zu lesen. Es gibt keine Widersprüche.

Als Erstes gibt die Staatsanwältin eine Stellungnahme ab. Sie übt scharfe Kritik an Block-Anwalt Ingo Bott. Sie argumentiert: Wer so kurz vor Ende der Frist derart viele Seiten Beweisanträge einreiche, in denen es unter anderem um so etwas Nichtiges wie gebuchte Flüge im Mai 2024 gehe, wolle den Prozess verschleppen.

Der Nebenklagevertreter kritisiert, dass die Anträge in erster Linie unterstreichen würden, dass es der Steakhouse-Erbin vor allem um ihr vermeintliches "Besitzrecht" an den Kindern gehe.

9.26 Uhr: Kein großer Andrang im Zuschauerraum

Da es heute in erster Linie um Beschlüsse und etwaige Stellungnahmen gehen soll, ist das öffentliche Interesse erwartungsgemäß überschaubar.

Kurz vor Verhandlungsbeginn ist der Zuschauerraum in Saal 237 nur spärlich gefüllt.

9 Uhr: So geht es am Montag weiter

Wie das Gericht vorab mitteilte, plant die Kammer, die Selbstleseliste vom letzten Verhandlungstag am heutigen Montag zu schließen.

Die Verfahrensbeteiligten sollen in diesem Zuge die Möglichkeit bekommen, Stellungnahmen abzugeben.

8.45 Uhr: Recap vom 83. Verhandlungstag

Am 83. Verhandlungstag sollte eigentlich der angeklagte Sicherheitsunternehmer Andreas P. erneut Gelegenheit erhalten, sich zu äußern. Er und seine Anwältin entschieden sich jedoch für eine schriftliche Gegendarstellung.

Deshalb standen vor allem die umfangreichen neuen Beweisanträge der Verteidigung (860 Seiten) im Fokus. Allein Block-Anwalt Ingo Bott hatte davon rund 840 Seiten eingereicht.

Der Verteidiger war es auch, der deutliche Kritik an der "ZEIT" und deren Podcast "House of Block" übte. Er sprach von einer "ungemein belastenden, weiter traumatisierenden sowie unfassbar tendenziösen Berichterstattung".

Zudem bemängelte Bott die "haltlosen Vorwürfe" der Nebenklage um Block-Ex Stephan Hensel. "Wir werden hier alle instrumentalisiert, während wir hier gewissermaßen in einer Schicksalsgemeinschaft zusammensitzen", betonte er und sprach von einer "klassischen Ragebait-Situation".

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