Vertreterin der Kinder im Block-Prozess: "Schlimmer geht es eigentlich gar nicht!"

Hamburg - Am 70. Verhandlungstag im Kinderentführungsprozess gegen Christina Block (53) geht es ohne Zeugen weiter. Stattdessen werden Stellungnahmen und Anträge der Verfahrensbeteiligten erwartet. TAG24 ist vor Ort und berichtet in einem Liveblog.

Der Steakhouse-Erbin (53) wird vorgeworfen, die Entführung ihrer beiden jüngsten Kinder in Auftrag gegeben zu haben.  © Marcus Brandt/dpa Pool/dpa

11 Uhr: "Besorgnis der Verteidiger" bestätigt

Auch David Rieks, Anwalt von Gerhard Delling, spricht in seiner Stellungnahme von einer "einseitigen Vorprägung" der Ermittlerin, mit der sie dann auch am 3. Januar 2024 auf Block getroffen sei.

Die Zeugenaussage der Beamtin habe die "Besorgnis der Verteidiger" bestätigt, dass die "Objektivität und Fairness" der Ermittlungen unter einer jahrelangen, einseitigen Kommunikationsrichtung hin zu Stephan Hensel gelitten habe.

"Und wir wissen hier alle, wie feindlich Herr Hensel spätestens seit dem Sommer 2021, mutmaßlich auch schon davor, gegenüber Christina Block gegenüber war. Und ausgerechnet mit ihm hatte die Ermittlungsführerin intensiven Kontakt", so Rieks weiter.

B. hatte bereits ab 2021 im Fall Block/Hensel ermittelt, auch im Strafverfahren gegen den Vater der Block-Kinder, in dem es ebenfalls um den Vorwurf der Entziehung Minderjähriger geht. Hensel hatte die beiden jüngsten Kinder im Sommer 2021 nach einem Umgangswochenende nicht nach Hamburg zurückgebracht. Seitdem leben die Kinder – mit der Unterbrechung der mutmaßlichen Entführung – bei ihrem Vater in Dänemark.

10.45 Uhr: Bott wirf der Polizei vor, dem "Kompass" von Stephan Hensel gefolgt zu sein

Bott wirft der Beamtin vor, einem "Narrativ" und dem "Kompass" von Stephan Hensel, Ex-Mann von Block und Vater ihrer Kinder, gefolgt zu sein. Sie habe es zudem versäumt, nicht nur mit Frau Block (außer am 3. Januar 2024), sondern auch mit weiteren Menschen aus dem Hamburger Umfeld der Kinder zu sprechen. Er wirft ihr vor, auf "einem Ermittlungsauge blind" gewesen zu sein.

Zudem hätte die Polizei Frau Block unmittelbar nach der mutmaßlichen Entführung an Neujahr 2024 kontaktieren müssen und auch können. Sie hätten in dem Fall "eine ahnungslose Mutter" im Hotel "Grand Elysée" angetroffen. "Aber es gab nur einen Anruf des Kriminaldauerdienstes, da war Frau Block aber schon auf dem Weg nach Süddeutschland", so Bott.

Und weiter: "Wer weiß, wie das Verfahren gelaufen wäre, wenn die Polizei ihrer Pflicht nachgegangen wäre und Frau B. ihre Hausaufgaben richtig gemacht hätte."

10.35 Uhr: Stellungnahme zur Zeugin

Bott fährt mit einer Stellungnahme zur Zeugenaussage der Chef-Ermittlerin Merle B. (44) fort.

10.27 Uhr: Kammer lehnt Botts Antrag ab

Die Kammer lehnt Botts Antrag ab. Der von ihm erhobene Vorwurf einer Unterlassung sei bereits deshalb unbegründet, weil die Kammer keine Möglichkeit habe, gegen die Weitergabe der Gutachten vorzugehen.

Christina Block mit ihrem Anwalt Ingo Bott (43) an Tag 70 vor dem Hamburger Landgericht.  © Marcus Brandt/dpa Pool/dpa

10.20 Uhr: Anwältin der Kinder: "Schlimmer geht es ja eigentlich gar nicht"

Auch die Nebenklagevertreterin der Kinder, Tanja Jeney, kritisiert die Veröffentlichung scharf. "Schlimmer geht es ja eigentlich gar nicht", betont sie. Sie hätte sich gewünscht, dass die Richterin dazu etwas deutlicher Stellung bezieht.

Die Anwältin hatte den Antrag auf den Ausschluss der Öffentlichkeit aufgrund "höchstpersönlichen Informationen" über das Innenleben und den Gesundheitszustand ihrer Mandanten gestellt.

Die Staatsanwaltschaft kündigt an, von Amtswegen zu ermitteln, ob die Weitergabe und auch die Veröffentlichung strafbar sind. Mehrere Verteidiger, darunter Delling-Anwalt David Rieks, bitten daraufhin mit "Nachdruck" zu ermitteln.

Die Kammer zieht sich zur Beratung zurück. Kurze Pause.

10.13 Uhr: Ingo Bott sieht weitere "Schädigungsgefahr"

Die Verhandlung beginnt mit dem "unverzüglichen Antrag" von Block-Anwalt Ingo Bott (43), den er bereits am Dienstag angekündigt hatte. Er beanstandet die "unterlassene" Reaktion der Kammer auf die Information, dass die psychiatrischen Gutachten der Sachverständigen Mareike Schüler-Springorum an die Presse weitergegeben worden sind.

Bott hätte sich gewünscht, dass die Kammer aufklärt, wer die Gutachten offenbart und die Herkunft der Veröffentlichungen ermittelt. Das gehöre zu der Fürsorgepflicht des Gerichts. "Wenn das Gericht nicht die Kontrolle über die Akte hat, wer denn dann?", fragt Bott – eine Anspielung auf die Aussage der Richterin, sie sei nicht die "Babysitterin" der Verfahrensbeteiligten.

Insbesondere vor dem Hintergrund der Annahme der Sachverständigen, dass die Genesung der Kinder erschwert werde, solange das Verfahren laufe, sehe er durch die Veröffentlichung eine weitere "Schädigungsgefahr". Bott betont erneut seinen Verdacht, dass die Nebenklage - Stephan Hensel - das Gutachten an die Presse weitergegeben haben könnte.

Nebenklagevertreter Philip von der Meden weist den Vorwurf zurück: "Das ist völlig aus der Luft gegriffen. Das Gutachten muss im Interesse aller unter Verschluss bleiben."

10.10 Uhr: Tag 70 startet

Der Prozess startet nochmal mit rund zehn Minuten Verspätung. Grund dafür ist aber wie so oft, dass der in U-Haft sitzende Angeklagte Tal S. (36) gesondert in den Saal gebracht wird. Jetzt sind aber alle anwesend.

Zuvor hatte sich sein Anwalt, Dr. Sascha Böttner, verspätet, der aufgrund eines Unfalls im Stau stand.

9.17 Uhr: Beginn verzögert sich

Kurzfristige Änderung am Mittwochmorgen: Wegen der Verspätung eines Prozessbeteiligten beginnt der Verhandlungstag heute erst um 10 Uhr statt um 9.30 Uhr.

Vor Saal 237 warteten bereits Medienschaffende und Prozessbeteiligte, darunter der angeklagte Sicherheitsunternehmer sowie der Familienanwalt der Blocks.

9 Uhr: So geht es am Mittwoch weiter

Da für diese Woche ursprünglich alle drei Verhandlungstage für die Zeugenvernehmung von Merle B. angesetzt waren, ihre Befragung am Dienstag jedoch bereits abgeschlossen werden konnte, ist für Mittwoch kein weiterer Zeuge geladen, wie das Gericht mitteilte.

Stattdessen haben die Verfahrensbeteiligten direkt die Möglichkeit, Stellungnahmen zur Zeugenvernehmung abzugeben.

Zudem kündigte Block-Verteidiger Ingo Bott am Dienstag einen eiligen Antrag an, den die Richterin jedoch nicht mehr während der Zeugenbefragung der Chef-Ermittlerin am Dienstag zulassen wollte.

Rechtsanwältin Gül Pinar vertritt im Block-Prozess einen Sicherheitsunternehmer, der wegen Beihilfe angeklagt ist.  © Georg Wendt/dpa

Update, 8.50 Uhr: Recap von Dienstag

Der 69. Verhandlungstag war vor allem von Diskussionen und teils hitzigen Wortwechseln zwischen der Vorsitzenden Richterin und einzelnen Verteidigern geprägt.

Besonders zwischen der Anwältin Gül Pinar, die über weite Strecken die Zeugin befragte, und der Vorsitzenden wurde es mehrfach laut. Inhaltlich brachte die Befragung der Chef-Ermittlerin Merle B. (44) nur wenig Neues. Nach fünf Verhandlungstagen wurde ihre Befragung am Dienstag schließlich abgeschlossen.

Zu Beginn äußerten mehrere Verteidiger - allen voran Block-Verteidiger Ingo Bott (43) - ihren Unmut darüber, dass die Gutachten der Sachverständigen Mareike Schüler-Springorum zu den jüngsten Block-Kindern, die zuvor unter Ausschluss der Öffentlichkeit vorgetragen worden waren, dennoch in der "Bild"-Zeitung erschienen sind.

Bott sagte, seine Mandantin sei davon "erheblich erschüttert" gewesen. "Das kann und darf nicht sein", so der Verteidiger.

Die Richterin entgegnete: "Ich kann Ihnen sagen, dass mir das auch nicht gefällt, aber ich bin nicht der Babysitter oder der Wachhund." Das Gericht gibt "ganz sicher keine Akten weiter oder redet mit der Presse". Was andere Prozessbeteiligte machten, darauf habe sie keinen Einfluss.

Delling-Anwalt David Rieks verwies auf die Möglichkeiten der Staatsanwaltschaft, gegen die "rechtswidrige Weitergabe von vertraulichen Verfahrensunterlagen" vorzugehen. Seiner Ansicht nach könnten die Gutachten "nur von der Seite von Herrn Hensel" an die Presse gelangt sein. Pinar verwies zudem auf die Möglichkeit einer Rüge durch die Richterin.

Am Rande der Verhandlung wies die Nebenklage den von der Verteidigung erhobenen Vorwurf zurück, das Gutachten an die Presse weitergegeben zu haben.

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