Zeit-Journalistin packt nach Durchsuchung aus: "Mit Freiwilligkeit hatte diese Situation nichts zu tun"
Hamburg/Berlin - Der Vorgang hat für Diskussion gesorgt! Nach den Aussagen von Klara Block (15) im Podcast "House of Block" hat das Landgericht Hamburg die Tonaufnahmen beschlagnahmt. Die verantwortliche Journalistin Anne Kunze (45) erhebt nun schwere Vorwürfe.
Am Montag hatte das Landgericht mehrere Durchsuchungsbeschlüsse erlassen und die Herausgabe der Tonaufnahmen gefordert. Nach eigenen Angaben sei das Material freiwillig übergeben worden. Dem widerspricht Kunze allerdings vehement.
"Mit Freiwilligkeit hatte diese Situation nichts zu tun", erklärte sie in einem Interview mit dem Spiegel. "Das war ungefähr so freiwillig, wie wenn jemand sagt: Entweder du gibst mir deinen Schlüssel, oder ich trete deine Tür ein. Es gab zwei Möglichkeiten: Ich händige ihnen die Aufnahmen aus – oder sie durchsuchen die Wohnung, in der ich mit meiner Familie lebe, die Redaktionsräume der 'Zeit' in Hamburg und eventuell auch in Berlin und finden die Tonaufnahmen auf diese Weise."
Ihren Schilderungen zufolge sei die Herausgabe eine Folge des "ausgeübten staatlichen Drucks" gewesen.
Zwar hätten auch die Anwälte deutlich gemacht, dass die Aktion rechtswidrig sei, dennoch sollte Kunze die Unterlagen übergeben, wie sie sagte. Obwohl sie die Dateien noch verschlüsseln wollte, drängten die Beamten auf die Herausgabe.
Schließlich wurden die rund 160 Stunden Material auf eine Festplatte des LKA überspielt. "Die Festplatte kam in einen versiegelten und verschlossenen Umschlag, darauf unterschrieben der Beamte und unser Anwalt", beschrieb Kunze weiter.
Anne Kunze verrät, warum Klara in dem Zeit-Podcast "House of Block" aussagen wollte
Zudem habe man wiederholt der Sicherstellung und Durchsicht widersprochen. "Wir wehren uns nun juristisch mit einer Beschwerde gegen den Durchsuchungsbeschluss, die Mitnahme der Tonaufnahmen und dagegen, dass die Tonaufnahmen vor einer gerichtlichen Entscheidung gesichtet werden."
Auch die Ansicht des Gerichtes, dass die Aussagen für den Prozess wichtig sein könnten, sieht Kunze anders. "Nach 82 Verhandlungstagen sollten die Umstände klar sein. Es haben fünf Entführer ausgesagt, alle haben die Tat gestanden", so die Journalistin.
Doch wie kam es überhaupt dazu, dass Klara in dem Podcast zu hören ist? Zunächst wollte Kunze nur einen Artikel schreiben, aus den Aufnahmen entstand die Idee eines Podcasts. "Klara hat gesagt, sie wolle Teil des Podcasts sein", erklärte Kunze weiter, die zunächst Bedenken hatte.
Doch sowohl ihr Vater Stephan Hensel (61) als auch eine psychologische Betreuung hätten zugestimmt. Ihr jüngerer Bruder Theo (13) ist hingegen nicht in dem Podcast zu hören.
"Klara wird in wenigen Tagen 16. In dem Alter darf man wählen, Parteien beitreten, seine Religionszugehörigkeit bestimmen und eben auch seine Meinung frei äußern. Klara hat mir gesagt, sie habe es satt, dass Erwachsene besser wissen, was gut für sie ist", argumentierte Kunze weiter.
Der Prozess gegen die Mutter Christina Block (53) wegen Kindesentführung wird am 28. Oktober fortgesetzt. TAG24 wird wieder live vor Ort sein und berichten.
Titelfoto: IMAGO / teutopress

