1028 Todes-Verdachtsfälle! Institut berichtet über Nebenwirkungen der Corona-Impfungen

Leipzig - Seit Ende Dezember läuft in Deutschland die Corona-Impfkampagne. Mit Stichtag 30. Juni 2021 wurden nach Angaben des Robert-Koch-Instituts 74,87 Millionen Covid-19-Impfungen durchgeführt. In einem aktuellen Sicherheitsbericht führt das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) nun auf, welche Impf-Komplikationen und Nebenwirkungen bislang gemeldet wurden - darunter auch 1028 tödlich verlaufene Verdachtsfälle.

Nicht ohne Risiko: Bei der Covid-19-Impfung gab es in Deutschland bislang 106.835 Meldungen über Nebenwirkungen und Komplikationen.
Nicht ohne Risiko: Bei der Covid-19-Impfung gab es in Deutschland bislang 106.835 Meldungen über Nebenwirkungen und Komplikationen.  © Nicolas Armer/dpa

Dem Bericht zufolge wurden in Deutschland bis zum Stichtag der Erfassung rund 54,9 Millionen Dosen des Biontech-Impfstoffes "Comirnaty", etwa 6,5 Millionen Dosen "Spikevax" von Moderna, knapp 11,6 Millionen Dosen "Vaxzevria" von AstraZeneca und rund 1,9 Millionen Dosen des Johnson & Johnson-Impfstoffes "Janssen" verimpft.

Dabei wurden dem PEI insgesamt 106.835 Verdachtsfälle über Nebenwirkungen und Impfkomplikationen gemeldet. In 10.578 dieser Fälle seien "schwerwiegende unerwünschte Reaktionen" gemeldet worden, heißt es im Sicherheitsbericht.

"In 1028 dieser Verdachtsfälle sind die Personen in unterschiedlichem zeitlichen Abstand zur Impfung gestorben", führt das PEI aus.

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Die Melderate sämtlicher Nebenwirkungen und Komplikationen betrug damit für alle Covid-19-Impfstoffe 1,4 pro 1000 Impfdosen. Bei schwerwiegenden Reaktionen liegt sie bei 0,1 pro 1000 Dosen, was einem Fall auf 10.000 Impfungen entspricht.

Thrombosen gehören zu den am häufigsten gemeldeten schwerwiegenden Nebenwirkungen von Covid-19-Impfungen.
Thrombosen gehören zu den am häufigsten gemeldeten schwerwiegenden Nebenwirkungen von Covid-19-Impfungen.  © Jens Büttner/dpa-Zentralbild/dpa

Häufigste Nebenwirkungen: Kopfschmerzen, Fieber, Schüttelfrost

In diesem Sicherheitsbericht führt das Paul-Ehrlich-Institut die gemeldeten Nebenwirkungen und Impf-Komplikationen auf.
In diesem Sicherheitsbericht führt das Paul-Ehrlich-Institut die gemeldeten Nebenwirkungen und Impf-Komplikationen auf.  © Grafik: Paul-Ehrlich-Institut

Als häufigste unerwünschte Reaktionen zählt das PEI unter anderem Schmerzen an der Injektionsstelle, Kopfschmerzen, Ermüdung, Fieber, Schüttelfrost, grippeähnliche Erkrankungen, Schwindelgefühl, Gliederbeschwerden und Myalgie (Muskelschmerz) auf.

Bei den mRNA-Impfsoffen von Biontech und Moderna wurden am häufigsten Schmerzen an der Injektionsstelle, Ermüdung und Kopfschmerzen gemeldet.

Bei AstraZeneca waren es Fieber, Kopfschmerzen und grippeähnliche Erkrankungen. Die Meldungen für Johnson & Johnson betrafen vor allem Kopfschmerzen, Fieber und Schüttelfrost.

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Bei den Meldungen zu schwerwiegenden Nebenwirkungen und Komplikationen führt der Sicherheitsbericht bei den mRNA-Impfstoffen "Comirnaty" und "Spikevax" Herzmuskelentzündungen (Myokarditis) und Herzbeutelentzündungen (Perikarditis) auf.

Diese Tabelle schlüsselt die Verdachtsfälle auf die einzelnen Impfstoffe auf.
Diese Tabelle schlüsselt die Verdachtsfälle auf die einzelnen Impfstoffe auf.  © Grafik: Paul-Ehrlich-Institut

Entzündungen von Herzmuskel und Herzbeutel nach mRNA-Impfungen

Die Grafik zeigt, dass mehr Frauen als Männer von gemeldeten Nebenwirkungen und Komplikationen betroffen waren.
Die Grafik zeigt, dass mehr Frauen als Männer von gemeldeten Nebenwirkungen und Komplikationen betroffen waren.  © Grafik: Paul-Ehrlich-Institut

Erst am Montag informierte das PEI deshalb in einem sogenannten "Rote-Hand-Brief" - das ist die an medizinische Fachkreise gerichtete behördliche Information zu Arzneimittelrisiken - dass zwischen den mRNA-Impfstoffen und Myokarditis sowie Perikarditis "ein möglicher kausaler Zusammenhang bestehen könnte".

In der Information heißt es unter anderem: "Die Fälle traten primär innerhalb von 14 Tagen nach der Impfung auf, und zwar häufiger nach der zweiten Dosis und bei jüngeren Männern."

Die Häufigkeit von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen nach mRNA-Impfungen gegen Covid-19 kann laut PEI-Bericht bislang nicht ermittelt werden, weil bisher epidemiologische Studien dazu fehlen. In Deutschland wurden bis zum Stichtag 173 Fälle im Zusammenhang mit dem Biontech-Impfstoff und 31 mit Moderna gemeldet.

Bei den Vektor-Impfstoffen von AstraZeneca und Johnson & Johnson dominieren bei den Meldungen zu schwerwiegenden Nebenwirkungen und Komplikationen Thrombosen in Kombination mit einer Thrombozytopenie (Verminderung der Blutplättchen). "...wobei die Thrombosen oftmals an ungewöhnlichen Lokalisationen wie beispielsweise zerebralen Hirnvenen, Milz-, Leber-, oder Mesenterialvenen auftreten", heißt es im Sicherheitsbericht.

Die meisten TTS-Fälle traten demnach innerhalb von drei Wochen nach der Impfung auf.

Die Veranschaulichung des PEI zum Ausgang der gemeldeten Impf-Reaktionen von wiederhergestellt bis verstorben.
Die Veranschaulichung des PEI zum Ausgang der gemeldeten Impf-Reaktionen von wiederhergestellt bis verstorben.  © Grafik: Paul-Ehrlich-Institut

Auf diese Symptome müssen Geimpfte achten

Diese Tabelle zeigt die gemeldeten Fälle von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen auf.
Diese Tabelle zeigt die gemeldeten Fälle von Herzmuskel- und Herzbeutelentzündungen auf.  © Grafik: Paul-Ehrlich-Institut

Den Meldungen an das PEI zufolge sind aktuell Frauen und Männer aller Altersklassen von TTS betroffen. Zum Stichtag waren es 95 Frauen und 68 Männer, die zuvor mit den Präparaten von AstraZeneca oder Johnson & Johnson geimpft wurden. 25 TTS-Verläufe endeten demnach tödlich.

"Die Geimpften sollten informiert werden, sofort eine Ärztin bzw. einen Arzt aufzusuchen, wenn sie wenige Tage nach der Impfung Symptome wie Kurzatmigkeit, Brustschmerzen, Beinschwellungen, Schmerzen im Bein oder anhaltende Bauchschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen entwickeln", heißt es im Sicherheitsbericht.

Auch auf neurologische Symptome wie starke oder anhaltende Kopfschmerzen, verschwommenes Sehen oder Krampfanfälle sowie auf wenige Tage nach der Impfung auftretende Blutergüsse außerhalb der Injektionsstelle sei zu achten.

Bei Thrombosen ohne Thrombozytopenie führt der PEI-Bericht für alle vier Impfstoffe zusammen 2138 gemeldete Fälle auf, von denen 200 tödlich verliefen. Die meisten Fall-Meldungen gab es demnach nach Biontech-Impfungen (1076, davon 143 tödlich) und nach Impfungen von AstraZeneca (943 / 48).

In dieser Tabelle schlüsselt das PEI die Thrombose-Meldungen nach Impfstoff, Alter und Todesfällen auf.
In dieser Tabelle schlüsselt das PEI die Thrombose-Meldungen nach Impfstoff, Alter und Todesfällen auf.  © Grafik: Paul-Ehrlich-Institut

Als weitere schwerwiegende unerwünschte Impf-Reaktion führt das PEI Blutungen auf, darunter auch Meldungen über Zyklusstörungen und verstärkte Menstruationsblutung.

Beim Biontech-Impfstoff wurden zum Stichtag 356 Fälle gemeldet, wobei 31 tödlich verliefen, bei AstraZeneca waren es 727 Fälle, davon 12 mit tödlichem Ausgang. Für Moderna wurden 43 Fälle berichtet (2 tödlich), beim Johnson & Johnson-Impfstoff zwei Fälle.

Zu weiteren schwerwiegenden Nebenwirkungen und Impfkomplikationen führt der PEI-Sicherheitsbericht außerdem 362 Meldungen zu anaphylaktischen Reaktionen (allergischer Schock) sowie 86 gemeldete Fälle des Guillain-Barré-Syndroms (schwere neurologische Autoimmunreaktion) auf.

Titelfoto: Nicolas Armer/dpa

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