Nach Rausschmiss aus Basketball-Team wegen Corona-Demo: Saibou bekommt keinen "Maulkorb"

Bonn/Köln - Weitspringerin Alexandra Wester hat die Telekom Baskets Bonn für die Kündigung ihres Freundes Joshiko Saibou heftig kritisiert.

Deutschlands Joshiko Saibou (30) im Februar 2020 bei einem Basketball-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich.
Deutschlands Joshiko Saibou (30) im Februar 2020 bei einem Basketball-Spiel der deutschen Nationalmannschaft gegen Frankreich.  © Carmen Jaspersen/dpa

"Ein Verein sollte einen Athleten in seiner Diversity, seiner Entwicklung und auch seiner polarisierenden Meinung unterstützen oder zumindest sie akzeptieren", sagte die 26 Jahre alte Leichtathletin aus Köln in einem am Mittwoch veröffentlichten Video auf Instagram und betonte: "Ihn aber so abzufertigen, ist ein Schlag ins Gesicht, und es ist unfair. Das ist krass, und ich hätte nicht gedacht, dass das im Jahr 2020 noch passieren kann."

Dem Basketball-Nationalspieler Saibou war am Dienstag von den Telekom Baskets Bonn wegen "Verstößen gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrages als Profisportler" fristlos gekündigt worden. 

Von den beiden Athleten waren in den sozialen Netzwerken Fotos von ihrer Teilnahme an der Demonstration gegen die staatlichen Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie am Wochenende in Berlin zu sehen.

Die Polizei musste die Kundgebung auflösen, da sich die Teilnehmer nicht an die Corona-Maßnahmen gehalten hatten.

Nationalspieler hinterfragte Maßnahmen gegen Corona

Alexandra Wester aus Deutschland in Aktion beim Weitsprung der Frauen.
Alexandra Wester aus Deutschland in Aktion beim Weitsprung der Frauen.  © Soeren Stache/dpa

"Er hat die Staatsmaßnahmen auf einer Demo hinterfragt und wird danach fristlos von den Telekom Baskets gekündigt", sagte die Olympia-Teilnehmerin von 2016. 

"Sie versuchen sich an irgendeiner Art Körperverletzung aufzuhängen, weil er auf einem Foto keine Maske getragen hat. Wir haben sehr bewusst darauf geachtet, niemanden bei der Demo in Gefahr zu bringen und erst recht nicht seine Teamkollegen, weil die Telekom Baskets im Moment gar nicht im Team spielen oder trainieren. Das hat absolut keine Grundlage und ist wirklich heuchlerisch."

Auch ihr 30 Jahre alter Freund hatte sich tags zuvor bereits zu Wort gemeldet. "Wenn ich eine polarisierende Meinung habe, ist Gegenwind verständlicherweise vorprogrammiert. Daraufhin jedoch meinen Job zu verlieren, ist totalitär und ein Schlag ins Gesicht der Meinungsfreiheit", schrieb Saibou am Dienstag auf Instagram.

Wester kritisierte, dass "Vereine ihrer Sportler einfach immer noch so wie Puppen behandeln können". 

Ihren Beitrag beendete sie mit den Worten: "Ihr solltet verstehen, dass wir Athleten nicht die Sklaven der Neuzeit sind, aber ihr macht uns gerade dazu." Der Deutsche Leichtathletik-Verband hatte zuvor bereits mitgeteilt, zurzeit keine Maßnahmen zu ergreifen.

Update, 20.28 Uhr: Joshiko Saibou bekommt "keinen Maulkorb"

Wolfgang Wiedlich hat als Präsident der Baskets Bonn im Fall des fristlos gekündigten Basketball-Nationalspielers Joshiko Saibou auf die Meinungsfreiheit auch bei kritischen Themen hingewiesen.

Die Telekom Baskets Bonn legen Wert auf die Feststellung, "dass es bei uns keinen Maulkorb gibt. Im vorliegenden Fall geht es um die Einhaltung von Regeln zum Schutz aller", teilte der Präsident am Mittwochabend der Deutschen Presse-Agentur mit.

In einer demokratischen Gesellschaft bedeute das auch, "dass man sich manchmal Dinge anhören und aushalten müsse, die man selber so nicht teile", heißt es in dem Statement. Die Meinungsfreiheit sei "ein hohes Gut, das auch nicht in Frage gestellt" werde.

Update, 13.55 Uhr: Entlassung könnte rechtlich angreifbar sein

Die fristlose Kündigung des Basketball-Nationalspielers Joshiko Saibou durch seinen Verein könnte aus juristischer Sicht angreifbar sein. "Aufgrund der aus Presseveröffentlichungen bekannten Umstände kommen aus arbeitsrechtlicher Sicht Zweifel an der Haltbarkeit der fristlosen Kündigung auf", sagte der Arbeitsrechtler Oliver Simon von der Kanzlei CMS Hasche Sigle am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. 

Wegen "Verstößen gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrages als Profisportler" war dem 30-Jährigen tags zuvor von den Telekom Baskets Bonn fristlos gekündigt worden.

Update, 13.52 Uhr: Einsatz in der Nationalmannschaft ist Sache des Bundestrainers

Nationalspieler Joshiko Saibou muss nach der fristlosen Kündigung durch die Telekom Baskets Bonn vorerst nicht mit Konsequenzen vom Deutschen Basketball Bund (DBB) rechnen. "Eine Nominierung von Joshiko Saibou ist Sache des Bundestrainers. Es wird definitiv ein klärendes Gespräch geben müssen", sagte DBB-Präsident Ingo Weiss der Deutschen Presse-Agentur.

Im Gegensatz zu zum Verein stehen beim DBB derzeit "keine Maßnahmen" an. Daher gebe es laut Weiss keinen Grund für ein mögliches Aus in der Nationalmannschaft, auch wenn sich der Verband von Saibous Meinung zur Corona-Pandemie distanzierte. 

Ein Gespräch mit dem Profi habe es bereits vor sechs bis acht Wochen gegeben, als die Ansichten von Saibou erstmals hochkamen. "Ich habe ihm gesagt, ich akzeptiere deine Meinung, teile sie aber nicht", betonte Weiss.

Update, 12.26 Uhr: Verein Athleten Deutschland prüft die Kündigung des Sportlers

Der Verein Athleten Deutschland beschäftigt sich mit der Kündigung von Basketball-Nationalspieler Joshiko Saibou durch die Telekom Baskets Bonn. "Er hat Kontakt zu uns aufgenommen. Wir sind dabei, das zu überprüfen, wollen uns aber erst einmal einen Überblick über den Fall verschaffen", sagte Geschäftsführer Johannes Herber am Mittwoch der Deutschen Presse-Agentur. 

Saibou war von seinem Verein wegen "Verstößen gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrages als Profisportler" fristlos gekündigt worden. 

Der 30-Jährige habe "wiederholt auf Social-Media-Kanälen seine Haltung zur Pandemie oder zum Virus an sich geäußert und am vergangenen Wochenende bei einer Großdemonstration auch praktiziert, indem er vorsätzlich gegen die bekannten Schutzregeln verstieß".

Titelfoto: Carmen Jaspersen/dpa /Soeren Stache/dpa

Mehr zum Thema Coronavirus:


WhatsApp Wir bei WhatsApp: 0160 - 24 24 24 0