Corona in Baden-Württemberg: Rülke: Null-Inzidenz kein realistisches Ziel

Baden-Württemberg - Die Situation rund um das Coronavirus in Baden-Württemberg sowie in ganz Deutschland hatte sich zwar merklich entspannt, jedoch steigen inzwischen die Inzidenzzahlen wieder.

Alle Informationen zum Coronavirus findet Ihr in unserem Liveticker. (Symbolbild)
Alle Informationen zum Coronavirus findet Ihr in unserem Liveticker. (Symbolbild)  © Fabian Strauch/dpa

Auf breiter Front lockerte die Landesregierung vor Kurzem mit der jüngsten Corona-Verordnung die Corona-Maßnahmen.

So dürfen sich in Regionen mit einer stabilen Inzidenz von unter zehn Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen 25 Menschen aus beliebig vielen Haushalten treffen.

In den beiden höheren Stufen bis zu einer Inzidenz von 35 und 50 dürfen vier Haushalte mit höchstens 15 Personen zusammenkommen. Geimpfte und Genesene zählen laut Verordnung nicht dazu.

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Bislang galt, dass in Kreisen mit einer anhaltenden Inzidenz unter 50 nur Treffen von bis zu zehn Menschen aus drei Haushalten erlaubt sind.

Was erlaubt ist, richtet sich in der neuen Corona-Verordnung an einem Vier-Stufen-Modell aus: Stufe vier gilt bei einer Inzidenz von über 50, Stufe drei von 50 bis 35, Stufe zwei von 35 bis zehn und Stufe eins für alle Städte und Kreise mit einer Inzidenz unter zehn.

Mittlerweile gibt es 505.395 bestätigte Infektionen in Baden-Württemberg. 492.113 Menschen davon sind schätzungsweise bereits wieder genesen. 10.391 Menschen sind im Südwesten bislang im Zusammenhang mit dem Coronavirus gestorben. (Stand: 29. Juli)

Die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus Sars-CoV-2 in Baden-Württemberg gibt es hier im Ticker. Ältere News könnt Ihr hier nachlesen.

Update, 30. Juli, 10.57 Uhr: Rülke: Null-Inzidenz kein realistisches Ziel

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke (59) fordert den Kampf gegen die Corona-Pandemie neben den Inzidenzwerten mehr an der Zahl der schweren Verläufe auszurichten.

"Die Lage in den Krankenhäusern ist entspannt", sagte er dem Reutlinger General-Anzeiger. "Eine Null-Inzidenz ist kein realistisches Ziel, wir verbieten schließlich auch nicht das Autofahren, nur damit es keine Verkehrstoten mehr gibt. Oder schließen alle Seen, damit niemand mehr ertrinkt."

Rülke sprach sich gegen eine Impfpflicht aus. "Wenn jemand sich aber gegen das Impfen entscheidet, muss er auf der anderen Seite auch akzeptieren, dass er mehr Einschränkungen als ein Geimpfter hat." Wenn man sich aus freien Stücken gegen das Impfen entscheide, könne es zudem perspektivisch nicht sein, dass die Solidargemeinschaft für die Tests aufkomme. "Die muss dann jeder und jede selbst bezahlen."

FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke (59) fordert den Kampf gegen die Corona-Pandemie neben den Inzidenzwerten mehr an der Zahl der schweren Verläufe auszurichten.
FDP-Fraktionschef Hans-Ulrich Rülke (59) fordert den Kampf gegen die Corona-Pandemie neben den Inzidenzwerten mehr an der Zahl der schweren Verläufe auszurichten.  © Uli Deck/dpa

Update, 30. Juli, 6.25 Uhr: Studie: Wenig Umdenken bei Mobilität nach Corona

Die Corona-Pandemie hat die Deutschen vorübergehend einen Großteil ihrer Mobilität beraubt - einer repräsentativen Befragung zufolge ist das für die meisten von ihnen aber kein Grund, sich etwa beim Reisen oder auch bei ihren Wegen zur Arbeit dauerhaft umzustellen. "Die Ergebnisse legen nahe, dass die große Mobilitätsrevolution ausgeblieben ist", ergab die Studie des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung ISI (Karlsruhe).

Dafür waren in Großstädten lebende Menschen jeweils im vergangenen und im laufenden Jahr beispielsweise gefragt worden, ob sie für die Zeit nach Corona einen Rückgang ihrer freizeitbezogenen Mobilität erwarten: Im August 2020 hatten viele dies noch bejaht. Im April diesen Jahres kehrte sich ihre Haltung quasi um.

"Die Mehrheit sagte, dass sie in Zukunft wieder mobil sein und wieder raus in die Welt wollen", erklärte der Wissenschaftler Johannes Schuler, der das Projekt geleitet hatte. "Dieser Trend war 2020 nicht erkennbar."

Einer repräsentativen Befragung zufolge ist die Corona-Pandemie für die meisten Menschen kein Grund, sich etwa beim Reisen oder auch bei ihren Wegen zur Arbeit dauerhaft umzustellen. (Symbolbild)
Einer repräsentativen Befragung zufolge ist die Corona-Pandemie für die meisten Menschen kein Grund, sich etwa beim Reisen oder auch bei ihren Wegen zur Arbeit dauerhaft umzustellen. (Symbolbild)  © Uwe Anspach/dpa

Update, 29. Juli, 18.20 Uhr: Inzidenz steigt nur leicht

Am Donnerstag wurden dem Landesgesundheitsamt 276 neue Infektionsfälle gemeldet, damit haben sich insgesamt 505.395 Menschen in Baden-Württemberg mit dem Coronavirus angesteckt. Davon sind 492.113 wieder genesen.

Die Zahl der Toten stieg um zwei auf 10.391.

Die 7-Tage-Inzidenz ist im Südwesten erneut leicht gestiegen, von 13,5 am Vortag auf nunmehr 13,6. Inzidenz-Spitzenreiter ist der Hohenlohekreis (44,4), gefolgt von den Städten Heilbronn (30,8) und Mannheim (29,3). In der Landeshauptstadt Stuttgart lag der Wert bei 17,8 (Vortag: 18,9).

Am Donnerstag wurden dem Landesgesundheitsamt 276 neue Infektionen gemeldet. (Symbolbild)
Am Donnerstag wurden dem Landesgesundheitsamt 276 neue Infektionen gemeldet. (Symbolbild)  © Marijan Murat/dpa

Update, 29. Juli, 11.59 Uhr: Weniger Krankenhaus-Behandlungen in dritter Corona-Welle

Während der dritten Welle der Corona-Pandemie sind laut einer Erhebung des Wissenschaftlichen Instituts der AOK (Wido) immer noch deutlich weniger Menschen in baden-württembergischen Krankenhäusern operiert worden als vor der Pandemie.

Von März bis Mai 2021 unterzogen sich demnach 14 Prozent weniger AOK-Versicherte in den Südwest-Krankenhäusern Operationen als im selben Zeitraum in 2019. In der ersten Corona-Welle zwischen März und Mai 2020 fiel der Rückgang der Operationszahlen im Vergleich zum Vorkrisenniveau noch stärker aus und lag bei 27 Prozent.

Auch bei den planbaren Operationen, den sogenannten elektiven Eingriffen, war der Rückgang 2021 der Erhebung nach geringer als in den ersten beiden Pandemie-Wellen. Das zeigte sich zum Beispiel an Hüftoperationen. Von März bis Mai 2020 ging die Zahl der Hüftprothesenimplantationen wegen Arthrose im Vergleich zum Vorkrisenniveau um 42 Prozent zurück. 2021 betrug der Rückgang zum Vergleichszeitraum in 2019 nur noch neun Prozent.

Für die Rückgänge gibt es laut der Versicherung zwei Gründe. "Die Patienten haben teilweise von sich aus die stationäre Aufnahme verschoben, aus Angst sich im Krankenhaus mit Sars-CoV-2 zu infizieren", sagte der medizinische Berater Ralph Bier von der AOK Baden-Württemberg.

Außerdem hätten die Krankenhäuser die stationären Aufnahmen gedrosselt, um freie Betten und Kapazitäten für Corona-Patienten vorzuhalten.

Viele Operationen wurden verschoben.
Viele Operationen wurden verschoben.  © Marijan Murat/dpa

Update, 29. Juli, 11.16 Uhr: Polizei löst Feier mit 400 Personen in Ludwigsburg auf

Die Polizei hat in Ludwigsburg eine Feier mit etwa 400 Menschen aufgelöst. Die zumeist jungen Leute hätten den Beginn der Sommerferien auf dem Akademiehof gefeiert und dabei viel Alkohol konsumiert, leistungsstarke Musikboxen ertönen lassen und die Corona-Regeln missachtet, teilten die Beamten am Donnerstag mit.

Als die "Vermüllung immer mehr zunahm" hätten Einsatzkräfte die Party in der Nähe der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg beendet. Nach anfänglichem Zögern hätten die Feiernden den Platz am Mittwochabend verlassen. Lediglich ein 17 Jahre alter Jugendlicher habe wegen seiner Provokationen einen Platzverweis erhalten.

Update, 29. Juli, 6.04 Uhr: Keine kostenlosen Tests für ungeimpfte Studierende

Aus Sicht von Wissenschaftsministerin Theresia Bauer sollten ungeimpfte Studierende Corona-Schnelltests künftig selbst bezahlen müssen. "Es ist inzwischen ja landesweit für jeden möglich, sich kostenlos gegen das Coronavirus impfen zu lassen und sich und andere so zu schützen", sagte die Grünen-Politikerin im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. Überall im Land bekomme man inzwischen problemlos einen Impftermin.

"Ich finde, wer diese Angebote nicht annehmen möchte und sich ohne Vorliegen medizinischer Gründe gegen eine Impfung entscheidet, sollte sich selbst um Tests kümmern", sagte Bauer. Weiterhin kostenlose Schnelltests seien aus ihrer Sicht das falsche Signal.

Die Ministerin hat für das kommende Wintersemester wieder deutlich mehr Präsenzveranstaltungen angekündigt. Mehr als die Hälfte des Studienangebots soll demnach in den Unis stattfinden können. Sind Studierende getestet, geimpft oder genesen und tragen sie eine Maske, muss auch kein Mindestabstand von 1,5 Metern eingehalten werden. Bei geringeren Abständen kann die Kapazität der Räume nach der Corona-Verordnung zu 60 oder, sofern die Inzidenz unter 50 liegt, bis zu 75 Prozent genutzt werden – eine zentrale Forderung der Hochschulen.

Wird der Mindestabstand eingehalten, fallen die Vorgaben weg. Die Hochschulen gehen aber nach Ministeriumsangaben davon aus, dass ohne die sogenannte 3G-Regel und ohne Masken nur 10 bis 20 Prozent der Lehre in Präsenz ablaufen kann.

Wer sich nicht impfen lassen möchte, muss die Tests vermutlich bald selbst bezahlen.
Wer sich nicht impfen lassen möchte, muss die Tests vermutlich bald selbst bezahlen.  © Sebastian Gollnow/dpa

Update, 28. Juli, 17.15 Uhr: Bald 400 neue Infektionen

Am Mittwoch wurden dem Landesgesundheitsamt 389 neue Infektionsfälle gemeldet, damit haben sich insgesamt 505.199 Menschen in Baden-Württemberg mit dem Coronavirus angesteckt. Davon sind 491.918 wieder genesen.

Die Zahl der Toten stieg um vier auf 10.389.

Die 7-Tage-Inzidenz ist im Südwesten erneut gestiegen, von 12,6 am Vortag auf nunmehr 13,5. Inzidenz-Spitzenreite rist der Hohenlohekreis (47,9), gefolgt vom Kreis Lörrach (28,4) und der Stadt Heilbronn (25,3). In der Landeshauptstadt Stuttgart lag der Wert bei 18,9.

Am Mittwoch wurden 389 neue Infektionen gemeldet. (Symbolbild)
Am Mittwoch wurden 389 neue Infektionen gemeldet. (Symbolbild)  © Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Update, 28. Juli, 9.17 Uhr: Handwerk wünscht "kalkulierbare Stufenpläne für Pandemien"

Der Baden-Württembergische Handwerkstag wünscht sich in Pandemie-Zeiten mehr Planungssicherheit und wirbt um Auszubildende. Die sich ständig ändernden Corona-Verordnungen seien absolut kontraproduktiv für kleine und mittelständische Betriebe gewesen.

"Für die Zukunft brauchen wir kalkulierbare Stufenpläne für Pandemien, die dann umfassend und flächendeckend gelten", sagte Hauptgeschäftsführer Peter Haas der Stuttgarter Zeitung und den Stuttgarter Nachrichten (Mittwoch).

Eine Insolvenzwelle sehe man nicht. "In Summe ist das Handwerk mit Fleiß, Geduld und Hilfsmaßnahmen einigermaßen gut durchgekommen." Wenn in wenigen Wochen das neue Ausbildungsjahr startet, sind noch viele Ausbildungsplätze unbesetzt. Handwerkstag-Präsident Rainer Reichhold rief junge Menschen zur Bewerbung auf:

"So gut wie heute standen deine Chance noch nie!" Es gebe verschiedene Karrierewege im Handwerk. "Das endet ja nicht beim Meister, sondern kann auch zum Betriebsleiter oder -inhaber führen. Auch ein Studium ist denkbar." Die Verdienstmöglichkeiten seien dabei nicht selten besser als nach einer rein akademischen Ausbildung.

Die Möglichkeiten im Handwerk seien derzeit sehr gut. (Symbolbild)
Die Möglichkeiten im Handwerk seien derzeit sehr gut. (Symbolbild)  © belchonock/ 123 RF

Update, 27. Juli, 19.06 Uhr: Mehr als die Hälfte der Kreise über 10er Inzidenz

28 von 44 Stadt- und Landkreisen im Südwesten liegen bei der Corona-Inzidenz über dem Schwellenwert von 10. Der Hohenlohekreis kratzt mit 33,7 sogar an der 35er-Marke. Werden diese Grenzen an fünf Tagen infolge überschritten, müssen in der Region härtere Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Pandemie ergriffen werden. Zuletzt in Baden-Württemberg hatte die Sieben-Tage-Inzidenz in der Stadt Heilbronn vor mehr als einem Monat - am 18. Juni - über dem Wert 35 gelegen. Bei 37,1 Menschen je 100.000 Einwohnern binnen sieben Tagen war damals eine Neuinfektion mit dem Coronavirus nachgewiesen worden.

Am niedrigsten war die Sieben-Tage-Inzidenz am Dienstag mit 0,8 im Landkreis Freudenstadt, wie das Landesgesundheitsamt in Stuttgart weiter mitteilte. Landesweit stieg der durchschnittliche Wert leicht von 12,3 auf 12,6. Die Zahl der bestätigten Corona-Infektionen in Baden-Württemberg seit Beginn der Pandemie stieg um 324 auf 504.730. 10.385 Menschen sind inzwischen an einer Infektion mit dem Coronavirus oder im Zusammenhang damit gestorben, zwei mehr als am Vortag. Als genesen gelten geschätzt 491.723 Infizierte (plus 191).

15 Prozent der betreibbaren 2340 Intensivbetten sind der Mitteilung nach im Moment frei. Dieser Wert ist wichtig, um die Auslastung des Gesundheitssystems beurteilen zu können. Intensivbetten werden aber nicht nur für Covid-19-Patienten mit schweren Verläufen gebraucht, sondern auch für Menschen mit anderen gravierenden Erkrankungen.

6.571.774 Menschen in Baden-Württemberg sind nach Angaben des Robert Koch-Instituts mittlerweile einmal gegen das Coronavirus geimpft worden. Das sind den Daten zufolge 59,2 Prozent der Bevölkerung. Der Bundesschnitt liegt bei 61,0 Prozent. Als vollständig geimpft gelten den Daten zufolge im Südwesten 5.572.699 Menschen oder 50,2 Prozent (bundesweit: 49,7). Beim Impfstoff von Johnson & Johnson reicht eine Dosis. Bei allen anderen Vakzinen sind zwei Spritzen nötig.

Seit Ende Dezember wurden dem Landesgesundheitsamt 143.144 Fälle mit Hinweisen auf "besorgniserregende Varianten" übermittelt. Als solche gelten Viren mit Mutationen, die ein höheres Ansteckungsrisiko haben. Es dominiert die als hoch ansteckend geltende Delta-Variante, die zuerst in Indien entdeckt wurde. Ihr Anteil steigt nach wie vor.

Update, 27. Juli, 13.20 Uhr: "Freizeitampel" soll Touristenstrom im Südwesten lenken

Reisende können sich künftig im Südwesten über eine Plattform darüber informieren, wie viel an ihrem Ausflugsziel los ist. Die Tourismus Marketing GmbH Baden-Württemberg stellte am Dienstag in Stuttgart die sogenannte Freizeitampel vor. Technische Grundlage des Systems sei eine landesweite Datenbank, die von Tourismusschaffenden zur zentralen Erfassung von touristischen Daten genutzt wird.

Auf dem Portal geben Reisende ihr gewünschtes Ziel ein, woraufhin eine Ampel die Live-Situation ausspielt. Bei Grün wird ein geringes Besucheraufkommen erwartet, Gelb zeigt eine erhöhte Auslastung an und das rote Signal empfiehlt, die Ausflugsplanung anzupassen.

Der Nachholbedarf vieler Menschen an Ausflügen wegen der Coronapandemie habe gezeigt, dass Regionen mit vielen Ausflugsmöglichkeiten überlaufen seien. "Volle Parkplätze und überfüllte Wanderwege waren keine Seltenheit. Mit der Freizeitampel Baden-Württemberg haben wir die große Chance, solche Situationen in den anstehenden Sommerferien und darüber hinaus zu vermeiden", erklärte Geschäftsführer Andreas Braun.

Die Corona-Krise habe mehr als deutlich gezeigt, dass intelligentes Datenmanagement die Zukunft des Tourismus sei.

Titelfoto: Uli Deck/dpa

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