Coronavirus im Norden: Regierungschef warnt vor Gewöhnung an Infektionszahlen

Hamburg/Kiel/Schwerin/Hannover – Das Coronavirus hat das Land fest im Griff: Im Norden steigen die Infektionszahlen täglich weiter an, die Gesundheitsämter melden neue Rekordwerte. Deutschland befindet sich nun mitten in der von den Experten angekündigten zweiten Welle.

Menschen warten am Eingang des Corona-Testzentrums am Hamburger Hauptbahnhof.
Menschen warten am Eingang des Corona-Testzentrums am Hamburger Hauptbahnhof.  © Markus Scholz/dpa

In Hamburg sind mittlerweile 24.860 Menschen an dem Covid-19-Virus erkrankt, in Schleswig-Holstein sind 14.255 Fälle bekannt, in Bremen 10.078, in Mecklenburg-Vorpommern 5951 und in Niedersachsen 71.508 Covid-19-Fälle. (Stand 30. November, 12.30 Uhr)

Am 23. März wurde erstmals ein erweitertes Kontaktverbot in Deutschland angeordnet, die Menschen mussten mit massiven Einschränkungen ihres Lebens umgehen.

Anschließend einigten sich Bund und Länder auf schrittweise Lockerungen der Schutzmaßnahmen. Am Montag, 2. November, traten neue Beschränkungen in Kraft.

Vorerst sollen alle Restaurants und Kneipen geschlossen bleiben, auch Kosmetikstudios, Massagepraxen, Tattoo-, Fitnessstudios und Kinos sind betroffen. Offen sind dagegen noch Schulen, Kindergärten, der Groß- und Einzelhandel und Friseurläden.

Weiterhin gilt eine bundesweite Maskenpflicht in Geschäften und im öffentlichen Nahverkehr. Verstöße gegen das Tragen der Mund-Nasen-Bedeckung werden mit einem Bußgeld geahndet.

Alle weiteren Informationen dazu findet Ihr in unserem +++ Coronavirus-Liveticker +++.

Die aktuellen Entwicklungen zum Coronavirus Sars-CoV-2 im Norden gibt es hier:

Update, 30. November, 19.10 Uhr: Zahl der Corona-Infektionen an Schulen sinkt im Wochenvergleich

Hamburg - Die Zahl der Corona-Infektionen an Hamburger Schulen ist von Freitag bis Sonntag um 56 gestiegen. Betroffenen seien 44 Schüler und 12 Beschäftigte an 46 Schulen, teilte die Schulbehörde am Montag mit. Im Wochenvergleich sei die Zahl neuer Ansteckungen um 36 Prozent gesunken.

Insgesamt gibt es den Angaben zufolge derzeit 335 Infektionen an 153 Schulen. In 274 Fällen sei das Virus bei Schülern nachgewiesen worden - damit seien 0,11 Prozent aller Hamburger Schüler betroffen.

Die 61 infizierten Schulbeschäftigten machten 0,18 Prozent aller Mitarbeiter an Schulen aus. 69 von insgesamt 9500 Klassen befinden sich danach in präventiver Quarantäne.

Das bedeute, dass 2102 Schüler oder 0,8 Prozent der Gesamtschülerschaft Hamburgs in häuslicher Isolation seien.

Update, 30. November, 18.13 Uhr: Neue Corona-Verordnung in Hamburg ab Dienstag

Hamburg - In Hamburg gelten von Dienstag (1. Dezember) an schärfere Kontaktbeschränkungen zur Begrenzung der Corona-Pandemie. So wird es unter anderem eine verschärfte Maskenpflicht und ein Böller-Verbot an Silvester geben.

Mehr dazu lest ihr >>> hier.

Update, 30. November, 14.16 Uhr: Abgeordnete verurteilen Sophie-Scholl-Vergleich auf Corona-Demo

Hannover - Die Abgeordneten mehrerer Landtagsfraktionen haben den Sophie-Scholl-Vergleich einer Rednerin auf einer Corona-Demo in Hannover als verharmlosend zurückgewiesen.

"Wenn die Geschwister Scholl oder auch Anne Frank für die Nazi-Rhetorik einiger Teilnehmer herhalten müssen, ist das beschämend und macht mich wütend", sagte SPD-Fraktionschefin Johanne Modder (60) am Montag im niedersächsischen Landtag.

CDU-Fraktionschef Dirk Toepffer (55) ergänzte später, niemand in Deutschland erlebe aktuell auch nur im Ansatz, was Sophie Scholl und die anderen Widerstandskämpfer während der Nazi-Diktatur ertragen mussten, "von den Millionen anderen Opfern ganz zu schweigen". Im Gegenteil erinnerten Parolen wie "Gesundheit ist Privatsache" auf den Demonstrationen "an jene Gleichgültigkeit der Deutschen im Dritten Reich, die Sophie Scholl anprangerte", kritisierte Toepffer.

Auch der AfD-Politiker Peer Lilienthal (41) lehnte den Sophie-Scholl-Vergleich ab. "Das befremdet auch mich", sagte er. Lilienthal forderte Ministerpräsident Stephan Weil (61, SPD) auf, das Gespräch mit den Demonstranten zu suchen.

Vor gut einer Woche hatte sich eine junge Frau bei einer "Querdenken"-Demonstration in Hannover mit der Widerstandskämpferin Sophie Scholl verglichen und damit heftige Kritik ausgelöst.

"Ich fühle mich wie Sophie Scholl, da ich seit Monaten hier aktiv im Widerstand bin, Reden halte, auf Demos gehe, Flyer verteile und auch seit gestern Versammlungen anmelde", sagte sie wörtlich.

Update, 30. November, 14.14 Uhr: Opposition fordert längerfristige Corona-Strategie

Hannover - Die Opposition im niedersächsischen Landtag hat mehr Planungssicherheit im Umgang mit der Corona-Krise gefordert.

Mit Blick auf die von Bund und Ländern beschlossene Verlängerung des Teil-Lockdowns bis zum 20. Dezember sagte die Grünen-Fraktionschefin Julia Willie (34) Hamburg am Montag im Plenum: "In Ihrem Plan ist nichts, wirklich gar nichts zu erkennen von einer mittelfristigen, langfristigen, vorausschauenden Strategie." Eine solche brauche die Bevölkerung aber, "damit sie durchhält".

Die Einschränkungen überwiegend im privaten Bereich reichten zudem nicht aus, um die Infektionszahlen entscheidend zu senken, sagte Hamburg. Für die geplanten Lockerungen zu Weihnachten müssten die Zahlen noch deutlich stärker zurückgehen als bisher.

Die FDP warf der Landesregierung moralische Überheblichkeit und mangelnde Selbstkritik vor. "Nicht alles, was Sie tun, ist richtig", sagte FDP-Fraktionschef Stefan Birkner (47).

So könne die Regierung viele Maßnahmen zur Eindämmung des Coronavirus nicht sachlich

Update, 30. November, 14.12 Uhr: Regierung gegen generellen Wechselunterricht an Schulen

Hannover - Niedersachsens Landesregierung hat ihren Kurs zum Präsenzunterricht an den Schulen bekräftigt. Aktuell praktizierten ihn mehr als 80 Prozent der Schulen dauerhaft, sagte Ministerpräsident Stephan Weil (61, SPD) am Montag im Landtag in Hannover.

"Forderungen, die Schulen insgesamt in den Wechselunterricht zu versetzen, kann ich deswegen nichts abgewinnen." Der Aufenthalt in der Schule sei "sehr gut zu vertreten", wenn die Hygieneregeln und die Maskenpflicht beachtet werden und regelmäßig gelüftet wird.

In den vergangenen Wochen hatten Lehrer und Schüler einen schnelleren Wechsel in das sogenannte Szenario B mit Unterricht teils in den Schulen und teils zu Hause gefordert, um das Risiko einer Corona-Ansteckung zu reduzieren.

Ein automatischer Wechsel ins Szenario B ist aber nur in Hotspots mit mehr als 200 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen einer Woche vorgesehen.

Update, 30. November, 14.10 Uhr: Bremer Bürgermeister rechtfertigt Fortsetzung von Teil-Lockdown

Andreas Bovenschulte (55, SPD), Bürgermeister von Bremen.
Andreas Bovenschulte (55, SPD), Bürgermeister von Bremen.  © dpa/Sina Schuldt

Bremen - Der Bremer Bürgermeister Andreas Bovenschulte (55, SPD) hat vor dem Parlament die Fortsetzung des Teil-Lockdowns in der Corona-Pandemie für Dezember verteidigt.

Es sei zwar gelungen, eine exponentielle Zunahme der Infektionen in Deutschland zu stoppen, sagte er am Montag. Doch eine Trendwende sei in vielen Teilen Deutschlands noch nicht erreicht.

Das Bundesland Bremen halte sich mit seiner neuen Verordnung an die Maßnahmen, die mit dem Bund und den anderen Ländern vereinbart worden seien. Für die Weihnachtsfeiertage würden die Kontaktbeschränkungen jedoch gelockert. Bovenschulte appellierte an die Bürgerinnen und Bürger: "Seien sie auch in den Feiertagen vorsichtig!"

Umstritten in der Debatte der Bremischen Bürgerschaft war die Festlegung, den Beginn der Weihnachtsferien nicht wie in anderen Ländern vorzuziehen. Dem Senat zufolge sollen am 21. und 22. Dezember die Eltern entscheiden, ob sie ihre Kinder zur Schule schicken. Dieser Unterricht werde ohnehin ausfallen, sagte CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp (54) voruas.

Er kritisierte auch das Verbot, an Ständen Glühwein zu verkaufen. Das schieße weit über das Ziel hinaus.

Die neue Bremer Corona-Verordnung soll am Dienstag in Kraft treten.

Update, 30. November, 14.05 Uhr: Xmas-Run in Hamburg: Kein Start am Millerntor-Stadion

Hamburg – Der für den kommenden Sonntag geplante Lauf Xmas-Run wird aufgrund des Teil-Lockdowns nicht am Stadion des Fußball-Zweitligisten FC St. Pauli gestartet.

Die angemeldeten Teilnehmer sollen sich auf Wunsch der Organisatoren ihre eigene Fünf-Kilometer-Strecke aussuchen, wie es auf der Veranstaltungs-Webseite heißt. Demnach werden Startnummern und Medaillen per Post verschickt.

In den vergangenen Jahren führte der Kurs durch das Millerntor-Stadion, am Heiligengeistfeld entlang und durch Planten und Blomen. Viele Läuferinnen und Läufer meisterten die Strecke in weihnachtlichen Kostümen.

Update, 30. November, 14.02 Uhr: Rot-grüner Vorstoß zur Verbesserung der Corona-Warn-App

Hamburg - Die Regierungsfraktionen von SPD und Grünen in der Hamburgischen Bürgerschaft fordern eine rasche Verbesserung der Corona-Warn-App. So solle die App schnellstmöglich um eine sogenannte Cluster-Erfassung, also die anonymisierte Dokumentation von Gruppen-Zusammenkünften, und ein redaktionelles Informationsportal erweitert werden, heißt es in einem gemeinsamen Antrag. Der Senat wird aufgefordert, sich für die Verbesserungen auf Bundesebene einzusetzen.

"Wenn wir die Kontrolle über die Pandemie zurückerlangen wollen, müssen wir Infektionsketten so früh wie möglich zerschlagen", erklärte der Digitalexperte der SPD, Hansjörg Schmidt (46), am Montag. Doch "statt der seit Monaten bekannten Notwendigkeit zur Cluster-Erkennung höchste Priorität zu geben, haben bei der Corona-Warn-App offenbar momentan andere Features Vorrang". Mit einer Cluster-Erkennung sei erst im Februar zu rechnen, kritisierte Schmidt. "Das ist viel zu spät."

Die Cluster-Nachverfolgung sei der "nächste logische Schritt für die Corona-Warn-App", meinte auch Schmidts Grünen-Kollegin Eva Botzenhart (55). "Wir können mit diesem zusätzlichen Feature eine bessere Nachverfolgung der Infektionsketten erreichen und damit ein weiteres Stoppschild gegen die Pandemie errichten."

Neben dem Kampf gegen Corona sei Rot-Grün auch der Datenschutz wichtig. "Über das Scannen eines QR-Codes werden die Informationen über eine Zusammenkunft mehrerer Personen ausschließlich auf dem eigenen Smartphone gespeichert." Eine gemeldete Infektion bleibe anonym und werde durch ein Warnsignal der App angezeigt.

Update, 30. November, 12.27 Uhr: 150 Corona-Neuinfektionen in Hamburg - Inzidenz bei 101,1

Hamburg – Die Zahl der in Hamburg bestätigten Corona-Infektionen ist am Montag um 150 gestiegen. Der wichtige Inzidenzwert- der die Ansteckungen pro 100.000 Einwohner in den vergangenen sieben Tagen angibt - sank von 105 auf 101,1, wie die Gesundheitsbehörde mitteilte.

Am Sonntag waren in der Hansestadt 104 Corona-Neuinfektionen gemeldet worden. Am Montag vor einer Woche waren es noch 237 neue Fälle. Der Inzidenzwert lag da noch bei 133,4.

Seit Ausbruch der Pandemie haben sich in Hamburg den Angaben zufolge 24.860 Menschen nachweislich mit dem Coronavirus infiziert. Rund 16 400 von ihnen gelten inzwischen als genesen.

Aktuelle Zahlen zur Belegung der Krankenhäuser und Kliniken lagen am Montag noch nicht vor. Mit Stand vom Freitag wurden in Hamburg 312 Corona-Patienten stationär behandelt, davon 79 auf Intensivstationen. Die Zahl der seit Beginn der Pandemie an Covid-19 gestorbenen Menschen wurde von der Stadt unverändert mit 281 angegeben. Die Zahlen werden nur noch unregelmäßig aktualisiert. Das RKI meldete mit Stand Montag für die Hansestadt unverändert 372 Tote.

Die Hamburger Gesundheitsbehörde lässt alle toten Corona-Patienten obduzieren. Das Institut für Rechtsmedizin zählt auf dieser Grundlage dann sämtliche Fälle, in denen jemand an Covid-19 gestorben ist. Das RKI zählt alle Personen, die im Zusammenhang mit einer Corona-Infektion gestorben sind.

Update, 30. November, 11.39 Uhr: 475 neue Corona-Infektionen in Niedersachsen

Hannover - In Niedersachsen sind innerhalb eines Tages 475 neue Corona-Infektionen bestätigt worden. Das geht aus den Zahlen des Landesgesundheitsamtes in Hannover am Montag hervor (Stand 9 Uhr).

Gerechnet auf 100.000 Einwohner gab es in den vergangenen sieben Tagen 85,9 Neuinfektionen - was im Vergleich zum Vortag wieder einem leichten Rückgang entspricht. Die Hotspots waren weiterhin Cloppenburg mit einer Sieben-Tages-Inzidenz von 230,3 sowie Vechta (200,3). Die Region Hannover blieb mit 91,0 abermals unter der kritischen Marke von 100 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner.

Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Ansteckungen im Land betrug 71.508.

Binnen eines Tages starben sechs Menschen in Niedersachsen an oder mit einer Sars-CoV-2-Infektion. Die Gesamtzahl stieg auf landesweit 1154 Tote seit Ausbruch der Pandemie.

Titelfoto: dpa/Julian Stratenschulte

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