Aktivisten bekleben Shell-Tankstelle: Konzern verdoppelt Gewinn, Greenpeace fordert Übergewinnsteuer
Hamburg - Aktivisten von Greenpeace haben am Donnerstagmorgen an einer Shell-Tankstelle in Hamburg protestiert. Sie fordern eine Übergewinnsteuer.
Gegen 8.40 Uhr wurde die Polizei zu der Tankstelle in der Amsinckstraße alarmiert. Rund 15 Personen haben sich dort versammelt. Laut Polizeisprecher sei die Versammlung nicht angemeldet gewesen und von den Aktivisten um 10 Uhr beendet worden.
Die Umweltschützer forderten bei der Protestaktion eine Übergewinnsteuer für Mineralölkonzerne.
Die Preistafel wurde mit Dollarzeichen, Pfeilen und Flammen überklebt. "Krise für uns. Krise fürs Klima. Milliarden für Shell" war auf einem Banner zu lesen.
"Shell und Co. nutzen die globale Krise schamlos aus und die Bundesregierung schaut tatenlos zu", so Marissa Reiserer, Mobilitätsexpertin von Greenpeace, in einer Mitteilung der Umweltschützer. "Es wird endlich Zeit, diese Milliarden mit einer Übergewinnsteuer abzuschöpfen."
Laut einer von Greenpeace in Auftrag gegebenen Berechnung des Ölmarktexperten Steffen Bukold (65) hätten die Konzerne seit dem Beginn des Irankriegs Ende Februar "krisenbedingte Extragewinne von 36 Milliarden Euro" erzielt, heißt es in der Mitteilung.
In Deutschland hätten die Konzerne in dem Zeitraum den Berechnungen zufolge einen Übergewinn von 6,7 Milliarden Euro erzielt - so viel wie in keinem anderen EU-Staat.
Greenpeace fordert fünf Maßnahmen
"Langfristig ist das wirksamste Mittel gegen Abzocke an der Zapfsäule, die fossile Abhängigkeit zu beenden. Jeder Euro, der in erneuerbare Energien, Elektromobilität und den öffentlichen Nahverkehr fließt, schützt nicht nur das Klima, sondern auch Verbraucher und Verbraucherinnen vor der Preiserpressung der Ölkonzerne", so Reiserer.
Das Geld aus der Übergewinnsteuer wolle man "in eine sinnvolle Transformation umleiten", sagte eine Greenpeace-Sprecherin auf TAG24-Nachfrage.
Konkret gehe es da um fünf Maßnahmen. Mit einer Stromkostenpauschale in Höhe von 120 Euro im Jahr für die Stromrechnung sollen Haushalte mit geringem Einkommen entlastet werden.
Zudem schlägt Greenpeace soziales Wärmepumpen-Leasing, die Kopplung von Mieterhöhungen an Energieeffizienz der Gebäude, ein deutlich vergünstigtes Deutschlandticket für Menschen mit wenig Geld und eine soziale E-Auto-Förderung vor.
Der Zeitpunkt für die Protestaktion war kein Zufall: Dieser Tage veröffentlichen die Mineralölkonzerne ihre Quartalszahlen.
Shell konnte mit einem bereinigten Gewinn von 10,8 Milliarden US-Dollar im dritten Quartal den Gewinn aus dem Vorjahreszeitraum verdoppeln, wie der Konzern am Donnerstag mitteilte.
Titelfoto: Daniel Bockwoldt/dpa

