Von Cordula Dieckmann
München - In München und Nürnberg laufen die Proteste der Generation Z langsam an. Auf dem Geschwister-Scholl-Platz vor der Ludwig-Maximilians-Universität (LMU) hatten sich laut Polizei etwa 1000 Menschen versammelt, auch in der Innenstadt in Nürnberg waren viele unterwegs. Die Stimmung zu Beginn: entspannt.
Am bundesweiten Protesttag soll es am Nachmittag neben München und Nürnberg auch Versammlungen in Augsburg, Regensburg und Rosenheim geben.
Ladeninhaber hatten aus Angst vor Ausschreitungen etwa in der noblen Maximiliansstraße in München ihre Schaufenster verbarrikadiert.
Die Initiative "Gen Z regelt" hat bundesweit zu friedlichem Protest aufgerufen. Sie fordert soziale Gerechtigkeit, mehr Geld für Schulen, Suchthilfe und Psychotherapie, Maßnahmen gegen steigende Lebenshaltungskosten und für mehr Klimaschutz.
Eine Wehrpflicht und einen Ausbau staatlicher Überwachung lehnt sie ab. Einige Menschen waren mit Plakaten und Fahnen erschienen. Viele hatten Plakate dabei mit Sätzen wie "Ok Boomer, jetzt sind wir dran" oder "Freiheit, Zukunft, Menschlichkeit".
In Nürnberg wurden auch Fahnen der Freien Deutschen Jugend FDJ gesichtet, zu DDR-Zeiten eine Massenorganisation des Staates.
Sollen die Gewalt-Warnungen von den Themen der Demo ablenken?
"Die Jugend braucht Streik", stand auf einem dazugehörigen Transparent. Und: "Wir sind nicht eure Tagelöhner! Wir sind nicht euer Kanonenfutter!". In München gab es rote Fahnen der Revolutionären Kommunistischen Partei mit dem Schriftzug RKP sowie Hammer und Sichel.
Die Jungen Freien Wähler in Bayern hatten sich zuvor gegen Vorverurteilungen der Protestierenden gerichtet. "Wer sich für seine Interessen starkmacht, handelt legitim und verdient Gehör statt pauschaler Verdächtigungen", teilte die Jugendorganisation der Freien Wähler mit.
"Die Sorgen sind echt. Marode Schulen, hohe Preise und Wohnungsnot beschäftigen Jugendliche und junge Erwachsene auch in Bayern."
Vandalismus, Gewalt und Attacken auf Einsatzkräfte dürften aber kein Mittel sein, um politische Forderungen in die Schlagzeilen zu bringen.
Die Initiative "Gen Z regelt", die auch die Demo in München organisiert, lehnt aber ohnehin Ausschreitungen ab. Die Bewegung habe eine klare Leitlinie, wonach die Proteste ohne jegliche Gewalt ablaufen sollten, hatte der Münchner Mitorganisator Steve am Freitag erklärt. Man werde "friedlich protestieren".
Dass trotzdem ständig von Gewalt die Rede ist, ärgert den 18-Jährigen. Man werde nicht ernst genommen. "Keiner will sich mit uns um die Inhalte kümmern, sondern es ist immer nur das Thema Gewalt auf der Agenda."