Dresden - Diese Veranstaltung war Pro-Palästina-Demonstranten ein Dorn im Auge: Am Mittwochabend sprach Ex-Tagesschau-Sprecher Constantin Schreiber (47) in der Thalia-Filiale am Dr.-Külz-Ring in Dresden über sein neues Buch "Die Kraft des Islams". Vor dem Gebäude formierte sich Protest. Der Autor musste unter Polizeischutz zur Lesung eskortiert werden.
"Lasst uns ihm zeigen, dass er nicht willkommen ist", riefen die Organisatoren von "Free Palestine Dresden" im Vorfeld zur Teilnahme an der Kundgebung auf. Sie bezeichneten Schreiber als "Genozidleugner und Israel-Propagandist".
Unterstützung kam von der Landesarbeitsgemeinschaft "Palästinasolidarität" der Linken Sachsen. "Wenn versucht wird, antimuslimischen Hass auch in der Mitte der Gesellschaft salonfähig zu machen und zu instrumentalisieren, um Kritik an Kriegsverbrechen und Genozid zu delegitimieren, müssen wir laut werden", beklagen die Anhänger bei Instagram.
Schreiber reagierte bereits in den sozialen Netzwerken auf die Äußerungen: "Das klingt schon sehr nach einer handfesten Drohung", erklärte er gegenüber seinen Followern.
Der Journalist fragte sich zugleich, was aus der Gesellschaft geworden sei, wenn schon die Ankündigung eines Buches ausreiche, damit Menschen gegen ihn auf die Straße gehen. Zur Absicherung konnte er am Mittwochabend nur mit der Polizei durch Dresden laufen, wie ein Video zeigt.
Constantin Schreiber mit Polizeieskorte in Dresden
Gegenprotest vor Haus des Buches
Laut dem Verlag "Hoffmann und Campe" thematisiere Schreibers Sachbuch die Entwicklung eines immer stärker werdenden Islams, der das Christentum als größte Weltreligion in den kommenden Jahren ablöse.
Welche gesellschaftlichen Veränderungen dies zur Folge habe, wolle der Autor in seinem Werk darstellen. Dabei würden nicht nur neue Gemeinschaften beleuchtet, sondern auch "die Schattenseiten dieses Kulturwandels" angesprochen.
Die Veranstaltung im Haus des Buches am dritten Jahrestag nach dem Hamas-Überfall auf Israel war ausverkauft.
Zum Gegenprotest wurden laut Versammlungsliste 50 Teilnehmer prognostiziert.