Kurz vorm Millionen-Entscheid: Streit um Carolabrücken-Neubau spitzt sich zu

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Dresden - Im Brückenstreit wird scharf geschossen: Zwei der vier Planungsbüros rügen das Vergabeverfahren, was den Weg für zeitfressende Nachprüfungsanträge und spätere Klagen ebnet. Indes schlägt eine Ratsfraktion vor, die Carolabrücke ohne Autospuren zu bauen.

Auch LAP-Prokurist Tobias Mansperger (47) sieht Verfahrensfehler.
Auch LAP-Prokurist Tobias Mansperger (47) sieht Verfahrensfehler.  © Thomas Türpe

Man wolle mit der Rüge auch aufklären, so Hans Grassl (54) vom Büro Grassl. So habe man "die Bewertungskriterien für uns nicht nachvollziehbar angewendet", sagt der Bauingenieur und bezieht sich etwa auf das zusätzliche Pfeilerpaar im TSSB-Entwurf sowie die Busgarage im LAP-Entwurf.

Da Vorgaben der Ausschreibung nicht eingehalten worden seien, drohe ein Planfeststellungsverfahren, was den Baustart um Jahre verzögern würde, so Grassl. Eine Vergabe dürfe nicht an LAP oder TSSB erfolgen.

"Unser Entwurf wurde auf Grundlage der Aufgabenstellung der Stadt Dresden entwickelt, nach der Abgabe von der Stadt geprüft, von der Expertenkommission fachlich einstimmig auf Platz eins gesetzt und vom Begleitgremium zur Umsetzung empfohlen", entgegnet LAP-Prokurist Tobias Mansperger (47).

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Man habe selbst eine Rüge eingereicht, um auf Verfahrensfehler hinzuweisen. Mit den Rügen halten sich die Büros den Weg für Nachprüfungsanträge und spätere Klagen offen, was das Verfahren bzw. den geplanten Baustart 2028 ausbremsen könnte.

Reichte eine Rüge ein: Hans Grassl (54) vom Büro Grassl.
Reichte eine Rüge ein: Hans Grassl (54) vom Büro Grassl.  © Norbert Neumann
Aber auch die Busgarage auf der Altstädter Seite im LAP-Entwurf ist für die weiteren Planungen nicht risikofrei.
Aber auch die Busgarage auf der Altstädter Seite im LAP-Entwurf ist für die weiteren Planungen nicht risikofrei.  © LAP/Knight Architects/Querfeldeins
Wie hoch ist das Risiko für ein länger als geplantes Bauverfahren? Brückenhöhe und zusätzliches Pfeilerpaar bei FHECOR/TSSB sorgen für Diskussionen.
Wie hoch ist das Risiko für ein länger als geplantes Bauverfahren? Brückenhöhe und zusätzliches Pfeilerpaar bei FHECOR/TSSB sorgen für Diskussionen.  © Visualisierung: TSSB FHECOR
Stadtrat Martin Schulte-Wissermann (55, Piraten) von der PVP-Fraktion.
Stadtrat Martin Schulte-Wissermann (55, Piraten) von der PVP-Fraktion.  © Petra Hornig

IHK und Handwerkskammer sprachen sich für vier Autospuren aus

TSSB-Architekt Jan Tröber (51) verteidigt seinen Entwurf.
TSSB-Architekt Jan Tröber (51) verteidigt seinen Entwurf.  © Holm Helis

Für TSSB-Architekt Jan Tröber (51) bleibt es "ein bisschen Krimi". Er verteidigte sein zusätzliches Pfeilerpaar und die Brückenhöhe. "Wir sind in der Lage, die Risiken zu beherrschen", sagte er am Freitag.

Auch mit Anpassungen im weiteren Planungsverlauf (etwa geringere Höhe, Pfeiler-Verzicht) "hätte man keine neue Brücke und wäre der Baustart nicht gefährdet." Unter den vier Entwürfen biete man mit 32,5 Metern die schmalste und damit nachhaltigste Brücke, Autospuren könnten künftig bei Bedarf umgewidmet werden, etwa für Radler.

Der PVP-Fraktion reicht das nicht. Auch in Hinblick auf die Zukunftspläne, die St. Petersburger Straße und Albertstraße grüner und schmaler zu gestalten, sollte man auf Autospuren verzichten und den LAP-Entwurf nur mit dem Brückenzug für Straßenbahnen realisieren, fordert Stadtrat Martin Schulte-Wissermann (55, Piraten).

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Die Trasse könnten DVB-Busse (sowie Blaulicht und Taxis) mitnutzen, nicht aber private Autos. Das würde insgesamt auch nur 70 Millionen Euro kosten. IHK und Handwerkskammer sprachen sich erneut für vier Autospuren aus.

Titelfoto: Bildmontage: Thomas Türpe, Norbert Neumann,Visualisierung: TSSB FHECOR, Petra Hornig, Holm Helis

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