Brüssel (Belgien) - Sekundenschlaf über den Wolken, zu wenig Erholung und Angst vor dem Chef: Eine neue Studie mit 7200 europäischen Piloten enthüllt erschreckende Zustände in der Luftfahrt. Besonders bei Billigfliegern gibt es Probleme.
Wer ins Flugzeug steigt, vertraut darauf, dass die Piloten hellwach sind. Doch eine neue Untersuchung der Luftfahrtberatung Baines Simmons im Auftrag der Europäischen Pilotenvereinigung (ECA) zeichnet ein alarmierendes Bild.
76,8 Prozent der befragten Piloten berichteten, innerhalb von vier Wochen mindestens einmal während des Flugbetriebs kurz eingenickt zu sein!
Fast vier von zehn (38,8 Prozent) bekommen nach eigenen Angaben gewöhnlich oder immer zu wenig Erholung, um dauerhafte Übermüdung zu verhindern.
24,2 Prozent der Piloten gaben an, ihre Übermüdung nicht zu melden und trotzdem zu fliegen. Nur 37,2 Prozent melden sich gewöhnlich fluguntauglich, wenn sie wegen Erschöpfung nicht sicher fliegen können.
Ein Grund ist offenbar die Angst vor Konsequenzen: 38,2 Prozent äußerten in Freitext-Antworten die Sorge vor Bestrafung durch ihre Airline. 46,9 Prozent berichteten, trotz Müdigkeit geflogen zu sein, weil sie negative Reaktionen ihrer Vorgesetzten befürchteten.
Bei Billigfliegern ist der Druck besonders groß
Die Studie zeigt zudem Probleme bei der Verlängerung von Flugdienst-Zeiten. 69,1 Prozent der Piloten fürchten in unterschiedlichem Ausmaß negative Folgen, wenn sie eine solche Verlängerung ablehnen. Besonders betroffen sind Billigfluggesellschaften.
ECA-Präsidentin Tanja Harter fordert dringend Konsequenzen. Seit einer vergleichbaren Untersuchung 2023 habe es kaum Verbesserungen gegeben. Airlines und Aufsichtsbehörden müssten endlich handeln.
Wie gefährlich das für Passagiere ist, lässt sich nicht so einfach sagen: Die Studie erfasse Erfahrungen der Piloten, nicht das tatsächliche Unfallrisiko. Dennoch seien die Ergebnisse ein deutliches Warnsignal.
"Wenn Piloten um ihre Karriere fürchten, wenn sie Ermüdung melden, werden sie das einfach nicht mehr tun. Das mag zwar die Ermüdungsstatistiken einer Fluggesellschaft für die nächste behördliche Inspektion sauber halten, verlagert das Risiko jedoch direkt zurück ins Cockpit", so ECA-Vorstandsmitglied Coen George.