Israelischer Minister: "Terrorist" wollte Flydubai-Flugzeug zum Absturz bringen
Von Sara Lemel
Tel Aviv - Ein Flydubai-Flug auf dem Weg nach Tel Aviv ist nach einem gewaltsamen Zwischenfall im Cockpit in Saudi-Arabien notgelandet. Nach übereinstimmenden Berichten israelischer Medien soll ein Pilot seinen Kollegen mit einem Messer verletzt haben. Passagiere halfen demnach dabei, den Angreifer zu überwältigen. Israels Sicherheitsminister sprach nun von einem "Terrorist", der das Flugzeug zum Absturz bringen wollte.
Ziel sei es gewesen, "die 180 Israelis an Bord zu ermorden", sagte Sicherheitsministers Itamar Ben Gvir. Die Maschine befand sich am Morgen auf dem Weg von Dubai nach Tel Aviv, als sie nach Angaben der Airline wegen eines "Zwischenfalls" ins saudi-arabische Tabuk umgeleitet wurde.
Eine offizielle Bestätigung, dass es sich um einen gescheiterten Terrorangriff handelt, gab es noch nicht. Es werde nun geprüft, ob der Angreifer versuchte, das Flugzeug gezielt zum Absturz zu bringen.
Ein namentlich nicht genannter ranghoher israelischer Regierungsvertreter sagte dem TV-Sender N12 jedoch, es sei eine schwere Katastrophe verhindert worden. Das Flugzeug sei über Saudi-Arabien abgedreht und auf dem Flughafen Tabuk gelandet, hieß es in israelischen Medienberichten. Flydubai bestätigte laut dem Sender Al-Arabija einen "Vorfall" an Bord.
Der Flughafen in Tabuk bestätigte die Notlandung und teilte mit, der Kapitän und der erste Offizier seien mit Verletzungen in ein Krankenhaus gebracht worden. Angaben über weitere Verletzte gab es zunächst keine.
Berichte über Absturzversuch
Zuvor war berichtet worden, die Maschine habe zunächst den Code 7700 abgesetzt, der auf eine Notlage hinweist, und anschließend den Code 7500, der zur Meldung einer Flugzeugentführung verwendet wird. Das israelische Nachrichtenportal "ynet" berichtete, die Maschine sei zu Beginn des Vorfalls steil in die Tiefe geflogen.
Einer der Piloten habe den anderen mit Hilfe von Passagieren daran gehindert, das Flugzeug zum Absturz zu bringen. Ein Bild von Bord der gelandeten Maschine soll einen Passagier mit einem blutbefleckten Hemd zeigen. Einer der Piloten habe eine Stichverletzung erlitten.
Das israelische Nachrichtenportal "ynet" veröffentlichte eine Videobotschaft, die einen israelischen Passagier mit blutüberströmtem Gesicht direkt nach dem Vorfall an Bord zeigen soll. "Wir haben die Terroristen überwältigt", sagte er. Die Landung stehe unmittelbar bevor. "Wir brauchen Hilfe."
Zunächst war nur von einer Prügelei zwischen dem Kapitän und dem Co-Piloten die Rede gewesen.
Passagiere berichten von Panik und Schreien an Bord
Eine Israelin erzählte dem TV-Sender N12, unter den Passagieren habe große Angst geherrscht, es habe "Schreie und Panik" gegeben. "Einige Männer, darunter auch Israelis, standen auf und überwältigten den Angreifer", sagte sie. Es gehe den Passagieren der Maschine inzwischen gut. "Die Situation hätte aber auch anders enden können", sagte sie.
Eine weitere Israelin erzählte dem Sender, sie habe Schreie im Flugzeug gehört und anschließend viel Blut im Cockpit gesehen. "Es gab Momente, in denen wir dachten, dass wir das nicht lebend überstehen würden."
Eine israelische Sprecherin bestätigte, der tatverdächtige Copilot werde gegenwärtig in Saudi-Arabien befragt. Die israelischen Passagiere warten den Berichten zufolge auf ihre Heimreise.
Das Büro des israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu teilte mit, die Lage sei unter Kontrolle und man unternehme alles, um die sichere Rückkehr der israelischen Passagiere in ihre Heimat zu gewährleisten.
Die Passagiere an Bord wurden laut N12 angewiesen, sitzenzubleiben und das Flugzeug nicht zu verlassen. Lediglich die beiden Piloten seien von Bord gebracht worden. Noch sei unklar, ob sie mit einem Ersatzflugzeug oder von der israelischen Luftwaffe nach Israel gebracht werden sollen.
Originalartikel von 9.35 Uhr, zuletzt aktualisiert um 14.04 Uhr.
Titelfoto: Malak Harb/AP/dpa

