Thessaloniki/Dublin - Bei einem Ryanair-Flug von Griechenland nach Deutschland zerbrach plötzlich ein Kabinenfenster. Passagier Ljubisa Karovic (62) soll dabei teilweise aus der Maschine gerissen worden sein. Nun widerspricht Ryanair-Chef Michael O'Leary (65) dieser Darstellung entschieden.
Der Vorfall ereignete sich im Juli auf einem Flug von Thessaloniki nach Memmingen. Karovic saß am Fenster, als es plötzlich einen gewaltigen Knall gab und die Scheibe neben ihm zerbrach.
Durch den Druckabfall soll der Serbe aus seinem Sitz gerissen worden sein. Seine Frau Svetlana schilderte später, ihr Mann habe mit der Hälfte seines Körpers aus dem Flugzeug gehangen.
Andere Passagiere hätten geholfen, ihn zurück in die Kabine zu ziehen. Doch Ryanair stellt diese Version nun infrage.
Wie der Guardian berichtet, erklärte O'Leary nach der Hauptversammlung der Fluggesellschaft in Dublin, Karovic sei zwar unter dramatischen Umständen in Richtung des zerbrochenen Fensters gesogen worden. Nach Auffassung der Airline sei jedoch kein Teil seines Körpers durch die Öffnung gelangt.
"Er war nicht teilweise außerhalb des Fensters", erklärte O'Leary. Der Passagier sei zudem auf seinem Sitz angeschnallt gewesen.
Erst die Untersuchung wird Klarheit bringen
O'Leary betonte zugleich, er wolle die Schwere des Zwischenfalls nicht herunterspielen. Für eine abschließende Bewertung müsse das Ergebnis der laufenden Untersuchung abgewartet werden.
Die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB untersucht den Vorfall gemeinsam mit Boeing, Triebwerkshersteller GE und Ryanair.
Karovics Seite bleibt bei einer anderen Darstellung. Sein Anwalt erklärte, Kopf und rechter Arm des Mannes seien durch das zerstörte Fenster geraten.
Auch Ehefrau Svetlana widerspricht Ryanair: Sie habe ihren Mann "halb im und halb außerhalb" der Maschine gesehen.
Ein anderer Passagier habe entscheidend dabei geholfen, Karovic zurückzuziehen und die zerstörte Öffnung anschließend mit einem Koffer zu blockieren.
Der 62-Jährige erlitt bei dem Zwischenfall schwere Verletzungen und musste mehrere Tage im Krankenhaus behandelt werden.