Commerzbank-Boss mit heftiger Prognose: DAS wird es bald nicht mehr geben

Frankfurt am Main - Die klassische Bankfiliale wird in den kommenden Jahren nach Einschätzung von Commerzbank-Privatkundenchef Thomas Schaufler (53) weiter an Bedeutung verlieren.

Die klassische Bankfiliale könnte es bei der Commerzbank schon bald nicht mehr geben.
Die klassische Bankfiliale könnte es bei der Commerzbank schon bald nicht mehr geben.  © Frank Rumpenhorst/dpa

"In einigen Jahren haben Sie rein inhaltlich kaum noch einen Grund, in eine Filiale zu kommen. Ich glaube, dass dann alle Bankthemen über das Beratungscenter, über die Online-Kanäle machbar sein werden", sagte der Vorstand des Dax-Konzerns der Deutschen Presse-Agentur in Frankfurt.

"Trotzdem wird es immer Kunden geben, die sagen: Ich komme gerne in die Filiale und ich möchte das auch gerne." Daher werde die Filiale "ein wichtiger Bestandteil" der "Omnikanalstrategie" bleiben, sagte Schaufler. Ziel müsse sein, Kundinnen und Kunden auf verschiedensten Kanälen mit gleicher Qualität mit Bankdienstleistungen zu versorgen.

Derzeit keine Pläne für weitere Filialschließungen

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Die Commerzbank, die vor der Corona-Pandemie noch ein vergleichsweise dichtes Netz mit bundesweit etwa 1000 Standorten hatte, hat in den vergangenen Jahren ihr Filialnetz radikal auf 400 verkleinert. "Mit unseren rund 400 Filialen fühle ich mich momentan sehr wohl", bekräftigte Schaufler, der das Privatkundengeschäft der Commerzbank seit Ende 2021 führt.

Und weiter: "Uns war klar, dass uns Kunden verlassen würden, wenn wir 60 Prozent unserer 1000 Standorte schließen. Es waren aber deutlich weniger als erwartet. Es haben uns 2023 leider immer noch ein paar Kunden verlassen, aber dank Neukunden liegen wir plus minus null."

Filial-Öffnungszeiten sollen vorerst gleich bleiben

Diese krasse Prognose gab zumindest Commerzbank-Privatkundenchef Thomas Schaufler (53) ab.
Diese krasse Prognose gab zumindest Commerzbank-Privatkundenchef Thomas Schaufler (53) ab.  © Commerzbank AG/dpa

Nach jüngsten Zahlen betreut die Commerzbank in ihrem Privatkundensegment, zu dem auch die Online-Marke Comdirect gehört, knapp elf Millionen Privat- und Unternehmerkunden.

An den Öffnungszeiten der klassischen Filialen will Schaufler vorerst nichts ändern.

"Ich sehe derzeit keinen Bedarf für erweiterte Öffnungszeiten in unseren Filialen", sagte er. "Das Beratungscenter, das auch samstags erreichbar ist, füllt die Lücke zwischen physischem Vertrieb und reinem Online-Zugang sehr gut."

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Im vergangenen Jahr hatte Schaufler sich grundsätzlich offen geäußert, bei entsprechender Nachfrage über eine Samstagsöffnung klassischer Filialen nachzudenken.

Insgesamt müsse die Kundinnen und Kunden "noch besser zeigen, wo wir ihnen Mehrwert bieten können". Er verwies unter anderem auf das Angebot einer Finanzanalyse, bei der die Bank auf Wunsch eines Kunden dessen Einnahmen und Ausgaben zum Beispiel dahingehend analysiert, ob Versicherungen gebündelt werden können oder Geld zum Sparen übrig ist.

Privatkunden-Einlagen nahmen in diesem Jahr bei der Commerzbank zu

Den Wettlauf um das höchste Tagesgeldangebot, der nach der Zinswende der Europäischen Zentralbank (EZB) seit Sommer 2022 wieder in Gang gekommen war, will Schaufler nicht mitmachen.

"Wir haben nicht versucht, die Tagesgeldangebote zu überbieten, sondern Kunden aufzuzeigen, welche Chancen es gibt, die Inflation langfristig zu schlagen. Unser Ziel ist es, aus Sparern Anleger zu machen." Die Strategie ist aus Schauflers Sicht aufgegangen: "Wir haben bei der Commerzbank in Summe mehr Privatkunden-Einlagen als am Anfang des Jahres."

Titelfoto: Commerzbank AG/dpa

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