Berlin - Verdient mein Kollege mehr? Diese Frage wird in zwei Monaten ganz leicht zu beantworten sein. Denn eine neue Richtlinie verpflichtet EU-weit Firmen, Informationen über Löhne preiszugeben. Ziel: Lohn-Lücken zwischen Männern und Frauen aufdecken - und im besten Fall ausgleichen. Doch was bedeutet das für Arbeitnehmer?
Die sogenannte Entgelttransparenzrichtlinie (ETRL) ist bereits vor zwei Jahren vom Europäischen Rat beschlossen worden. Grund: Eigentlich ist die gleiche Bezahlung bei gleicher Arbeit eine der Grundprinzipien der EU. Doch mangelnde Transparenz bei Entgeltabrechnungen machen ungerechte Zahlungen schwer beweisbar.
Ab 8. Juni müssen sich Arbeitgeber allerdings nun einmal jährlich europaweit der unangenehmen Frage stellen, was ihre Mitarbeiter verdienen - aufgeschlüsselt nach Geschlechtern. Zeigt sich hier ein Ungleichgewicht von mehr als fünf Prozent, muss der Chef handeln.
Denn kritisch zu bewerten ist, dass, laut Eurostat-Daten, "Frauen für gleiche oder gleichwertige Arbeit im Durchschnitt elf Prozent weniger pro Stunde verdienen als Männer".
Auch deshalb sollen Firmen mit mehr als 100 Mitarbeitern dann regelmäßig Berichte über ungleiche Löhne zwischen Mann und Frau offenlegen, begründen und sicherstellen, dass diese aufgelöst werden.
Kompetenz, Belastung, Verantwortung und Arbeitsbedingungen
Dabei folgt die Richtlinie den vier Kriterien Kompetenz, Belastung, Verantwortung und Arbeitsbedingungen, um die Stellen jeweils zu bewerten.
Die Richtlinie geht sogar so weit, dass Opfer von Entgeltdiskriminierung entschädigt werden müssen und Arbeitgebern, die sich nicht an die Vorschriften halten, Geldbußen drohen.