Sind Impfungen gefährlich? Kinderarzt reagiert auf umstrittene Trump-Äußerungen

Köln - Die Ankündigung von US-Präsident Donald Trump (80), künftig weniger Kinderimpfungen empfehlen zu wollen, schlägt auch in Deutschland hohe Wellen. Nun hat sich ein renommierter Kinderarzt zu Wort gemeldet - und die Äußerungen des 80-Jährigen scharf kritisiert.

Sind Impfungen gefährlich für Kinder?  © Julian Stratenschulte/dpa

Mit Blick auf Trumps wiederholte Andeutungen, bestimmte Impfungen könnten mit Autismus zusammenhängen, kann Prof. Dr. Jörg Dötsch, Direktor der Kinderklinik an der Uniklinik Köln, nur mit dem Kopf schütteln.

"Die Sorge, dass insbesondere die Masern-Mumps-Röteln-Impfung Autismus verursacht, kam ursprünglich durch eine medizinische Publikation im Jahr 1998, die später aber durch die Zeitschrift zurückgezogen wurde, weil sie zu viele Fehler enthielt", erklärt der Mediziner gegenüber dem "Kölner Stadt-Anzeiger", ehe er deutlich wird: Die Aussage des US-Präsidenten sei damit "schlicht und ergreifend überholt."

Ähnliches gelte auch für die nicht belegte Empfehlung Trumps, den kombinierten Impfstoff in Einzelimpfungen zu verabreichen, da die Inhaltsstoffe in Kombination "ziemlich tödlich" sein könnten. Auch diese Annahme beruhe auf der längst widerlegten Studie, betont Dötsch.

Gesundheit Dresdner Marathon-Läufer für Herz-Studie gesucht

Im Gegensatz dazu wisse man allerdings genau, "dass Masern für eine ganze Reihe von Todesfällen bei Kindern verantwortlich sind, die durch eine Impfung verhindert werden können." Zumal die Zahl der Maserninfektionen in den USA bereits jetzt den höchsten Stand seit Jahrzehnten erreicht hat - und das, obwohl die Kinderkrankheit dort im Jahr 2000 eigentlich bereits als ausgerottet galt.

Anzeige
Der renommierte Kölner Kinderarzt Prof. Dr. Jörg Dötsch hat die Äußerungen des US-Präsidenten eingeordnet. (Archivbild)  © Bernd von Jutrczenka/dpa

Kinderarzt sieht steigende Zahl von Masern-Toten in den USA als warnendes Beispiel

US-Präsident Donald Trump (80, l.) und Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. (72) unterzeichneten am Montag das umstrittene Dekret.  © Jacquelyn Martin/AP/dpa

Dass sich diese Entwicklung auch auf Deutschland übertragen lässt, bezweifelt der Mediziner. Dafür seien weder das Gesundheitssystem noch das Impfsystem beider Staaten gut genug miteinander vergleichbar.

"Deswegen würde ich den Eltern hier immer raten, sich nach dem zu richten, was die Ständige Impfkommission sagt - und nicht nach dem, was Donald Trump sagt", ergänzt der Kinderarzt.

Mit Blick auf die in Umfragen immer beliebter werdende AfD, die insbesondere während der Corona-Pandemie durch Impfskepsis aufgefallen war, mahnt er außerdem: "Die steigende Zahl von Masern-Toten in den USA sollte wirklich jeder Partei in Deutschland ein warnendes Beispiel sein"

Gesundheit Psychische Leiden in Bayern Hauptgrund für Krankschreibungen

Am Montag hatten Trump und US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. (72) per Dekret eine Änderung der Impfpolitik für Kinder verfügt. Künftig sollen nur noch Impfungen gegen elf Krankheiten als zentrale Empfehlungen anerkannt werden.

Mehr zum Thema Gesundheit: