Hochwasser-Katastrophe in NRW: So ist die aktuelle Lage

NRW - Die Vizepräsidentin des Technischen Hilfswerks (THW), Sabine Lackner, sieht kaum noch Chancen, knapp eine Woche nach den Überschwemmungen in NRW noch Überlebende zu finden.

Knapp eine Woche nach den Überschwemmungen in NRW sucht das Technische Hilfswerks (THW) noch immer nach Vermissten.
Knapp eine Woche nach den Überschwemmungen in NRW sucht das Technische Hilfswerks (THW) noch immer nach Vermissten.  © David Young/dpa

"Wir suchen aktuell noch nach Vermissten, etwa beim Räumen der Wege oder Auspumpen der Keller", sagte sie dem Redaktionsnetzwerk Deutschland.

"Zu diesem Zeitpunkt ist es aber leider sehr wahrscheinlich, dass man Opfer nur noch bergen kann, nicht mehr retten."

Die Zahl der Hochwasser-Todesopfer war innerhalb knapp einer Woche bis zum Dienstag auf mindestens 170 gestiegen. Aus Rheinland-Pfalz wurden 122 und aus Nordrhein-Westfalen 48 Unwetter-Tote bestätigt. Auch am Dienstag wurden noch Menschen vermisst.

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THW-Vize Lackner warnte vor schnellen Schuldzuweisungen, wonach ein besseres Warnsystem Tote hätte verhindern können. "Natürlich werden wir die Abläufe aufarbeiten müssen. Aber ich finde diese Debatte drei bis vier Tage nach der Katastrophe unglücklich."

Sie riet davon ab, "jetzt von Versagen zu sprechen und Schuldige zu suchen". Nach wie vor stünden viele Menschen vor den Trümmern ihrer Existenz, viele Maßnahmen der Unterstützung liefen noch.

"Es braucht für diese Debatte Ruhe - und auch die Expertinnen und Experten. Die sind aber aktuell noch größtenteils in den Überschwemmungsgebieten eingesetzt."

Künftig brauche es wieder mehr bewährte Alarmsysteme, so Lackner. "Wieso nicht mit Lautsprechern vor Ort auf den Straßen warnen, wie zum Beispiel auch bei einem Bombenfund? Auch viele Sirenen sind in den letzten Jahren abgeschafft worden, die braucht es. Und die Bevölkerung sollte auch wieder die Warntöne unterscheiden können."

Alle Meldungen des gestrigen Tages findest Du im TAG24-Ticker zum Geschehen in NRW von Dienstag.

Update, 22.26 Uhr: Trinkwasser in Euskirchen nur abgekocht nutzen

In Euskirchen warnt die Feuerwehr, das Trinkwasser abzukochen.
In Euskirchen warnt die Feuerwehr, das Trinkwasser abzukochen.  © Sebastian Klemm

Nach der Hochwasserkatastrophe sollte das Trinkwasser in Euskirchen wegen mikrobiologischer Veränderungen derzeit nur abgekocht getrunken werden.

Die Abweichungen seien in aktuellen Proben im Bereich des Wasserversorgungsverbandes Euskirchen-Swisttal (WES) festgestellt worden, teilte die Stadt am Mittwoch auf ihrer Internetseite mit. Betroffen seien alle Euskirchener Ortsteile außer Frauenberg, Oberwichterich, Elsig, Wißkirchen und Euenheim.

Bei mikrobiologischen Abweichungen von der Trinkwasserverordnung kann es um Krankheitserreger in zu großen Konzentrationen gehen.

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"Lassen Sie das Wasser einmalig sprudelnd aufkochen und dann langsam über mindestens 10 Minuten abkühlen", hieß es.

Die von Kaffeemaschinen entwickelte Temperatur sei dafür nicht ausreichend. Und: "Sollte keine Möglichkeit zum Abkochen bestehen, wenden Sie sich bitte an die zentralen Trinkwasserstellen in den Ortsteilen der Stadt Euskirchen."

Update, 20.35 Uhr: Falsches Gerücht in Erftstadt

Bei einem freigelegten Rohr im von der Hochwasserkatastrophe besonders stark betroffenen Stadtteil Blessem in Erftstadt handelt es sich nicht um eine unterirdische Flussleitung. Darauf weist der Kreis Rhein-Erft-Kreis am Mittwochabend per Mitteilung hin.

Der Kreis reagiert damit auf Gerüchte in den Sozialen Medien, bei denen Fotos eines freigelegten Rohres mit dem Hinweis veröffentlicht wurden, an der Katastrophe sei der unterirdische Flusslauf schuld. "Es handelt sich um einen Mischwasserkanal mit einem Durchmesser von 1,20 Metern. Er gehört zur städtischen Kanalisation und dient der Wasserableitung", heißt in der Mitteilung.

Die Zuständigkeit liege bei der Stadt Erftstadt und der Bezirksregierung Köln. "Es handelt sich hier somit nicht um einen unterirdischen verrohrten Fluss."

Update, 19.38 Uhr: Remondis-Müllanlage bei Erftstadt brannte

Blick auf die Remondis-Anlage bei Erftstadt.
Blick auf die Remondis-Anlage bei Erftstadt.  © Vincent Kempf

Eine Müllsortieranlage der Firma Remondis ist am Mittwoch in Erftstadt-Liblar in Brand geraten. Das Feuer war am Nachmittag weithin sichtbar, eine große schwarze Rauchwolke stieg auf.

Laut Remondis ist nur ein Teil der Anlage beschädigt, wie der WDR berichtete.

Eine Anlage für die Glas-Aufbereitung war in Brand geraten. Möglicherweise sei ein Stoff in das Förderband geraten, der leicht entzündbar war.

Daraufhin breitete sich das Feuer Richtung einer sogenannten Rotte-Anlage aus. Der Brand konnte am Nachmittag gelöscht werden.

Update, 18.56 Uhr: Wasserverband Eifel-Rur will kommenden Regen stemmen können

Der Wasserverband Eifel-Rur schafft in Abstimmung mit der Bezirksregierung weiterhin durch eine erhöhte Abgabe in seinen Talsperren Platz für den zusätzlich erwarteten Regen.

Besonders in der Urft- und in der Rurtalsperre werde genug Platz gemacht, damit die angekündigten Niederschläge vollständig aufgenommen werden können.

Update, 18.55 Uhr: "Nach der Flut – Böttinger live vor Ort"

Am Donnerstag (22.Juli) senden die öffentlich-rechtlichen Programme von WDR und SWR die gemeinsame Sendung "Nach der Flut – Böttinger live vor Ort".

Moderatorin Bettina Böttinger (65) ist in der Eifel unterwegs, in der sie selbst auch zeitweise lebt.

Sie fragt die Menschen, wie es ihnen nach der Naturkatastrophe geht, von der die Eifel und das Ahrtal besonders betroffen sind.

Die einstündige Sendung ab 20.15 Uhr soll live aus Bad Münstereifel kommen.

Update, 18.13 Uhr: Kiste mit Munition angespült

Die Hochwasser-Katastrophe führt zu teils zu außergewöhnlichen Funden. In Swisttal im Rhein-Sieg-Kreis wurde eine Kiste mit mehreren Tausend Patronen angeschwemmt.

Wie die Polizei Köln mitteilte, hatte ein Anwohner die Bereitschaftspolizei in Swisttal informiert und die Kiste übergeben.

Die Beamten fanden in der angeschwemmten Kiste mehrere Tausend Schuss scharfer Munition, so die erste Einschätzung. Nähere Angaben zu den Fund-Umständen machten die Beamten zunächst nicht.

Update, 16.59 Uhr: Anwohner von Erftstadt-Blessem dürfen Donnerstag kurz zurück

Viele Anwohner des von einem Erdrutsch betroffenen Ortsteils Erftstadt-Blessem dürfen am Donnerstag zeitweise in ihre Wohnungen und Häuser zurückkehren. Das teilte die Stadt Erftstadt am Mittwoch in einem Facebook-Post mit.

Mit Bauzäunen richteten Einsatzkräfte bereits eine Sicherheitszone von 100 Metern rund um die Abbruchkante der Kiesgrube ein. Für die Straßenzüge außerhalb dieses Radius hatte die Stadt geplant, Bewohner einzeln und kurz in ihre Wohnungen zu lassen, um persönliche Gegenstände zu sichern.

Aus Sicherheitsgründen sollten Einsatzkräfte die jeweiligen Anwohner aber begleiten. Vor allem an der Abbruchkante bestand weiter "akute Lebensgefahr", wie der Rhein-Erft-Kreis mitgeteilt hatte. Wann die Begehung am Donnerstag starte, war noch unklar.

Update, 16.47 Uhr: 2 Millionen Euro für Wiederaufbau historischer Bauten

Zwei Stiftungen stellen zwei Millionen Euro für den Wiederaufbau bei den Unwettern beschädigter historischer Gebäude bereit. Die Deutsche Stiftung Denkmalschutz (Bonn) und die Hermann Reemtsma Stiftung (Hamburg) richten ein Nothilfe-Programm ein und statten es jeweils mit einer Million Euro aus, wie sie am Mittwoch mitteilten.

Die Flutkatastrophe habe auch Orte mit teils historischen Stadtkernen und malerischen Lagen an Bach- und Flussläufen getroffen.

"Denkmaleigentümer, die mit großem Engagement ihre Gebäude erhalten, sind nun ganz besonders auf Solidarität und schnelle Hilfe angewiesen."

Update, 15.56 Uhr: Zahl der Toten auf 47 korrigiert

Bei der Unwetterkatastrophe sind in Nordrhein-Westfalen nach bisherigen Erkenntnissen 47 Menschen ums Leben gekommen.

Die Kölner Polizei korrigierte am Mittwoch ihre Angaben vom Vortag, wonach eine weitere Leiche in Bad Münstereifel gefunden und die Zahl der Toten im Kreis Euskirchen damit auf 27 gestiegen sei.

Dies habe sich zwischenzeitlich nicht bestätigt, es gebe 26 Todesopfer im Kreis Euskirchen, teilte die Polizei am Mittwoch mit und entschuldigte sich für ihren Fehler.

Update, 14.54 Uhr: 90 Kilometer Autobahn im Rheinland müssen repariert werden

Im Rheinland sind etwa 90 Kilometer Autobahn von Flutschäden betroffen. Das sagte ein Sprecher der Autobahngesellschaft des Bundes am Mittwoch. Dabei handele es sich um Schäden von unterschiedlicher Schwere.

Auch Streckenabschnitte, die nach dem Abfließen des Wassers intakt aussehen, könnten nicht sofort freigegeben werden. "Wir müssen zunächst prüfen, ob der Untergrund tragfähig ist", sagte der Sprecher.

Titelfoto: Deutsche Bahn/presse

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