Street-View-Autos von Google fahren durch Deutschland: Kann ich Widerspruch einlegen?

Hamburg - Google lässt wieder Kamera-Fahrzeuge durch Deutschland rollen. Die inzwischen bis zu 15 Jahre alten Bilder des Street-View-Dienstes sollen erneuert werden.

Mit einer auffälligen Kamera auf dem Dach fährt ein Auto von Google Street-View durch die Straßen.
Mit einer auffälligen Kamera auf dem Dach fährt ein Auto von Google Street-View durch die Straßen.  © Arne Dedert/dpa

Der Konzern kündigte an, dass die Autos von diesem Donnerstag an bis in den Oktober durch Stadt und Land fahren, um neue Fotos aufzunehmen.

Um bestimmte Sehenswürdigkeiten gut zu erfassen, sind auch Beschäftigte mit einem Kamerarucksack zu Fuß unterwegs. Die frischen Fotos wie auch Bilder aus dem vergangenen Jahr sollen dann von Mitte Juli an schrittweise veröffentlicht werden.

Was genau nimmt Google auf? Sind das Videos oder Fotos?

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Die Google-Autos filmen keine Videos, sondern erstellen alle paar Meter hoch auflösende 3D-Panoramabilder. Diese werden später mit einer Software digital miteinander verknüpft, sodass sich die Anwenderinnen und Anwender virtuell in dem Straßenbild auf dem Smartphone oder PC bewegen können.

Die insgesamt neun Kameras befinden sich in 2,9 Metern Höhe und erfassen auch Straßenschilder und Schriftzüge von Geschäften. Auto-Kennzeichen und die Gesichter von Passanten werden automatisch verpixelt.

Wird ganz Deutschland erfasst?

Im Prinzip ja. Google hat Kamerafahrten für sämtliche größeren Städte sowie fast alle Landkreise in Deutschland angekündigt.

Zunächst sollen aber die 20 größten Städte schrittweise aktualisiert werden, bei denen der Dienst bisher verfügbar war (Berlin, Bielefeld, Bochum, Bonn, Bremen, Dortmund, Dresden, Duisburg, Düsseldorf, Essen, Frankfurt am Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Mannheim, München, Nürnberg, Stuttgart und Wuppertal).

Warum hat Google nicht wie in anderen Ländern die Aufnahmen aktualisiert?

Im Gegensatz zu den meisten anderen Ländern in der westlichen Welt traf Google 2010 bei der Einführung von Street View in Deutschland auf zum Teil starken Widerstand in der Politik, bei Hauseigentümern und bei Datenschützern.

Fast eine Viertelmillion Menschen legten Widerspruch gegen die Aufnahmen ein und zwangen Google, die Abbildung ihrer Häuser zu verpixeln, was die Qualität des Dienstes insgesamt beeinträchtigte.

2011 kündigte der Konzern daraufhin an, keine weiteren Kamerafahrten zu unternehmen. Erst zwölf Jahre später reifte der Entschluss, einen neuen Anlauf zu unternehmen.

Was muss ich tun, wenn ich mein Haus nicht bei Google Street View sehen will?

Die Street-View-Autos sind in ganz Deutschland unterwegs.
Die Street-View-Autos sind in ganz Deutschland unterwegs.  © Marcus Brandt/dpa

Google muss wie im Jahr 2010 jede Wohnung und jedes Haus vor der Veröffentlichung der neuen Bilder unkenntlich machen, wenn Mieter oder Eigentümer dies wollen. Allerdings gelten die alten Anträge von damals nicht mehr, sie müssen neu gestellt werden.

Der Widerspruch kann per Mail, per Formular oder per Post erfolgen. Bürgerinnen und Bürger müssten alle Möglichkeiten haben, ihr Recht auf Privatheit zur Geltung bringen zu können, sagt der zuständige Hamburgische Datenschutzbeauftragte Thomas Fuchs.

Wurde die Verpixelung vor der Veröffentlichung des Bildes beantragt, so wird das Haus im Dienst Street View von Beginn an nur verpixelt dargestellt. Geht der Widerspruch erst nach Veröffentlichung bei Google ein, erfolgt die Verpixelung nachträglich.

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Fuchs hat sich noch nicht entschieden, wie er sich verhalten wird. "Ich persönlich werde mir zunächst die neuen Aufnahmen auf Google Street View nach der Veröffentlichung ansehen und dann entscheiden, was ich tue."

Titelfoto: Arne Dedert/dpa

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