Mühevolle Handarbeit: Künstler druckt Goethes "Faust" auf 650 Tonkacheln
Deutschland - Seit drei Jahren widmet er sich seinem außergewöhnlichen Projekt und hat bereits mehr als 500 Arbeitsstunden dafür investiert: Phili (37) druckt in aufwendiger Handarbeit "Faust. Der Tragödie erster Teil" auf insgesamt mehr als 650 Tonkacheln!
Alles begann 2023, als seine Mutter die Diagnose Krebs bekam. Nach diesem Schicksalsschlag redeten er und seine Mama viel miteinander - dabei erzählte sie ihm, dass sie als junge Erwachsene Goethes "Faust" in kleineren Theatern inszeniert hatte.
Da er das Werk ohnehin schon für sein Projekt in Betracht gezogen hatte und seit Jahren mit Ton arbeitet, fiel ihm die Entscheidung schließlich nicht mehr schwer.
"So setzte ich ihr auch irgendwie ein Denkmal, was mir im Laufe des Projektes klar geworden ist", erzählte Phili im Gespräch mit TAG24-Redakteurin Janina Rößler (23).
Noch im selben Jahr fing der Künstler schließlich an, das gesamte Buch auf Tonkacheln zu drucken. Doch bis eine einzige Platte fertig ist, dauert es ganze 14 Tage!
Denn zuerst muss er den Ton vorbearbeiten, bis er mit kleinen Buchstabenstempeln pro Platte rund zehn Zeilen aus "Faust I" drucken kann. Dann müssen die einzelnen Kacheln circa sieben bis zehn Tage trocknen, bevor sie glasiert und gebrannt werden können.
Phili träumt davon, dass aus seinem Projekt der "Faustplatz" entsteht
Bisher hat er rund 500 Arbeitsstunden in das Projekt investiert und etwa 320 Platten erschaffen. Er selbst schätzt, dass sich die Stunden bis zum Ende noch einmal verdoppeln werden und er weitere rund 335 Kacheln bedrucken muss.
Fertig wird der 37-Jährige laut eigenen Angaben nicht vor Ende des Jahres, wahrscheinlich sogar erst zu Ostern 2027.
"Das ist ein bisschen dem geschuldet, dass ich keinen Auftrag habe. Das heißt, ich baue das so blau in die Welt hinein und hoffe, dass ich einen Ort finde", so Phili. Denn sein größter Traum ist es, dass jemand dieses Werk ankauft und öffentlich verlegt, sodass ein "Faustplatz" entstehen kann.
"Das wäre mein großer Traum, dass das ein öffentlicher Platz wird, auf den Menschen einfach draufgehen können, der keinen Eintritt kostet. [...] Da kann man die Kraft von Literatur spüren, da kann man den Faust noch einmal neu erleben, da kann man einfach Zeit verbringen, und irgendwie verbindet das die Vergangenheit mit der Gegenwart", erklärte er weiter.
Seinen Weg dokumentiert der Künstler auf TikTok. Seit Herbst vergangenen Jahres gewährt er dort regelmäßig Einblicke in den Entstehungsprozess der Tonkacheln.
Phili teilt seine Arbeit auf TikTok
Mittlerweile verfolgen rund 17.200 Menschen seine Kunst - und die Reaktionen seiner Follower sind fast durchweg positiv. Vor Kurzem bekam Phili sogar eine Nachricht von einer Zuschauerin, die durch ihn selbst anfing, Tonplatten zu bedrucken.
"So was finde ich total toll! Das ist das größte Kompliment, das man einem Künstler machen kann, dass es andere Leute inspiriert, irgendwas zu tun, und das sagen mir sehr viele Leute."
Und wenn er mit "Faust I" fertig ist? Dann plant er bereits sein nächstes Projekt. Was genau das wird, weiß er noch nicht, aber Aufhören kommt für ihn nicht infrage.
Viele fragen ihn, ob er sich anschließend dem zweiten Teil widmen wird - doch das würde er jedoch nur tun, wenn er dafür einen Auftrag erhält.
Titelfoto: Montage: privat
