Hamburg - Seit mehr als zwei Monaten können die Bewohner der Holstenstraße 197 in Hamburg-Altona nicht zurück in ihre Wohnungen. Nach der dramatischen Evakuierung Ende Juli und dem anschließenden Teilabriss warten sie noch immer auf einen sicheren Zugang zum Gebäude. Doch der lässt auf sich warten. "Für uns ist die Situation zunehmend zermürbend", so die Bewohner in einem Statement von Montag.
Ende Juli mussten die Menschen das Mehrfamilienhaus wegen massiver Risse in der Fassade innerhalb weniger Minuten verlassen. Am 11. August begann der Not-Abriss. Seitdem ist die Rückseite des Hauses teilweise offen.
Besonders bitter für die Bewohner: Ihr Hab und Gut befindet sich nach wie vor in den Wohnungen. Möbel, Hausrat und persönliche Gegenstände seien für sie weiterhin nicht erreichbar, erklären sie.
Gleichzeitig seien ihre Sachen durch den Teilabriss nun Wind und Wetter ausgesetzt. Inzwischen sei bereits deutliche Schimmelbildung zu erkennen.
Für einen Teil der Betroffenen ist Mitte Oktober der Einzug in vorübergehende Ersatzwohnungen in der Chemnitzstraße vorgesehen. Doch die Frage bleibt: mit welchen Möbeln?
Bislang gibt es laut den Bewohnern keine sichere Möglichkeit, größere Gegenstände aus dem Gebäude zu holen. Dabei sollte eigentlich längst ein Schutzgerüst stehen. Als Termin war ursprünglich der 18. September vorgesehen. Doch daraus wurde nichts. Die Gerüststatik befinde sich weiterhin in Prüfung. Das Gerüst soll nun deutlich umfangreicher ausfallen. Zusätzlich seien statische Nachweise für die Kellerdecke und weitere Vorarbeiten erforderlich.
Die Bauaufsicht hat dem Eigentümer inzwischen eine Frist bis zum 9. Oktober gesetzt. Dann soll das Schutzgerüst stehen. Nach Auskunft des Bezirksamts sind bis zum Aufbau des Gerüsts keine weiteren Schutzmaßnahmen am offenen Gebäude vorgesehen.
Eigentümer will die Hotelkosten nur noch bis zum 6. Oktober übernehmen
Für die Bewohner wird die Situation nach eigenen Angaben immer belastender. Seit Ende Juli seien sie auf Hotels, Zwischenmieten oder die Hilfe von Freunden angewiesen.
Zusätzlicher Druck entsteht bei den Unterbringungskosten. Nach Angaben der Bewohner will der Eigentümer die Hotelkosten nur noch bis zum 6. Oktober übernehmen.
Die Ersatzwohnungen sind allerdings erst Mitte Oktober bezugsfertig. Eine Übergangslösung für diese Zeit müsse also her.
Gemeinsam mit ihren Anwälten haben die Bewohner deshalb dem Eigentümer jetzt eine weitere Frist gesetzt: Bis zum 15. Oktober soll er einen sicheren Zugang ermöglichen, damit Möbel und größere persönliche Gegenstände aus den Wohnungen geholt werden können.
Doch das ist nicht ihre einzige Forderung: Die Bewohner wollen zurück nach Hause und die Holstenstraße 197 soll wiederaufgebaut werden.