Tausende Mercedes-Mitarbeiter gehen auf die Straße: "Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen"
Von Robin Wille
Sindelfingen (Landkreis Böblingen) - Zahlreiche Beschäftigte des Autobauers Mercedes-Benz haben in Sindelfingen (Landkreis Böblingen) unter anderem gegen Jobabbau und weitere Einschnitte in ihrer Industrie protestiert.
Die IG Metall sprach von über 20.000 Beschäftigten, Mercedes-Benz sprach von 20.000 Beschäftigten, die sich beteiligten. Die IG Metall hatte bundesweit zu einem Aktionstag aufgerufen.
Gesamtbetriebsratschef Ergun Lümali (64) sagte, man wolle deutlich machen, dass man sich wehren könne. Wenn der Vorstand meine, er könne einen über den Tisch ziehen, dann werde man zeigen, dass man mit ihm nicht weitermache. Der Vorstand habe jeglichen Verstand für die Beschäftigten verloren, sagte Lümali.
Auch IG-Metall-Bezirksleiterin Barbara Resch (51) wählte deutliche Worte in Richtung Arbeitsgeberseite. Das Management habe sich zu lange ausgeruht und die Füße hochgelegt, während die Beschäftigten Schicht für Schicht abgeliefert hätten.
"Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen", sagte Resch. Und wer nicht hören wolle, müsse fühlen.
Das Werk in Sindelfingen wurde 1915 gegründet, mehr als 30.000 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt der Autobauer eigenen Angaben zufolge am Standort. Unter anderem wird in Sindelfingen die S-Klasse produziert.
Tarifrunde: Erste Verhandlung am 7. Oktober
Im Südwesten sollten sich Gewerkschaftsangaben zufolge neben den Beschäftigten von Mercedes-Benz auch jene von Porsche, Bosch, Mahle oder Daimler Truck an verschiedenen Standorten beteiligen.
Für die anstehende Tarifrunde in der Metall- und Elektroindustrie will die Gewerkschaft ihre Forderungen für Baden-Württemberg am 22. September beschließen. Die erste Verhandlung soll dann am 7. Oktober in Ludwigsburg stattfinden.
Zum 31. Oktober laufen die Entgelttarifverträge aus. Dann endet auch die sogenannte Friedenspflicht; danach könnte die Gewerkschaft zu Warnstreiks aufrufen.
Im Südwesten arbeiten Angaben der IG Metall zufolge derzeit rund 900.000 Menschen in der Metall- und Elektroindustrie. Gerade in der Autoindustrie hatten die Unternehmen zuletzt mit Gewinneinbrüchen zu kämpfen und mit Sparprogrammen reagiert.
Titelfoto: Marijan Murat/dpa

