Tierschutz schlägt Alarm! Jedem vierten Tierheim droht die Schließung

Stuttgart - Manche Tierheime führen schon Wartelisten! Viele Tierhalter sind überfordert mit ihren Vierbeinern oder mit exotischen Tieren, die sie während der Pandemie erworben haben. Die Futterkosten steigen, viele anderen Preise auch. Nun schlägt der Tierschutzbund Alarm.

Zwei Schäferhunde blicken im Tierheim Böblingen aus ihrem Zwinger.
Zwei Schäferhunde blicken im Tierheim Böblingen aus ihrem Zwinger.  © Christoph Schmidt/dpa

Der Deutsche Tierschutzbund befürchtet eine Schließung von bundesweit jedem vierten Tierheim. "Ein Viertel wackelt, weil so viele Probleme zusammenkommen", sagt der Präsident des Verbandes, Thomas Schröder.

Die Situation sei aus mehreren Gründen katastrophal. So sehe die neue Gebührenordnung für Veterinäre zum Teil eine Verdopplung der Honorare vor, die nicht nur die Tierheime in Bedrängnis bringe, sondern auch Halter, die wegen unbezahlbarer Behandlungskosten ihre langjährigen Gefährten schweren Herzens im Tierheim abgeben würden. "Das hat uns kalt erwischt", sagte Schröder.

Überdies kommen die Tierheime wegen steigender Energie- und Personalkosten in die Bredouille. Schröder fordert Bund und Kommunen auf, die Finanzierung der Häuser zu verbessern. 380 Millionen Euro einmalig reichten aus, um sie auf Vordermann zu bringen. Der Tierschutzbund vertritt die Interessen von 540 Mitgliedsheimen in Deutschland.

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Neben dem höheren Mindestlohn schlagen die gestiegenen Energiekosten massiv zu Buche. Schröder erklärte, die meisten Heime seien alt und energetisch nicht auf dem neuesten Stand - mancherorts hätten sich die Energiekosten verfünffacht. Dabei sei der Wärmebedarf groß.

Geld reicht vorne und hinten nicht

In den Tierheimen häufen sich die Probleme - mancher Bewohner könnte den Winter nicht überleben.
In den Tierheimen häufen sich die Probleme - mancher Bewohner könnte den Winter nicht überleben.  © Arne Dedert/dpa

Die baden-württembergische Landestierschutzbeauftragte Julia Stubenbord (47) sagte: "Die in der Coronakrise spontan erworbenen Tiere sind teils schon wieder im Tierheim gelandet, und die steigenden Kosten halten mögliche Halter von der Anschaffung ab."

Der Präsident des Tierschutzbundes, Schröder, erläuterte, die Finanzierung der Tierheime sei in jeder Kommunen anders: So gebe es Städte mit einer tierartenscharfen Abrechnung, anderswo an der Einwohnerzahl orientierte Pauschalen oder einen Erlass der Pacht städtischer Flächen.

"Wir wollen eine kostendeckende einheitliche Finanzierung", verlangte Schröder und fügte hinzu: "Wenn es keine Tierheime mehr gibt, fällt die Aufgabe ohnehin an die Kommunen - töten können wir die Tiere ja nicht."

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Um nötige Investitionen vorzunehmen und den Winter zu überstehen, forderte Schröder für die Tierheime 160 Millionen Euro aus der Hundesteuer und ebenso viel aus dem 200 Milliarden Euro Entlastungspaket der Bundesregierung.

Am heutigen Samstag wirft Schröder gemeinsam mit Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir (56, Bündnis 90/Die Grünen) in einem Stuttgarter Tierheim einen Blick auf die tägliche Praxis.

Titelfoto: Christoph Schmidt/dpa

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