Ukraine vs. Russland: Fecht-Eklat führt zu Disqualifikation

Mailand (Italien) - Fecht-Olympiasiegerin Olga Kharlan (32) ist gegen eine Russin angetreten, gewinnt und ist trotzdem bei der Weltmeisterschaft nicht mehr dabei.

Olga Kharlan (32, l.) verweigert nach ihrem Sieg der russischen Kontrahentin Anna Smirnowa (23) den Handschlag.
Olga Kharlan (32, l.) verweigert nach ihrem Sieg der russischen Kontrahentin Anna Smirnowa (23) den Handschlag.  © IMAGO / AFLOSPORT

Fecht-Olympiasiegerin Olga Kharlan streckte Anna Smirnowa (23) nach ihrem Sieg den Säbel entgegen, die Hand wollte sie der Russin aber nicht reichen - und wurde deshalb von den Weltmeisterschaften wegen "unsportlichen Verhaltens" disqualifiziert.

Wer bei den Fechterinnen und Fechtern den Handschlag verweigert, wird für den weiteren Turnierverlauf ausgeschlossen.

In der Runde der besten 32 durfte Olga Kharlan deshalb nicht mehr antreten - die Fecht-WM in Mailand hat ihren sportpolitischen Eklat.

Olga Kharlan streckt den Säbel - Anna Smirnowa reagiert mit Sitzstreik

Die viermalige Säbel-Weltmeisterin aus der Ukraine hatte am Donnerstag in der Runde der letzten 64 die Russin Anna Smirnowa klar mit 15:7 besiegt.

Die 23-Jährige durfte in Mailand unter neutraler Flagge antreten. Sportliche Wettbewerbe zwischen der Ukraine und Russland hatte es seit Beginn des Krieges nur im Tennis regelmäßig gegeben.

Gut 20 Mitglieder der ukrainischen Delegation unterstützten Kharlan, riefen immer wieder "Slawa Ukrajini" ("Ruhm der Ukraine"). Nach ihrer Niederlage weigerte sich Smirnowa die Planche zu verlassen, und forderte die Disqualifikation ihrer Gegnerin.

Als sie mit ausgestreckter Hand auf sie zugegangen war, hatte Olga Kharlan nur kurz den Kopf geschüttelt und der Russin den Säbel entgegengehalten.

Danach ließ sich Smirnowa auf einem Stuhl nieder, ehe der ihr nach einer Weile wieder weggenommen und ihr Sitzstreik beendet wurde - das anschließende Gefecht zweier Degenspezialisten begann mit erheblicher Verspätung.

Die Ukrainerin Olga Kharlan ist Weltmeisterin und Olympiasiegerin im Fechten.
Die Ukrainerin Olga Kharlan ist Weltmeisterin und Olympiasiegerin im Fechten.  © Lee Jin-Man/AP/dpa

Bei der WM dürfen Fechterinnen und Fechter aus Russland und Belarus in den Einzelwettbewerben als neutrale Athleten starten. Kharlan hatte zuletzt erklärt, gerne gegen Russinnen fechten zu wollen. Der Kampf gegen Russland solle "an allen Fronten" geführt werden, sagte sie.

Am Vortag hatte Degenfechter Ihor Rejslin (39) den Kampf gegen den Russen Wadim Anochin (31) boykottiert. Der Olympia-Dritte von Tokio ging am Mittwoch in der Runde der letzten 64 nicht auf die Planche, auf der Anochin wartete.

Titelfoto: IMAGO / AFLOSPORT

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