Ukraine-Krieg: Feuer in russischem Ölhafen nach ukrainischem Drohnenangriff

Ukraine - Die Ukraine hat mit einem weiteren Drohnenangriff eine Öllagerstätte in der bereits mehrfach attackierten Schwarzmeer-Metropole Noworossijsk in Brand gesetzt. Teile einer abgeschossenen Drohne seien auf das Gelände eines Treibstoffterminals gefallen, teilte der operative Stab der Region Krasnodar mit. In einigen technischen und administrativen Gebäuden seien Feuer ausgebrochen. Es gebe zwei Verletzte, hieß es in der Behördenmitteilung.

Die ukrainischen Drohnenschläge setzen weiter der russischen Ölindustrie und damit auch der Kriegswirtschaft zu.  © KAZUHIRO NOGI / AFP

In sozialen Netzwerken berichteten Augenzeugen, dass der Ölterminal Gruschowaja des Energiekonzerns Transneft in Brand geraten sei. Es handelt sich um eine der größten Öllagerstätten im Kaukasus mit Reservoirs unter der Erde und an der Oberfläche - samt einem Umschlagplatz. Die für Russlands Kriegswirtschaft wichtigen Anlagen der Ölindustrie in Noworossijsk waren bereits wiederholt Ziele ukrainischer Drohnenangriffe.

Die Ukraine hat ihre Drohnenangriffe gegen Ziele im russischen Hinterland massiv ausgeweitet. Das russische Verteidigungsministerium meldete am Morgen den nächtlichen Abschuss von 348 Drohnen. Von unabhängiger Seite ist diese Zahl nicht überprüfbar. Zu Treffern machte das Ministerium wie immer keine Angaben. 

Allerdings gab es Berichte von Behörden über Schäden infolge von Drohnenangriffen in mehreren russischen Regionen, darunter etwa in Anapa am Schwarzen Meer. Im Gebiet Perm meldeten die Behörden ebenfalls einen Angriff auf einen Industriebetrieb. Dort soll ein Feuer in einem Chemiebetrieb ausgebrochen sein.

Ukraine Ukraine-Krieg: Drohnen über der Ukraine und Russland

Die ukrainischen Luftstreitkräfte wiederum berichteten am Morgen von 124 russischen Drohnenangriffen. 102 Flugobjekte seien unschädlich gemacht worden, teilte die Flugabwehr mit. Infolge der russischen Angriffe seien zwölf Einschläge von Kampfdrohnen an neun Orten sowie herabfallende Trümmer an fünf Orten registriert worden, hieß es.

Alle relevanten Informationen zum Geschehen in der Ukraine und Russland gibt es hier im TAG24-Newsticker.

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23. Mai, 7.52 Uhr: Feuer in russischem Ölhafen nach ukrainischem Drohnenangriff

Bei einem ukrainischen Drohnenangriff auf den russischen Hafen Noworossijsk am Schwarzen Meer sind Behördenangaben zufolge mehrere Feuer in einem Öldepot ausgebrochen.

Die Brände in verschiedenen Hafengebäuden seien durch herabfallende Trümmerteile von Drohnen entfacht worden, erklärte der örtliche Bürgermeister Andrej Krawtschenko am Samstag im Onlinedienst Telegram. Dabei seien mindestens zwei Menschen verletzt worden. Einige Drohnenteile seien zudem auf das Gelände des Kraftstoffterminals gestürzt.

Am Hafen der Stadt Noworossijsk in der südrussischen Region Krasnodar wird rund ein Fünftel der Rohöllieferungen des Landes abgewickelt. Es handelt sich um den größten Exportknotenpunkt Russlands am Schwarzen Meer.

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22. Mai, 22.05 Uhr: UN-Chef verurteilt Angriff auf Wohnheim in russisch besetztem Gebiet

UN-Generalsekretär António Guterres (77) hat den Angriff auf ein Studentenwohnheim im russisch besetzten Gebiet Luhansk scharf verurteilt.

"Jeden Angriff auf Zivilisten und zivile Infrastruktur verurteilen wir scharf, egal wo sie geschehen", sagte ein Sprecher von Guterres in New York. Der UN-Generalsekretär habe immer wieder betont, dass solche Angriffe völkerrechtswidrig seien und sofort aufhören müssten.

"Wir fordern alle Zuständigen auf, jegliche Handlungen, die die bereits gefährliche Situation noch eskalieren würden, zu unterlassen." Auf Bitten Russlands kam der UN-Sicherheitsrat in New York zu dem Thema zusammen. 

Kremlchef Wladimir Putin (73) hatte den Angriff als "Terrorakt" bezeichnet. Es gebe bisher mindestens 6 Tote, 39 Verletzte und 15 Vermisste, sagte er in Moskau. Das Gebäude einer Berufsschule in Starobilsk war in der Nacht nach russischen Angaben von einer ukrainischen Drohne getroffen worden. 

Im Zuge des Angriffes auf ein Studentenwohnheim äußerte sich der UN-Generalsekretär António Guterres (77) kritisch.  © KAZUHIRO NOGI / AFP

22. Mai, 21.24 Uhr: Bulgarien gegen Ukraine-Tribunal: Russland sei "nicht besiegt"

Bulgariens neuer Regierungschef Rumen Radew (62) hat die ablehnende Haltung seines Landes zu einem Sondertribunal für Verbrechen gegen die Ukraine mit dessen Recht auf eine eigene Meinung begründet.

Ein solches "Militär-Tribunal" habe eine Wirkung, wenn ein Staat besiegt worden sei, kapituliert habe und sein Führer gefangen genommen sei, sagte Radew. "Ich denke, dass diese Bedingungen momentan nicht existieren und kaum existieren werden." 

Vergangene Woche hatten Deutschland und 35 weitere Länder sowie die Europäische Union bei einer Sitzung des Europarats in Moldau signalisiert, dem notwendigen Abkommen für die Einrichtung des Sondertribunals für Verbrechen gegen die Ukraine beitreten zu wollen.

Bulgarien, das seit Anfang Mai von einem Mitte-Links-Kabinett regiert wird, hatte sich der Erklärung überraschend nicht angeschlossen.

Regierungschef Radew, der Ex-General und Kampfjet-Pilot ist, galt in seiner vorherigen Rolle als Staatsoberhaupt galt als russlandfreundlich.

22. Mai, 20.19 Uhr: Merz und Co. sprechen mit Selenskyj über Europas Rolle

Die wichtigsten europäischen Verbündeten der Ukraine haben mit Präsident Wolodymyr Selenskyj (48) darüber beraten, wie die stockenden Bemühungen um ein Ende des russischen Angriffskriegs wieder in Gang gebracht werden können.

Im Mittelpunkt der Videoschalte mit Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU), dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron und dem britischen Premierminister Keir Starmer habe die Frage gestanden, "wie die Friedensdiplomatie wiederbelebt werden kann und wie Europa dabei eine Rolle spielen kann", teilte Selenskyj anschließend in den sozialen Netzwerken mit. Einzelheiten nannte er nicht. 

Ein Sprecher Starmers, der Ausrichter der Schalte war, bekräftigte die Unterstützung der Europäer für den Abwehrkampf der Ukraine. Sie werde "in den kommenden Monaten noch verstärkt" werden, hieß es in einer Mitteilung.

Man sei sich einig gewesen, "dass es für die Sicherheit in Europa und weltweit nach wie vor von entscheidender Bedeutung ist, der russischen Aggression die Stirn zu bieten".

22. Mai, 19.43 Uhr: Auch Nordländer verurteilen russische Drohungen

Die Außenminister der nordischen und baltischen Staaten haben in einer gemeinsamen Erklärung "Russlands offensichtliche Desinformationskampagne und Falschbehauptungen" entschieden zurückgewiesen.

Moskau hatte zuvor unbelegte Vorwürfe gegen die EU- und Nato-Mitglieder Estland, Lettland und Litauen erhoben, ukrainische Drohnenangriffe zu unterstützen und ihren Luftraum und ihr Staatsgebiet dafür zur Verfügung zu stellen.

"Russland versucht, von seinem völkerrechtswidrigen Krieg abzulenken und Nato-Verbündete einzuschüchtern. Dies wird nicht gelingen und muss unverzüglich aufhören", schrieben die Chefdiplomaten der sogenannten NB8-Staaten.

Zu der Staatengruppe gehören Schweden, Finnland, Norwegen, Island, Dänemark, Estland, Lettland und Litauen.

22. Mai, 19.08 Uhr: Selenskyj: Verbündete sehen Ukraine im Krieg gestärkt

Deutschland, Großbritannien und Frankreich sehen die Ukraine nach Angaben ihres Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (48) nach den jüngsten Angriffen Kiews auf russische Ziele in einer deutlichen stärkeren Position.

Das teilte Selenskyj in den sozialen Netzwerken nach einer Videoschalte mit Kanzler Friedrich Merz (70, CDU), dem britischen Premier Keir Starmer (63) und mit dem französischen Präsidenten Emmanuel Macron (48) mit.

Es sei um die Frage gegangen, wie die Friedensdiplomatie neuen Schwung bekomme und Europa daran beteiligt werden könne, sagte Selenskyj. 

"Alle Partner stellen fest, dass die Position der Ukraine deutlich gestärkt ist – sowohl auf dem Schlachtfeld als auch bei unseren Langstrecken-Operationen." Damit meint er vor allem die Schläge mit Langstrecken-Drohnen, die Ziele tief im russischen Hinterland treffen, darunter Anlagen der russischen Ölindustrie, die für Moskaus Kriegsfinanzierung wichtig sind.

Selenskyj präsentiert dazu in den sozialen Netzwerken auch immer wieder stolz Videos brennender Anlagen. Russland betont, dass die Lage unter Kontrolle sei. 

Auch der ukrainische Präsidenten Wolodymyr Selenskyj (48) sieht die Position seines Landes gestärkt.  © Ludovic Marin/POOL AFP/dpa

22. Mai, 18.06 Uhr: Putin betitelt ukrainischen Angriff in Luhansk als "Terrorakt"

Kremlchef Wladimir Putin (73) hat nach einem mutmaßlich ukrainischen Angriff auf ein Studentenwohnheim in dem von Russland besetzten Gebiet Luhansk von einem "Terrorakt" mit vielen Toten gesprochen.

Es gebe bisher mindestens 6 Tote, 39 Verletzte und 15 Vermisste, sagte Putin in Moskau zum Auftakt eines Treffens mit Absolventen des staatlichen Ausbildungsprogramms "Zeit der Helden".

Das Gebäude einer Berufsschule in Starobilsk war in der Nacht nach russischen Angaben von einer ukrainischen Drohne getroffen worden. 

"Es gibt keinerlei militärische Einrichtungen, Einrichtungen der Geheimdienste oder verwandter Dienste in der Nähe des Wohnheims", sagte Putin. Niemand könne behaupten, dass das Gebäude zufällig getroffen worden sei.

Wladimir Putin (73) wirft der Ukraine "Terrorakt" im Gebiet Luhansk vor.  © -/Kremlin/dpa

22. Mai, 17.35 Uhr: Debatte über Kraftwerksgeschenk an Ukraine dauert an

Pläne des bundeseigenen Kraftwerksbetreibers Sefe, ein stillgelegtes Gaskraftwerk in Mecklenburg-Vorpommern an die Ukraine zu verschenken, sorgen weiter für Diskussionen.

Die AfD forderte im Bundestag, die Schenkungspläne fallenzulassen und die Anlage an seinem Standort in Lubmin bei Greifswald zu belassen. Dort erreichen die russischen Nord Stream-Erdgasleitungen das deutsche Festland.

Es könne ja sein, dass sich das Verhältnis zu Russland nach einem Ende des Ukraine-Kriegs eines Tages wieder normalisiere und dann erneut Erdgas durch die Leitung in der Ostsee fließe, sagte der AfD-Abgeordnete Leif-Erik Holm in der von seiner Partei angestoßenen Debatte. 

Die Kraft-Wärme-Kopplungsanlage in Lubmin ist ein Kraftwerk, das für die russische Nord-Stream-1-Pipeline gebaut wurde. Es diente dazu, die nötige Wärme herzustellen, um das Erdgas aus Russland ins deutsche Netz zu bringen.

22. Mai, 16.27 Uhr: Angriff auf Dnipro zerstörte Depot der Flüchtlingshilfe

Ein russischer Luftangriff auf die ukrainische Stadt Dnipro hat Hilfsgüter des UN-Flüchtlingshilfswerks UNHCR im Wert von mehr als einer Million US-Dollar vernichtet.

Es sei der erste derartige Angriff in mehr als vier Jahren Krieg gewesen, teilte die UN-Organisation in Genf mit. In einem angemieteten Lagerhaus seien 900 Paletten mit Hilfsgütern und Material für Notunterkünfte zerstört worden.

Bei dem Angriff auf Dnipro am Mittwoch waren zudem zwei Menschen getötet und mehrere andere verletzt worden.

"Der Treffer auf das Lagerhaus passierte vor dem Hintergrund einer allgemeinen Eskalation der Angriffe im ganzen Land", erklärte das UNHCR. Die Zahl ziviler Opfer durch die russischen Attacken sei in diesem Jahr stark gestiegen.

Die Organisation kritisierte auch Angriffe auf eindeutig gekennzeichnete UN-Hilfskonvois in den Gebieten Dnipropetrowsk und Cherson vergangene Woche. In einem Fall war ein Fahrer verletzt worden.

Infolge eines russischen Luftangriffs auf die Stadt Dnipro wurden unzählige Hilfsgüter vernichtet.  © Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa

22. Mai, 15.38 Uhr: Wadephul optimistisch für gemeinsame Nato-Lösung mit USA

Außenminister Johann Wadephul (63) hat sich optimistisch geäußert, mit den USA beim Nato-Gipfel im Juli eine Verständigung über eine gemeinsame Zukunft des Bündnisses zu finden.

US-Außenminister Marco Rubio (54) habe "sehr das Gemeinsame der Nato betont", sagte der CDU-Politiker nach einem Treffen der Nato-Außenminister in der schwedischen Hafenstadt Helsingborg.

Die Staats- und Regierungschefs der Nato kommen in etwa sechs Wochen in der Türkei zu ihrem Gipfel zusammen.

Rubio habe sich "ganz in dem Sinne auch eingelassen, wie wir alle, dass wir in Ankara ein Zeichen der Geschlossenheit, der Einigkeit abgeben wollen und werden", sagte Wadephul angesichts der heftigen Kritik, die US-Präsident Donald Trump (79) immer wieder an den europäischen Nato-Partnern äußert.

Es sei auch klar geworden, "dass wir eben gemeinsam jetzt konstruktiv daran zu arbeiten haben, auch die Aufgaben der Zukunft zu lösen".

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