Ukraine-Krieg, Tag 129: Lukaschenko droht dem Westen mit Angriffen auf die Hauptstädte

Ukraine - Seit nunmehr 129 Tagen führt Russland einen Angriffskrieg gegen die Ukraine. Im umkämpften Osten bleibt die Lage weiterhin sehr ernst. Alle aktuellen Entwicklungen gibt es im TAG24-Liveticker.

Auf diesem vom ukrainischen Rettungsdienst zur Verfügung gestellten Foto ist das beschädigte Wohnhaus in Serhijiwka, etwa 50 Kilometer südwestlich von Odessa, zu sehen.
Auf diesem vom ukrainischen Rettungsdienst zur Verfügung gestellten Foto ist das beschädigte Wohnhaus in Serhijiwka, etwa 50 Kilometer südwestlich von Odessa, zu sehen.  © Uncredited/Ukrainian Emergency Service/AP/dpa

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat den Raketenangriff auf ein Wohnhaus im südukrainischen Gebiet Odessa als "absichtlichen, gezielten russischen Terror" verurteilt. "Es war ein einfaches Haus mit etwa 160 Personen. In ihm lebten gewöhnliche Menschen, Zivilisten", sagte er am Freitag in einer Videobotschaft.

Bisher seien 21 Tote und etwa 40 Verletzte gezählt worden. "Leider steigt die Zahl der Todesopfer." In dem Gebäude seien weder Waffen noch militärische Ausrüstung versteckt gewesen - "wie russische Propagandisten und Beamte immer über solche Angriffe erzählen".

Auch in die Stadt Mykolajiw im Süden seien zwölf russische Raketen an verschiedenen Stellen eingeschlagen, sagte Selenskyj. "Es ist nur eine Nacht und ein Morgen."

Ukraine-Krieg im Ticker: Selenskyj deutet neue Waffenlieferungen an
Ukraine Ukraine-Krieg im Ticker: Selenskyj deutet neue Waffenlieferungen an

Die Geschehnisse des gestrigen Tages könnt Ihr im TAG24-Ticker vom Freitag nachlesen. Alle aktuellen Entwicklungen am heutigen Samstag, dem 2. Juli, gibt es hier im Liveticker.

21.25 Uhr: Lukaschenko droht dem Westen: "Nehmen eure Hauptstädte ins Visier"

Mehr als vier Monate nach Beginn des Kriegs in der Ukraine hat der russlandtreue Machthaber der Ex-Sowjetrepublik Belarus, Alexander Lukaschenko (67), dem Westen gedroht.

Sollte es einen Angriff auf Belarus geben, werde sein Land sofort reagieren, sagte Lukaschenko der staatlichen Nachrichtenagentur Belta zufolge am Samstag in einer Rede zum bevorstehenden Unabhängigkeitstag des Landes.

"Vor weniger als einem Monat habe ich den Einheiten der Streitkräfte den Befehl gegeben, die - wie man jetzt sagen kann - Entscheidungszentren in ihren Hauptstädten ins Visier zu nehmen", sagte der 67-Jährige. Was genau er damit meinte, erläuterte er nicht.

Er fügte hinzu: "Fassen Sie uns nicht an - und wir werden Sie nicht anfassen." Ungeachtet der Tatsache, dass Russland selbst die Ukraine angegriffen hat, stellen sich Moskau und das verbündete Minsk immer wieder als Opfer vermeintlich feindlicher Politik des Westens und der Nato im Speziellen dar.

19 Uhr: Lukaschenko wirft Kiew Raketenangriffe auf Belarus vor

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko (67) hat der Ukraine Raketenangriffe auf sein Land vorgeworfen.

"Vor rund drei Tagen, vielleicht mehr, wurde von der Ukraine aus versucht, militärische Ziele in Belarus anzugreifen", sagte Lukaschenko am Samstag laut der staatlichen Nachrichtenagentur Belta.

"Gott sei Dank haben unsere Luftabwehrsysteme alle Raketen abgefangen, die von den ukrainischen Truppen abgefeuert wurden", sagte er demnach.

Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko (67).
Der belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko (67).  © dpa/Hans Punz

15.24 Uhr: Pro-russische Kämpfer vermelden Umzingelung von Lyssytschansk

Die pro-russischen Kämpfer in der Ukraine haben nach eigenen Angaben die umkämpfte Stadt Lyssytschansk im Osten des Landes vollständig umzingelt.

Zusammen mit russischen Truppen seien "heute die letzten strategischen Hügel" erobert worden, sagte ein Vertreter der Separatisten am Samstag der russischen Nachrichtenagentur Tass. "Damit können wir vermelden, dass Lyssytschansk vollständig eingekreist ist."

Lyssytschansks Nachbarstadt Sjewjerodonezk war nach wochenlangen Gefechten vor einer Woche von russischen Truppen erobert worden.

Beide Städte gehören zur Region Luhansk, eine der beiden Teilregionen des Donbass. Sollten die russischen Truppen auch Lyssytschansk einnehmen, könnten sie anschließend Kramatorsk und Slowjansk in der zweiten Donbass-Teilregion Donezk ins Visier nehmen.

Rettungskräfte und Anwohner holen nach einem russischen Luftangriff in Lyssytschansk eine Leiche aus den Trümmern eines Gebäudes.
Rettungskräfte und Anwohner holen nach einem russischen Luftangriff in Lyssytschansk eine Leiche aus den Trümmern eines Gebäudes.  © Efrem Lukatsky/AP/dpa

13.19 Uhr: London protestiert in Moskau gegen Behandlung Kriegsgefangener

Großbritannien hat nach Berichten über die Gefangennahme zweier weiterer Briten im Osten der Ukraine gegen die Behandlung Kriegsgefangener durch Russland protestiert.

"Wir verurteilen die Ausbeutung von Kriegsgefangenen und Zivilisten für politische Zwecke und haben dies gegenüber Russland angesprochen", teilte das Außenministerium in London am Samstag auf Anfrage mit. "Wir stehen in ständigem Kontakt mit der ukrainischen Regierung wegen der Fälle und unterstützen die Ukraine vollumfänglich dabei, sie freizubekommen." Konkreter wollte sich das Ministerium nicht äußern.

12.40 Uhr: Russlands Militär meldet Zerstörung von Waffenlagern in Ukraine

Die russische Armee hat nach eigenen Angaben bei Luftangriffen in der Ukraine zahlreiche militärische Ziele getroffen. Unter anderem seien zwei Waffenlager nahe der Großstadt Mykolajiw im Süden des Landes zerstört worden, sagte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, Igor Konaschenkow, am Samstag in Moskau der Agentur Tass zufolge.

Im Osten sei ein Waffenlager in einem Traktor-Depot bei Charkiw getroffen worden, der zweitgrößten Stadt des Landes. Die Ukraine habe "hohe Verluste an Menschen und Material" erlitten, behauptete Konaschenkow.

Feuerwehrleute löschen ein brennendes Fahrzeug nach russischem Beschuss in Mykolajiw.
Feuerwehrleute löschen ein brennendes Fahrzeug nach russischem Beschuss in Mykolajiw.  © George Ivanchenko/AP/dpa

12.10 Uhr: Ukraine sieht veränderte Kriegsführung russischer Armee

Gut vier Monate nach Beginn des russischen Angriffskriegs sieht der ukrainische Präsidentenberater Mychajlo Podoljak eine veränderte Kriegsführung der russischen Armee.

"Es ist eine neue Taktik Russlands: Wohnviertel zu attackieren und Druck auf westliche politische Eliten auszuüben, um die Ukraine zu zwingen, sich an den Verhandlungstisch zu setzen", sagte Podoljak nach Berichten verschiedener Medien am Samstag in Kiew. Moskau nehme keine Rücksicht darauf, wie die Welt auf "unmenschliche Angriffe" mit Marschflugkörpern auf Wohnviertel reagiere. Diese Taktik werde aber nicht aufgehen.

Russland kämpfe nicht, um Gebietsgewinne zu erzielen, sondern um die Ukraine zu zerstören und eine neue Sicherheitsarchitektur in Europa zu schaffen, sagte der Berater von Präsident Wolodymyr Selenskyj. Er verstehe nicht, "warum es im Westen immer noch einflussreiche Politiker gibt, die glauben, dass man mit Russland sprechen kann. Das ist Unsinn."

11.07 Uhr: Zivile Opfer in Ukraine wegen ungenauer russischer Raketen

Russland setzt nach britischer Einschätzung bei seinen Angriffen in der Ukraine zunehmend auf ungenaue Raketen. Grund sei vermutlich, dass die Vorräte an modernen, zielgenauen Waffen schwinden, teilte das Verteidigungsministerium in London am Samstag mit.

Analysen von Überwachungsaufnahmen hätten ergeben, dass das Einkaufszentrum in der ostukrainischen Stadt Krementschuk sehr wahrscheinlich von einer Rakete des Typs Ch-32 getroffen worden sei, hieß es unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse.

Dabei handele es sich um eine Weiterentwicklung der sowjetischen Rakete Ch-22 (Nato-Code: AS-4 Kitchen), die aber noch immer nicht dafür optimiert sei, Bodenziele genau zu treffen, vor allem in Städten. "Dies erhöht die Wahrscheinlichkeit von Kollateralschäden beim Zielen auf bebaute Gebiete erheblich", betonte das Ministerium.

Bei Angriffen auf das südwestukrainische Gebiet Odessa am 30. Juni seien vermutlich Raketen vom Typ Ch-22 eingesetzt worden. "Diese Waffen sind sogar noch ungenauer und ungeeignet für zielgenaue Angriffe und haben in vergangenen Wochen so gut wie sicher zu wiederholten zivilen Opfern geführt", hieß es weiter.

10.12 Uhr: Kiew berichtet von russischen Angriffen auf breiter Front

Im Osten der Ukraine setzt Russland nach Angaben aus Kiew seine Angriffe auf breiter Front fort. Im Raum Charkiw versuche die russische Armee, mit Unterstützung der Artillerie verlorene Positionen zurückzuerobern, teilte der ukrainische Generalstab am Samstag mit.

Zahlreiche Orte würden beschossen, um die ukrainische Armee dort zu binden. In der Region Donezk sei eine russische Attacke abgewehrt worden, hieß es. Aus dem Raum Awdijiwka wurden russische Luftangriffe gemeldet. Im Schwarzen Meer wiederum blockiere Russland weiterhin die Seeverbindungen der Ukraine.

Ein Mann steht in einem Krater, um zu zeigen, wie tief der Krater ist, der durch eine Granate bei einem russischen Angriff im Stadtteil Saltiwka in Charkiw entstanden ist.
Ein Mann steht in einem Krater, um zu zeigen, wie tief der Krater ist, der durch eine Granate bei einem russischen Angriff im Stadtteil Saltiwka in Charkiw entstanden ist.  © Evgeniy Maloletka/AP/dpa

10 Uhr: Russisches Militär benutzt laut Bürgermeister bei Angriffen Streumunition

Russland soll bei Raketenangriffen auf die Stadt Slowjansk im Osten der Ukraine mit mindestens vier Toten nach ukrainischen Angaben verbotene Streumunition eingesetzt haben.

Dabei seien in der Nacht zum Samstag zivile Bereiche getroffen worden, in denen es keine Militäranlagen gebe, berichtete Bürgermeister Wadym Ljach am Samstag im Online-Messengerdienst Telegram. Vier Menschen seien getötet, sieben Menschen verletzt worden.

Als Streumunition werden Raketen und Bomben bezeichnet, die in der Luft über dem Ziel bersten und viele kleine Sprengkörper freisetzen. Ihr Einsatz ist völkerrechtlich geächtet.

Nachbarn versammeln sich um ein brennendes Haus in Charkiw, das bei einem russischen Angriff mit Streumunition getroffen wurde.
Nachbarn versammeln sich um ein brennendes Haus in Charkiw, das bei einem russischen Angriff mit Streumunition getroffen wurde.  © Bernat Armangue/AP/dpa

7.19 Uhr: Bach hat laut IOC-Sprecher nie Orden von Putin erhalten

IOC-Präsident Thomas Bach hat nach Angaben eines Sprechers nie einen Orden vom russischen Präsidenten Wladimir Putin erhalten.

"Der IOC-Präsident hat diese Auszeichnung nie angenommen und daher auch nie erhalten", sagte der Sprecher der "Welt am Sonntag". Das Internationale Olympische Komitee habe nur aus Medien von der öffentlichen Ankündigung erfahren, dass Bach nach den Winterspielen 2014 im russischen Sotschi den "Orden der Ehre" erhalten solle. Eine Übergabe habe nie stattgefunden.

Bach hatte viel Kritik dafür geerntet, dass er im Februar 2014 gemeinsam mit Putin bei den Winterspielen auf der Tribüne saß. Schon danach kam es seinen Worten zufolge aber zu Verstimmungen mit Putin. Grund waren die Strafen, die Russland wegen des staatlich organisierten Dopings bei den Spielen in Sotschi und der Manipulation von Labordaten auferlegt wurden.

Titelfoto: dpa/Hans Punz

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