Ukraine-Krieg: Ungeplante Stromsperren in weiten Teilen des Landes

Ukraine - Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (46) will russische Vertreter beim nächsten Friedensgipfel sehen. Auch die USA sind dafür, Moskau weiter dagegen. In der EU ist man sich an anderer Stelle uneins.

Die Ukraine spricht sich für ein Treffen mit Kreml-Vertretern beim nächsten Friedensgipfel aus.
Die Ukraine spricht sich für ein Treffen mit Kreml-Vertretern beim nächsten Friedensgipfel aus.  © Ulf Mauder/dpa

"Es ist an der Ukraine zu entscheiden, wann und wie und in welchem Zustand sie diplomatische Verhandlungen unternimmt", sagte der Sprecher des US-Außenministeriums, Matthew Miller (49), in Washington. "Wir unterstützen die ukrainische Regierung."

Entscheiden könne nur die Ukraine selbst, sagte Miller. Es brauche einen gerechten Frieden. "Die Ukraine ist hier das Opfer, die Ukraine sieht ihr Land überfallen."

Deshalb bestimme sie, ob und in welchem Format es Verhandlungen gebe. "Aber es ist nie klar gewesen, ob der Kreml zu tatsächlicher Diplomatie bereit ist", so Miller.

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16. Juli, 14.28 Uhr: Ungeplante Stromsperren in weiten Teilen des Landes

In der unter Strommangel leidenden Ukraine sind inmitten einer Hitzewelle in mehr als sieben Regionen außerplanmäßige Stromsperren verhängt worden.

"Heute Nacht ist es zu einem Geräteausfall in einem der Energieobjekte gekommen", teilte der Netzbetreiber Ukrenerho als Begründung per Telegram mit. Damit habe sich der Energiemangel erhöht.

Ob der Ausfall auf einen russischen Drohnenangriff zurückzuführen ist, war zunächst unklar. Die ukrainische Flugabwehr fing nach eigenen Angaben alle russischen Kampfdrohnen im ukrainischen Luftraum rechtzeitig ab.

Immer wieder werden Umspannwerke in der Ukraine angegriffen. Nun musste das Land außerplanmäßige Stromsperren verhängen. (Archivbild)
Immer wieder werden Umspannwerke in der Ukraine angegriffen. Nun musste das Land außerplanmäßige Stromsperren verhängen. (Archivbild)  © Christoph Soeder/dpa

16. Juli, 10.30 Uhr: Ukrainische Drohne trifft Fabrik im westrussischen Kursk

Bei nächtlichen ukrainischen Drohnenangriffen ist in einer Fabrik im westrussischen Gebiet Kursk ein Feuer ausgebrochen.

Tote und Verletzte habe es nicht gegeben, teilte Gebietsgouverneur Alexej Smirnow auf seinem Telegramkanal mit. Die Feuerwehr sei mit der Brandbekämpfung in den Fabrikhallen beschäftigt.

Einem Medienbericht zufolge gibt es hingegen einen Verletzten. Demnach hat sich der Brand der Fabrik für Niederspannungsanlagen auf etwa 400 Quadratmeter ausgebreitet.

16. Juli, 6.41 Uhr: Washington lehnt Schläge mit US-Waffen gegen Russland ab

Die USA bleiben auch bei ihrer Entscheidung, den Einsatz ihrer gelieferten Waffen nicht für Schläge auf Militärbasen im russischen Hinterland zuzulassen.

Erlaubt seien Angriffe auf grenznahe russische Regionen, von denen aus Luftschläge gegen die Ukraine ausgeführt würden, sagte Ministeriumssprecher Matthew Miller (49). Weiter gehen wollten die USA demnach nicht.

16. Juli, 6.35 Uhr: Kiew plädiert für Teilnahme Russlands an Friedensgipfel

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (46) hat vor Journalisten in Kiew gesagt, dass russische Vertreter an einem zweiten Friedensgipfel teilnehmen sollten.

"Ich habe die Aufgabe gestellt, dass wir im November einen völlig fertigen Plan haben. Wenn der Plan fertig ist, dann wird auch alles für den zweiten Gipfel bereit sein", so der 46-Jährige.

Geplant seien bis dahin vorbereitende Verhandlungen in Katar, in der Türkei in diesem Sommer und im September in Kanada, sagte Selenskyj, der selbst einen Friedensplan vorgelegt hat. Ein Kernpunkt darin ist der vollständige Abzug der russischen Truppen aus den Ukraine. Moskau hatte das als realitätsfern zurückgewiesen.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (46) plädiert für eine Teilnahme Russlands am zweiten Friedensgipfel. (Archivbild)
Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj (46) plädiert für eine Teilnahme Russlands am zweiten Friedensgipfel. (Archivbild)  © Sean Kilpatrick/Canadian Press via ZUMA Press/dpa

16. Juli, 6.24 Uhr: EU-Kommission ordnet Boykott an

In Europa zieht die EU-Kommission Konsequenzen aus der Ukraine-Politik Ungarns.

Unter anderem wegen einer Auslandsreise des ungarischen Regierungschefs Viktor Orban nach Moskau ordnete Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (65) einen Boykott an. An künftigen informellen Ministertreffen unter der Leitung der derzeitigen EU-Ratspräsidentschaft in Ungarn dürfen demnach keine Kommissare, sondern nur mehr ranghohe Beamte teilnehmen.

Zudem verzichtet die EU-Kommission laut eines Sprechers auf den traditionellen Antrittsbesuch bei der ungarischen Präsidentschaft.

15. Juli, 22.25 Uhr: Selenskyj: Ukraine braucht mindestens 25 Patriot-Systeme

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat seine Angaben zur Mindestzahl an benötigten Patriot-Systemen für den Schutz des gesamten Landes erneuert. "Um die Ukraine komplett abzusichern, brauchen wir nach Meinung unserer Militärs 25 Patriot-Systeme", sagte er auf einer Pressekonferenz in Kiew.

Dabei vermied Selenskyj es, die Zahl der bereits vorhandenen Patriot-Systeme zu nennen. Zudem betonte er, dass für eine komplexe Flugabwehr auch Systeme anderer Reichweiten und Fähigkeiten notwendig seien.

Er erinnerte auch daran, dass Kiew auf dem kürzlichen Nato-Gipfel in Washington fünf zusätzliche Patriot-Batterien beziehungsweise vergleichbare Systeme in Aussicht gestellt wurden.

15. Juli, 12.50 Uhr: Deserteur auf dem Weg zur Grenze erschossen

Der ukrainische Grenzschutz hat nach eigenen Angaben einen Deserteur unweit der moldauischen Grenze erschossen.

Dieser habe zuvor einen Grenzschutzbeamten angegriffen, sagte der Sprecher der Behörde, Andrij Demtschenko, dem Internetportal "Ukrajinska Prawda". Demnach wurde am Sonntagabend eine Gruppe von vier Deserteuren in einem Auto an einem Kontrollpunkt etwa 15 Kilometer vor der Grenze angehalten.

Zwei sollen versucht haben, zu fliehen. Später habe einer der beiden bei seiner Entdeckung Widerstand geleistet und sei nach einem Warnschuss an den Folgen eines zweiten direkten Schusses gestorben.

Ukrainische Grenzschützer haben eigenen Angaben zufolge einen Deserteur getötet. (Archivbild)
Ukrainische Grenzschützer haben eigenen Angaben zufolge einen Deserteur getötet. (Archivbild)  © -/Ukrinform/dpa

15. Juli, 6.44 Uhr: Russen setzen neue 3-Tonnen-Gleitbomben ein

Die russischen Luftstreitkräfte sind nach Angaben aus ukrainischen Militärkreisen in jüngster Zeit dazu übergegangen, neuartige Gleitbomben gegen Ziele in der Ukraine einzusetzen.

So seien Bomben mit einem Gewicht von drei Tonnen mit kleinen Tragflächen und entsprechender Elektronik ausgestattet worden, um sie aus großer Entfernung von Flugzeugen abzuwerfen und dann ins Ziel zu lenken.

"Dazu nutzen sie Kampfflugzeuge vom Typ Suchoi Su-34, die von Flugplätzen starten, die wir zerstören müssten, um unsere Menschen zu schützen", wurde Andrij Jermak (52), Leiter des Präsidialbüros in Kiew, von der Agentur Unian zitiert. Doch dafür fehle wiederum die Erlaubnis, westliche Waffen einzusetzen, klagte er. "Nur eine solche Erlaubnis kann viele Menschenleben schützen."

Im Kampf gegen die Ukraine wirft Russland laut Angaben aus Kiew neuartige 3-Tonnen-Gleitbomben von Kampfflugzeugen des Typs Suchoi Su-34 ab. (Archivbild)
Im Kampf gegen die Ukraine wirft Russland laut Angaben aus Kiew neuartige 3-Tonnen-Gleitbomben von Kampfflugzeugen des Typs Suchoi Su-34 ab. (Archivbild)  © Vitaliy Timkiv/AP/dpa

15. Juli, 6.24 Uhr: Explosionen in Odessa - Russland meldet Drohnenangriffe

Medienberichten zufolge kam es nachts nahe der ukrainischen Hafenstadt Odessa zu heftigen Explosionen.

Der Gouverneur der Militärverwaltung des Gebiets, Oleh Kiper (44), rief die Bewohner der Stadt und des Bezirks Odessa über Telegram auf, in Schutzräumen zu bleiben, bis das Feuer gelöscht sei. Zuvor hatte die ukrainische Luftwaffe eine Bedrohung durch ballistische Raketenangriffe aus dem Süden gemeldet. Informationen über mögliche Schäden oder Opfer gab es zunächst nicht.

Die russische Luftabwehr fing unterdessen nach Angaben des zuständigen Gouverneurs sechs Drohnen über der Region Brjansk ab und zerstörte sie. Die Region südwestlich von Moskau grenzt an die Ukraine. Es soll keine Verletzten gegeben haben. Die Angaben ließen sich zunächst nicht unabhängig prüfen.

14. Juli, 18.27 Uhr: Kiew hofft auf US-Freigabe für weit reichende Waffen

Die USA haben der Ukraine noch keine Erlaubnis zum Einsatz weitreichender Waffen gegen Ziele auf russischem Staatsgebiet erteilt.

Das teilte Ihor Schowka, der stellvertretende Leiter der Präsidialkanzlei von Wolodymyr Selenskyj (46), in einem Interview von "Voice of America" mit. Dennoch arbeite die Ukraine weiter mit den USA an dieser Frage und hoffe auf ein baldiges Einlenken. "Alle wissen, wo die Gefahr liegt, wo die Raketen (gegen die Ukraine) gestartet werden." Schowka äußerte sich optimistisch: "Alle wichtigen Entscheidungen, die die USA früher getroffen haben, erfolgten äußerst leise - und das wird auch dieses Mal so sein."

Titelfoto: Christoph Soeder/dpa

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