Werden auf dieser Insel in Deutschland wirklich Biowaffen hergestellt?

Greifswald - Die Insel Riems in der Ostsee vor Mecklenburg-Vorpommern ist kein Ort, den man einfach so betreten kann. Dort wird an Tierseuchen geforscht, die großen Schaden anrichten können. Doch Russland erhebt nun den Vorwurf, dass dort auch an biologischen Waffen gearbeitet worden sein soll - "zu Recht", wie in Posts in sozialen Netzwerken behauptet wird.

Die Insel Riems in der Ostsee ist kein Ort, den man einfach so betreten kann. Dort wird an Tierseuchen geforscht, die großen Schaden anrichten können.
Die Insel Riems in der Ostsee ist kein Ort, den man einfach so betreten kann. Dort wird an Tierseuchen geforscht, die großen Schaden anrichten können.  © fotohenk/123rf

Ein Dokument solle beweisen, wie das deutsche Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) bei derartiger Forschung mit Einrichtungen in der Ukraine kooperiert habe.

Das auf der Seite eines russischen Veteranenverbands sichtbare Dokument aus dem Jahr 2020 ist eine Transfervereinbarung ("Transfer Agreement") zwischen dem Institut für Infektionsmedizin des FLI auf der Insel Riems und dem Institut für experimentelle und klinische Tiermedizin am Nationalen Wissenschaftlichen Zentrum im ukrainischen Charkiw.

Wie auf dem Dokument markiert ist, geht es um den Transfer von "147 Proben von Ektoparasiten" ans FLI.

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Als Ektoparasiten werden etwa Zecken, Flöhe und Läuse bezeichnet. Das FLI schreibt der Deutschen Presse-Agentur über den Austausch, die Proben hätten aus "abgetöteten Flöhen und Zecken in Ethanol, die die ukrainischen Kollegen bei Fledermäusen absammelten", bestanden.

Am Institut seien sie auf Krankheitserreger untersucht worden, die Ergebnisse habe man auf einer Tagung auf einem Poster dargestellt. Weiter schreibt das Institut, die Forschung sei "für Menschen, die beruflich oder als Hobby mit Fledermäusen zu tun haben, von Bedeutung. Mit Biowaffenforschung hat dies überhaupt nichts zu tun."

Das Friedrich-Loeffler-Institut ist eine Bundeseinrichtung zur Erforschung von Tierseuchen. Es ist dem Bundesministerium für Landwirtschaft und Ernährung unterstellt und betreibt diverse Standorte. Mehrere Einrichtungen befinden sich auf der Insel Riems vor Mecklenburg-Vorpommern in der Ostsee, wo seit über hundert Jahren an Krankheitserregern geforscht wird. Während des Nationalsozialismus sollen dort einer Forschungsarbeit zufolge auch Biowaffen entwickelt worden sein.

Es geht um 147 Proben

Russland erhebt den Vorwurf, dass auf der Insel Riems auch an biologischen Waffen gearbeitet worden sein soll.
Russland erhebt den Vorwurf, dass auf der Insel Riems auch an biologischen Waffen gearbeitet worden sein soll.  © Kay Nietfeld/dpa

Erstmals vorgebracht hatte den Vorwurf der russische Vertreter in einer Erklärung vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen am 11. März 2022. Er gehe davon aus, dass die USA in der Ukraine an biologischen Waffen geforscht hätten.

In diesem Zusammenhang habe man auch Kenntnis von "einem Transfer von mehr als 140 Behältern mit Fledermaus-Ektoparasiten", bei denen man nicht wisse, was aus ihnen geworden sei.

In einer am 17. März 2022 veröffentlichten Pressemitteilung auf der englischsprachigen Seite des Verteidigungsministeriums und einer aufgezeichneten Pressekonferenz des russischen Verteidigungsministeriums wurde deutlich, dass sich der Vorwurf der Biowaffen-Entwicklung und der erwähnte Transfer auf eine deutsche Einrichtung beziehen.

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Im Video der Pressekonferenz ist die Transfervereinbarung zwischen dem Institut in Charkiw und dem FLI zu sehen.

In der Pressemitteilung schrieb das russische Verteidigungsministerium, es untersuche Material über "die Implementierung von militärischen biologischen Programmen durch die USA und ihre NATO-Verbündeten auf dem Gebiet der Ukraine". Eine Vereinbarung für "den Export von unbegrenzten Mengen an infektiösem Material an das Leffler-Institut in Deutschland" (Fehler im Original) sei unterzeichnet worden.

Tatsächlich geht es dem Dokument zufolge um 147 Proben. Dem Wissenschaftsmagazin "Science" sagte die Leiterin des Instituts für Tiermedizin am FLI außerdem, sie wisse, wo sich die Proben befänden, "in ihrer Tiefkühltruhe".

Titelfoto: fotohenk/123rf

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