Aktivisten fordern mehr Artenschutz in Sachsen

Dresden - Weltweit verschwinden immer mehr Tierarten. Deshalb soll am morgigen Internationalen Tag der Artenvielfalt daran erinnert werden, dass die Zerstörung der Natur bekämpft werden muss. So auch in Sachsen, wo eine Initiative dazu aufruft, Tierarten in der Königsbrücker Heide zukünftig besser zu schützen.

Eine Hummel sitzt auf einer Blüte in Berlin: Gerade Insekten kommen in Deutschland immer seltener vor.
Eine Hummel sitzt auf einer Blüte in Berlin: Gerade Insekten kommen in Deutschland immer seltener vor.  © Jens Kalaene/dpa

Bei der Organisation "Parents for Future" ist das Engagement für dieses Anliegen in der Natur der Sache begründet. Denn Eltern sorgen sich angesichts dramatischer Klimaprognosen um die Zukunft ihrer Kinder.

Der Verein richtet deshalb einen Appell an Politik, Medien und Gesellschaft: "Die Menschen wissen noch viel zu wenig über die Artenvielfalt und den Artenverlust. Letztendlich geht es darum, jungen und allen kommenden Generationen die noch vorhandenen Grundlagen zu lassen, die es zum Leben und Überleben braucht", heißt es in einer Erklärung.

Auch Umweltminister Wolfram Günther (49, Grüne) fordert mehr Druck beim Artenschutz: "Der Zustand von Arten und Lebensräumen ist bedrohlich. Wir müssen entschlossener handeln."

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Günther kündigte an, dass das Naturschutzgebiet Königsbrücker Heide in der Westlausitz zum ersten Wildnisgebiet nach den Standards der Internationalen Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) werden soll.

Nach Angaben des Umweltministeriums liegen rund 40 Prozent der rund 249.000 Hektar landeseigener Fläche innerhalb von Naturschutzgebieten.

Aktivisten: Artenkrise bekommt bisher nicht genug Aufmerksamkeit

Louise Hummel-Schröter (38) von den Dresdner "Parents for Future" engagiert sich für mehr Artenschutz im Freistaat.
Louise Hummel-Schröter (38) von den Dresdner "Parents for Future" engagiert sich für mehr Artenschutz im Freistaat.  © Steffen Füssel

"Die Artenkrise ist im Vergleich zur Klimakrise noch völlig unterbelichtet, sowohl in der Forschung als auch in den Köpfen der Menschen", erklärt Aktivist Steffen Schwigon.

"Zwar wird mit den Begriffen Biodiversität und Artenverlust inflationär um sich geworfen, aber die wenigsten Menschen wissen, was das konkret mit ihnen zu tun hat. Das müssen wir ändern."

Artenvielfalt sei die Grundlage für die Gesundheit und die Widerstandsfähigkeit der Ökosysteme, auf welche die Menschen angewiesen sind, so Schwigon.

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Funktionsfähige Ökosysteme würden nicht nur Nahrung, Trinkwasser, Rohstoffe, Medikamente und Energie bereitstellen. Sie wirkten zudem regulierend auf das Klima, die Verbreitung von Schädlingen und Krankheiten oder beim Hochwasserschutz.

Louise Hummel-Schröter (38), Sprecherin bei Parents for Future in Dresden, sagt: "Es gibt kaum einen Bereich unseres Lebens, der nicht von der Artenvielfalt hier und weltweit abhängt."

Und weiter: "Bisher bekommen wir in Deutschland den Artenverlust allerdings noch relativ wenig in unserem täglichen Leben zu spüren."

"Um unseren Kindern und den nachfolgenden Generationen eine Lebensgrundlage zu sichern, braucht es die Artenvielfalt in den Ökosystemen. In Zeiten der Klimakrise mehr denn je."

Nach Angaben der Umweltorganisation World Wide Fund For Nature (WWF) hat das Artensterben eine neue Dimension erreicht. "Wir befinden uns heute im größten Artensterben seit dem Ende der Dinosaurierzeit vor 65 Millionen Jahren. Ein Viertel der Säugetierarten, jede achte Vogelart, mehr als 30 Prozent der Haie und Rochen sowie 40 Prozent der Amphibienarten sind bedroht", heißt es auf der Website von WWF Deutschland.

Das Aussterben von Arten sei zwar ein natürlicher Prozess, unter dem Einfluss des Menschen aber beträchtlich beschleunigt worden. "Wir sägen an dem Ast, auf dem wir sitzen."

Titelfoto: Montage: Jens Kalaene/dpa, Steffen Füssel

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