Von Julian Weber
Wolfsburg - VW-Chef Oliver Blume (58) hat höhere Arbeitszeiten für die rund 130.000 Beschäftigten des Autobauers in Deutschland ins Gespräch gebracht.
Die Arbeitskosten in Deutschland liegen etwa doppelt so hoch wie in anderen europäischen Ländern, in denen VW aktiv sei, sagte Blume dem Portal "The Pioneer", das das Gespräch in einem Podcast veröffentlicht hat. Da müsse man in der heutigen Wettbewerbssituation einige Themen hinterfragen.
Blume zufolge gibt es mehrere Ansatzpunkte, wie die Arbeitskosten gesenkt werden können: Neben einer höheren Jahresarbeitszeit - zum Beispiel durch weniger Urlaubstage - gehe es möglicherweise auch um eine Erhöhung der Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich.
"Das gilt es jetzt in den nächsten Wochen und Monaten zu verhandeln", sagte der Manager.
Am Mittwoch hatte Volkswagen zehn Tarifverträge gekündigt - darunter auch den wichtigen Manteltarifvertrag. Dieser regelt unter anderem die Arbeitszeit und Urlaubstage.
VW plant Arbeitszeiterhöhung: Gewerkschaft klar dagegen
Eine konkrete Forderung, wie viel länger VW-Beschäftigte pro Woche arbeiten sollen, gab es nach dpa-Informationen zuletzt aber noch nicht. Eine höhere Wochenarbeitszeit könnte Volkswagen zum Beispiel in Bereichen helfen, wo aktuell Mehrarbeit anfällt und der Autobauer zusätzliche Menschen einstellen muss.
Mehr reguläre Stunden würden die Kosten so unmittelbar senken. In Bereichen mit Personalüberhängen würde eine Verlängerung der Arbeitszeit hingegen keinen Sinn ergeben, hieß es aus Konzernkreisen.
Die Gewerkschaft positioniert sich klar gegen eine Arbeitszeiterhöhung: "Die IG Metall wird sich mit aller Macht gegen ein Rütteln an der 35-Stunden-Woche stemmen", sagte der Sprecher. Wer bei unausgelasteten Kapazitäten längere Arbeitszeiten fordere, sei auf dem Holzweg.
Die IG Metall befürchtet, dass durch eine höhere Wochenarbeitszeit noch mehr Stellen gestrichen werden könnten.
Die 35-Stunden-Woche ist in der deutschen Autoindustrie bei tarifgebundenen Unternehmen Standard. Gesetzlich verpflichtend ist sie nicht. Mercedes-Benz hatte im Sommer eine grundsätzliche Diskussion über Arbeitszeiten entfacht.