Tote Wildtiere als Forschungsobjekt: "Hotspot der Biodiversität"

Schleiden - Der Nationalpark Eifel beteiligt sich an einem Forschungsprojekt über die Bedeutung toter Tiere im Wald für die Artenvielfalt.

Ziel des Forschungsprojekts ist es, herauszufinden, wie tote Tiere im Wald von anderen Wirbeltieren, Insekten sowie Bakterien und Pilzen genutzt werden.
Ziel des Forschungsprojekts ist es, herauszufinden, wie tote Tiere im Wald von anderen Wirbeltieren, Insekten sowie Bakterien und Pilzen genutzt werden.  © Oliver Berg/dpa

Ziel sei herauszufinden, wie das Aas von Wirbeltieren, Insekten sowie Bakterien und Pilzen genutzt werde, teilte der Nationalpark in Schleiden mit. Das Förderprojekt des Bundesamts für Naturschutz in Bonn heißt: "Belassen von Wildtierkadavern in der Landschaft – Erprobung am Beispiel der Nationalparks".

Jetzt beginne die Untersuchungsphase, es würden gezielt tote Wildtiere ausgelegt, erklärte der Nationalpark. Die Tierleichen werden bis zur vollständigen Zersetzung beobachtet und analysiert.

Bei einer ersten Untersuchung im Nationalpark Bayerischer Wald wurden sehr viele Arten nachgewiesen. Darunter waren 92 Käfer- und 3726 Pilzarten. "Ein Wildtierkadaver ist somit ein wahrer Hotspot der Biodiversität", kommentierte der Wissenschaftler Christian von Hoermann.

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Aas setze viel mehr Nährstoffe frei als andere tote organische Materie wie Holz oder Blätter. Während der Abbau von Totholz Jahrzehnte dauern kann, dauert der Prozess bei einem toten Tier oft nur Wochen.

Tote Rehe und Hirsche werden fernab der Wanderwege ausgelegt

Ein totes Reh liegt nach der Kollision mit einem Auto am Straßenrand einer Landstraße.
Ein totes Reh liegt nach der Kollision mit einem Auto am Straßenrand einer Landstraße.  © picture alliance / Julian Stratenschulte/dpa

Doch werden Wanderer in dem Schutzgebiet in die Nähe toter Tiere kommen? Nein, das sei nicht vorgesehen, erklärte der Nationalpark. "Die Kadaver werden fernab der Wanderwege ausgelegt, um die Tiere und die Untersuchung nicht zu stören".

Verwendet werden tote Rehe und Hirsche aus Verkehrsunfällen. Gezählt wird, wie viele Arten dann zu finden sind. Aasfresser wie Rotmilan, Fuchs, Wildschwein oder Dachs werden mit Fotofallen dokumentiert. Insekten werden durch andere Fallen nachgewiesen, Pilze und Bakterien mittels Abstrichen.

Über einen Zeitraum von drei Jahren sollen im Nationalpark in der Eifel jährlich acht natürlich verendete oder bei Wildunfällen tödlich verunglückte Rehkadaver an zufälligen Flächen abgelegt werden.

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Es gibt jeweils drei Bereiche: eine Fläche ohne Aas, eine mit einem toten Reh und eine dritte mit einer Tierart für einen größeren Lebensraum wie ein Rothirsch. "In jedem Fall werden keine Tiere extra für das Projekt erlegt", erklärte der Nationalpark.

Das seit 2004 bestehende Schutzgebiet in der Eifel ist der einzige Nationalpark in Nordrhein-Westfalen. In dem 11.000 Hektar großen Waldgebiet nahe der belgischen Grenze soll eine Wildnis entstehen. Auf mehr als der Hälfte wird die Natur sich selbst überlassen.

Titelfoto: Oliver Berg/dpa

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