Hamburg - Die Proben für das Musical "Der Teufel trägt Prada" laufen bereits seit Oktober und auch hinter den Kulissen wird mit Hochdruck gearbeitet: Die maßgeschneiderten und oft an Designermarken angelehnten Kostüme sind inzwischen so gut wie fertig, wie die Kostümdesigner Gregg Barnes und Kamil Bartnicki am Montag verrieten. TAG24 durfte bei einem Fitting mit Andy-Darstellerin Isabel Waltsgott (33) dabei sein und erfuhr, wie viel Luxus tatsächlich in den Kostümen steckt.
Barnes und Bartnicki haben bereits die Kostüme für die Londoner Produktion entworfen und entwickeln diese teils mit ganz neuen Kreationen jetzt für die Hamburger Inszenierung weiter.
Die Looks greifen die Ästhetik des Kultfilms von 2006 auf, sollen dabei aber bewusst zeitlos bleiben.
Dabei orientierte sich das Duo an berühmten Modehäusern und Designern wie Balmain, Versace oder John Galliano. Einfach kopiert wurde allerdings nicht.
"Das Interessante an unserem Job ist, dass wir gewissermaßen anonym bleiben und selbst nicht im Mittelpunkt stehen", so Barnes. "Viel mehr geht darum, die typische Sprache berühmter Designer aufzugreifen, sie durch unsere eigene kreative Perspektive neu zu interpretieren und so die Geschichte auf der Bühne zu erzählen!"
Besonders wird das bei Andys Entwicklung deutlich. Zu Beginn der Storyline hat die junge Journalistin mit der glamourösen Modewelt des Modemagazins "Runway" wenig am Hut. Das soll sich auch in ihrer Kleidung widerspiegeln.
Ihre Schuhe sind zunächst etwas zu groß, Tasche und Rock wirken eher altmodisch. Dabei steckt ausgerechnet in ihrem vermeintlich biederen Rock ein echtes Designerstück der Marke "Etro". Durch die Kombination mit anderen Kleidungsstücken und die Art, wie Andy den Rock trägt, soll er allerdings so aussehen, als hätte sie diesen günstig im Schlussverkauf ergattert.
"Ich hatte noch nie für eine Rolle so viele unterschiedliche Kostüme", betonte Waltsgott am Montag. "Die Unterschiede sind teilweise wirklich enorm, allein schon durch die Schuhe. Man nimmt dadurch eine ganz andere Körperhaltung ein."
Versace-Kostüme für 60 statt 4000 Dollar
Die Zuschauenden sollen im besten Fall die Inspiration hinter den Kostümen und die teilweise "echten" Designerstücke entdecken können.
Eine Rolle spielt dabei auch die amerikanische Secondhand-Plattform "Poshmark", wie Barnes auf TAG24-Nachfrage verriet.
Dort hätten er und Bartnicki schon häufiger hochwertige Designerstücke gefunden, die von Privatpersonen weiterverkauft und teilweise nur ein einziges Mal getragen wurden. So hätten sie beispielsweise bereits Versace-Kostüme für 60 statt 4000 Dollar ergattert.
Auch Stoffe aus vergangenen Kollektionen kommen zum Einsatz. So gibt es laut Barnes beispielsweise einen Stoffhändler auf der East Side von Manhattan, der Chanel-Stoffe aus früheren Saisons anbietet.
So könnten die Kostümdesigner mit originalen Luxusmaterialien arbeiten, ohne komplette Kollektionen zum regulären Preis kaufen zu müssen. Durch die aufwendige Verarbeitung kämen die maßgeschneiderten Kreationen preislich letztlich jedoch dennoch nah an die Originale heran, so Barnes.
Denn Glamour allein reiche nicht: Die Kostüme müssen auch den Musical-Alltag überstehen, schnelle Wechsel ermöglichen und genügend Bewegungsfreiheit bieten. Deshalb werden sie auch individuell auf die Inszenierung und die Darstellenden zugeschnitten, statt einfach aus früheren Produktionen übernommen zu werden.
Kosten und Mühen, die Produzent Moritz Scherberich offenbar gerne in Kauf nimmt. Schließlich lebe das Musical wie kaum ein anderes von seinen Kostümen. Bereits im Vorfeld hatte er betont: "An den Kostümen wird nicht gespart!" Eine konkrete Summe wollte er allerdings nicht nennen.
Das Musical "Der Teufel trägt Prada" feiert am 10. Dezember in der Neuen Flora in Hamburg seine Deutschlandpremiere.