"Pam & Tommy" auf Disney+: "Jeder Typ auf dem Planeten wird sich darauf einen runterholen"

Deutschland - Das Sextape von "Baywatch"-Ikone Pamela Anderson (54) und Rocker Tommy Lee (59) sorgte in den 90ern für Furore und verhalf der Internetpornografie zum Durchbruch."Pam & Tommy" startet am Mittwoch auf Disney+ und widmet sich nicht nur der wilden Ehe des Skandalpärchens, sondern präsentiert den Zuschauern auch noch einen sprechenden Penis. Was die Serie sonst noch zu bieten hat, erfahrt Ihr in der TAG24-Kritik.

In ihrer Rolle als Rettungsschwimmerin Casey Jean "C. J." Parker in der Serie "Baywatch" wurde Pamela Anderson (Lily James, 32) in den 90ern zum Fernsehstar.
In ihrer Rolle als Rettungsschwimmerin Casey Jean "C. J." Parker in der Serie "Baywatch" wurde Pamela Anderson (Lily James, 32) in den 90ern zum Fernsehstar.  © Hulu

Zu Beginn steht jedoch erst mal jemand ganz anderes im Mittelpunkt: Handwerker Rand Gauthier (Seth Rogen, 39) soll die von Tommy Lee (Sebastian Stan, 39) geplante Liebeshöhle in dessen Villa in Malibu umsetzen.

Der Umgang mit dem Mötley-Crüe-Schlagzeuger erweist sich allerdings als äußerst kompliziert, denn der Musiker ändert nicht nur alle zehn Minuten seine Renovierungspläne. Er fuchtelt auch allzu gern mit einer seiner vielen Waffen herum und besteht darauf, erst zu zahlen, wenn seine Wünsche perfekt in die Tat umgesetzt sind.

Kein Wunder, dass der Frust auf der Baustelle wächst. Als Lee auch noch in einem Tobsuchtsanfall allen Arbeitern fristlos kündigt, steht für Rand fest: Ein Racheplan muss her.

Dass ihm mit dem Diebstahl eines Tresors aus der Villa des Rockstars am Ende das private Sextape von ihm und seiner Frau Pamela Anderson (Lily James, 32) in die Hände fällt, ist für den verschuldeten Ex-Erotikdarsteller ein ziemlicher Glücksgriff.

Zusammen mit Produzent Milton "Miltie" Ingley (Nick Offerman, 51) bietet er die äußerst pikanten Aufnahmen den großen Bossen der Pornostudios an, doch keiner will so richtig anbeißen. Wie gut, dass es ja mittlerweile das Internet gibt und man dort ganz anonym das Video für gutes Geld verscherbeln kann. Denn Rand ist sich sicher: "Jeder Typ auf dem Planeten wird sich darauf einen runterholen".

Originaltrailer zu "Pam & Tommy" mit Lily James, Seth Rogen, Sebastian Stan, Nick Offerman

"Pam & Tommy" verschwendet in der ersten Episode viel Zeit für uninteressante Nebenhandlungen

Rand Gauthier (Seth Rogen, 39, l.) und Milton "Miltie" Ingley (Nick Offerman, 51) wollen das Sextape gewinnbringend verkaufen.
Rand Gauthier (Seth Rogen, 39, l.) und Milton "Miltie" Ingley (Nick Offerman, 51) wollen das Sextape gewinnbringend verkaufen.  © Hulu

Es war nur eine Frage der Zeit, bis das Revival der 90er-Jahre auch auf den Serienmarkt überspringt. Dass Regisseur Craig Gillespie (54, "I, Tonya") ausgerechnet dem Skandalpärchen der Dekade eine eigene Miniserie widmet, scheint daher folgerichtig.

Glücklicherweise ist daraus keine die Vergangenheit verklärende Liebeserklärung an die letzte Dekade des 20. Jahrhunderts geworden. Stattdessen gelingt es Gillespie und seinem Team den bekannten Schlagzeilen über Pamela Anderson und Tommy Lee ein paar neue reizvolle Aspekte abzugewinnen.

Geschickt spielt das Drehbuch mit den gängigen Klischees - das blonde Dummchen, der notgeile und drogenabhängige Musiker -, um diese in der nächsten Sequenz gleich wieder zu entkräften.

Mag sein, dass die in der Serie gezeigte Pamela Anderson naiv und gutgläubig ist. Dennoch erlebt sie immer wieder Momente der Selbstreflexion, die gerade ihren von Lily James ("Cinderella") gespielten Charakter so spannend machen. So schwärmt sie in einer Szene von ihrem großen Vorbild Jane Fonda: "Sie war Feministin und Sexobjekt" oder gesteht auf die Frage, ob sie andere zufriedenstellen will: "Das ist alles, was ich mache".

James gelingt es dabei Anderson nicht nur optisch zu imitieren und Mimik und Stimme perfekt an das einstige Playmate anzupassen. Sie spielt die Blondine mit so viel Selbstironie und Herz, dass sie schnell zum Sympathieträger der Miniserie avanciert.

Sebastian Stan ("We Have Always Lived in the Castle") tut es ihr gleich und verschmilzt ebenfalls förmlich mit seiner Rolle, die aber weniger gefällig angelegt ist.

Lily James und Sebastian Stan verschmelzen in "Pam & Tommy" mit ihren Rollen

Vier Tage nach ihrem Kennenlernen gaben sich Tommy Lee (Sebastian Stan, 39) und Pamela Anderson (Lily James, 32) das Ja-Wort.
Vier Tage nach ihrem Kennenlernen gaben sich Tommy Lee (Sebastian Stan, 39) und Pamela Anderson (Lily James, 32) das Ja-Wort.  © Hulu

Gern möchte man mehr von beiden sehen, doch "Pam & Tommy" verschwendet fast die komplette Auftaktfolge damit, die Figur von Seth Rogen ("Superbad") einzuführen und dessen Rachemotiv groß und breit zu begründen - inklusive unnötiger Kindheitsflashbacks.

Dessen Handlungsstrang nimmt auch in den weiteren Teilen unnötig viel Platz ein. Warum die Rolle des Handwerkers derartig ausgewalzt wurde, lässt sich nur damit erklären, dass man noch Füllmaterial für die insgesamt acht Folgen brauchte.

Wirklichen Mehrwert bietet sie jedenfalls nicht und lenkt stattdessen nur von der deutlich spannenderen Hauptstory um Pam und Tommy ab. Deren Amour fou ist zwar von Anfang an zum Scheitern verurteilt. Dennoch macht es ungeheuer Spaß, den beiden etwa zum 90er-Hit "Be my Lover" tanzend durch die Clubs zu folgen.

Bei den Gags wäre weniger allerdings ein bisschen mehr gewesen, denn die werden teilweise im wahrsten Sinne des Wortes mit dem Holzhammer präsentiert und sorgen oft eher für Augenrollen als für einen herzhaften Lacher. Skurrile Momente gibt es ebenfalls in Hülle und Fülle.

Wer kein Problem damit hat, dass sich Tommy Lee nach einer durchzechten Nacht minutenlang mit seinem besten Stück unterhält und das auch frontal in die Kamera zeigt, erlebt mit "Pam & Tommy" kurzweilige Unterhaltung mit ein paar Schwächen.

Nach drei gesehenen Folgen deutet sich an, dass die Miniserie, deren Auftakt sofort auf Disney+ abrufbar ist und im Wochentakt veröffentlicht wird, noch deutlich ernstere Töne anschlagen wird. Es bleibt also spannend!

Titelfoto: Hulu

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