Kostenloser Eintritt ins Miniatur Wunderland: "Zerreißt mir jedes Jahr wieder das Herz"

Hamburg - Bereits zum elften Mal startet am Dienstag (6. Januar) im Miniatur Wunderland in Hamburg die Aktion "Ich kann es mir nicht leisten". Damit haben auch im Januar 2026 finanziell benachteiligte Menschen die Möglichkeit, die Touristen-Attraktion an ausgewählten Terminen kostenlos zu besuchen. Laut Gründer Frederik Braun (58) stets ein Auslöser für große Emotionen: von Dankbarkeit bis Hass.

Mitbegründer des Miniatur Wunderlands Frederik Braun (58) 2021 bei der Eröffnung des Abschnitts "Rio de Janeiro".
Mitbegründer des Miniatur Wunderlands Frederik Braun (58) 2021 bei der Eröffnung des Abschnitts "Rio de Janeiro".  © Miniatur Wunderland

Nach Angaben Brauns haben seit 2015 bereits mehr als 100.000 Gäste bei "Ich kann es mir nicht leisten" dankend mitgemacht.

Besonders in Erinnerung geblieben ist dem Unternehmer eine Mutter, die vor Freude ihrem Sohn endlich den Wunsch eines Besuches erfüllen zu können, noch an der Kasse in Tränen ausgebrochen ist.

"Wir standen da zu dritt. Mit feuchten Augen. So schön. So traurig. So menschlich. Solche Momente erleben wir seit Jahren immer wieder. Und sie hören nicht auf. Im Gegenteil", betonte der 58-Jährige in einer emotionalen Mitteilung am heutigen Montag.

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Dennoch wird Aktion seit Jahren auch immer wieder Opfer von "Misstrauen. Ablehnung. Manchmal sogar offener Hass", so Braun. Am schlimmsten sei es 2017 auf dem Höhepunkt der Flüchtlingswelle gewesen.

Damals wie auch 2024 hatte das Miniatur Wunderland jeweils einen der zahlreichen Drohbriefe veröffentlicht und nach Angaben von Braun eine "besondere Welle der Solidarität" erfahren: "Es zeigte sich erneut, was wir leider immer wieder beobachten: Angst und Wut sind laut. Menschlichkeit ist oft leise."

Auch in diesem noch so kurzen Jahr lese man schon die ersten negativen Kommentare wie "Man kann den Menschen doch nicht vertrauen". Allerdings gehen Braun und sein Team davon aus, dass – wenn überhaupt – weniger als fünf Prozent die Aktion wirklich ausnutzen.

Frederik Braun: "Viele dieser Menschen können sich nicht einmal ein Getränk leisten"

Ab Dienstag, 6. Januar 2026, startet die Aktion "Ich kann es mir nicht leisten" im Miniatur Wunderland.
Ab Dienstag, 6. Januar 2026, startet die Aktion "Ich kann es mir nicht leisten" im Miniatur Wunderland.  © Miniatur Wunderland

Abgeleitet wird diese Zahl unter anderem aus dem durchschnittlichen Pro-Kopf-Umsatz im Bistro des Miniatur Wunderlands.

"An diesen Tagen bricht unser Umsatz im Bistro massiv ein. Nicht ein bisschen – sondern deutlich. Das bedeutet: Viele dieser Menschen können sich nicht einmal ein Getränk leisten. Das ist keine Theorie. Das ist Realität. Und genau deshalb zerreißt es mir jedes Jahr wieder das Herz."

Braun ist überzeugt, dass sich das Vertrauen von ihm und seinem Bruder – Mitbegründer Gerrit Braun (58) – in die Menschen lohnt und versteht nicht, warum nicht mehr Kultur-Angebote die Aktion übernehmen.

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"Ich wünsche mir so sehr, dass diese Aktion nicht etwas Besonderes bleibt. Dass Museen, Theater, Kinos, Tierparks, Freizeitparks – all die Orte, die in ruhigen Zeiten ohnehin Kapazitäten haben – den Mut finden, ähnliche Wege zu gehen. Es kostet weniger, als man denkt. Und es gibt unendlich viel zurück."

Auf der Website des Miniatur Wunderlands sind die möglichen Termine für einen kostenlosen Besuch bis zum 31. Januar aufgelistet. Ebenso Tipps für den besten Besuchs-Zeitraum und Wartezeitprognosen.

Beweisen, dass man bedürftig ist, muss man nicht. Es reicht an der Kasse zu sagen, dass man sich das Ticket nicht leisten kann.

Titelfoto: Montage: Miniatur Wunderland (2)

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