Rainbirds im TAG24-Interview über Bandjubiläum: "Waren damals ziemlich allein damit"

Berlin - Mit "Blueprint" landeten Rainbirds 1987 europaweit einen Hit. Der zeitlose Song gilt als Meilenstein und Blaupause für deutsche Pop-Musik mit Kopf, dann kam es zum Bruch auf dem Zenit ihres Erfolges. Zum 40-jährigen Bandjubiläum stehen die Berliner in (erweiterter) Originalbesetzung wieder gemeinsam auf der Bühne. Eine Begegnung.

Rainbirds gilt als eine der wichtigsten Bands der deutschen Pop- und Rockgeschichte.  © Jörg Steinmetz

Vor ihrem Auftritt bei radioeins sprechen Sängerin Katharina Franck (62) und Bassist Michael Beckmann (64) mit TAG24 über dieses ungewöhnliche Comeback.

Für Beckmann, der nach achtzig Stunden im Proberaum das Handgelenk bandagiert hat, ist schnell klar: "Es fühlt sich frisch an." Die Band setze nicht einfach dort an, wo sie einst aufgehört hat. "Ich habe mir auch Songs aus späteren Phasen draufgeschafft. Das war eine ganz neue Welt."

Die Vergangenheit dient demnach mehr als Fundament denn als Fahrplan. "Es ist eher, als würden sehr alte Menschen eine sehr junge Band gründen", sagt er und lacht. Die Jubiläumstour bringt erstmals Musikerinnen und Musiker aus allen Phasen der Bandgeschichte zusammen.

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Dass es überhaupt zu diesem späten Wiedersehen kommt, ist nicht selbstverständlich. Ende der 80er Jahre zerbrach die Band nach rasantem Aufstieg an musikalischen Differenzen. Rückblickend wirkt das für Franck weniger als ein Fehler denn wie ein Produkt der Umstände. "Wir waren plötzlich sehr erfolgreich und ziemlich allein damit", erzählt die Songwriterin.

Der Druck von außen sei enorm gewesen. "Wir haben funktioniert, aber für das, was uns wirklich bewegt hat, war kein Platz."

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Der Kern der aktuellen Zusammenarbeit

Heute sehen beide das nüchtern. "Diese Was-wäre-gewesen-Fragen bringen uns nicht weiter", erklärt der Musiker. Entscheidend sei, was jetzt passiert: "Dass wir zusammen Musik machen und daran Spaß haben."

Und genau darin liegt der Kern der aktuellen Zusammenarbeit. Im Proberaum versuchen die Beteiligten bewusst, alte Muster zu vermeiden. "Wir hören uns mehr zu", verrät Beckmann, denn damals ging vieles zu schnell: internationale Erfolge, große Bühnen, eine Maschinerie, die keine Pause kannte.

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"Through The Web Of Time": Rainbirds gehen auf Jubiläumstour

Die Band spielte vor Tourstart bei radioeins im Bikini Berlin.  © Denis Zielke/TAG24

Heute dagegen steht das Miteinander im Vordergrund. "Wir sind alle erwachsen geworden", sagt Franck und schiebt hinterher: "Jeder hat seine eigenen Erfahrungen gemacht und jetzt kommen wir zusammen, um diese Songs zu feiern."

Auch der Blick auf die Branche veränderte sich. Gerade für Frauen, sagt Franck, seien die Möglichkeiten heute andere. "Man kann viel klarer sagen, was man will und was nicht."

In den 80ern sei das schwieriger und man abhängig von der Plattenfirma gewesen. Beckmann ergänzt entsprechend selbstkritisch: "Wir Männer haben die Frauen in der Band auch nicht immer so behandelt, wie man das hätte tun sollen."

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Franck nimmt den Schlagzeuger herzlich in den Arm, drückt und eröffnet ihm: "Du hast etwas groß dazu gelernt", Beckmann darauf: "Ein bisschen", bevor Franck zurückgibt: "Nein, es ist so."

Bei den anstehenden Auftritten wollen die Rainbirds auf Geschichtsstunden und ausschweifende Erklärungen verzichten. "Natürlich sage ich hier und da etwas", meint Franck und fügt an: "Aber vor allem: Wir machen Musik."

Am 9. Mai startet die "Through The Web Of Time"-Tour mit 15 Stationen in Rottweil, am 13. Mai spielt die Band im Berliner Admiralspalast.

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