Magdeburg - Bevor Tokio Hotel die großen Bühnen der Welt eroberte, ging es für Bill und Tom Kaulitz (beide 37), Gustav Schäfer (38) und Georg Listing (39) deutlich weniger glamourös zu.
In der neuen Folge ihres Band-Podcasts "Zugabe im Tokio Hotel" blicken die vier Musiker auf ihre Anfänge in Magdeburg zurück - und besonders auf ihre alten Proberäume.
Einer davon lag an der Halberstädter Straße. Dort entstanden nicht nur frühe Fotos der Band, auch Kameras von "Star Search" schauten damals vorbei, als Bill noch an der Castingshow teilnahm.
Doch richtig wild wurde es offenbar in einem späteren Proberaum.
Der befand sich nach Erinnerung der Band in einer alten Fabrik und war alles andere als gemütlich. Der Gang zur Toilette war offenbar so unangenehm, dass kurzerhand Flaschen herhalten mussten.
"Die war voll mit Pipi und mit Kippen", erinnert sich Bill.
Damit aber noch lange nicht genug. Für ihre eigene kleine Bühne verwendete die Band damals Paletten, die noch feucht waren. Teppich drauf, festnageln - fertig.
Das Ergebnis ließ allerdings nicht lange auf sich warten. "Da hat doch alles geschimmelt da drin", kann sich Georg noch erinnern. Selbst Granulat zum Trocknen habe nicht mehr viel retten können.
Tokio Hotel bauten Bühne aus nassen Paletten
Auch sonst scheint der Raum eher einer wilden Jugend-WG als einem professionellen Musikstudio geglichen zu haben. Mikrowelle, Küchenzeile und Sandwichmaker waren zwar vorhanden - besonders sauber sei es allerdings nicht gewesen.
"Das war so verdreckt, Leute", zeigt sich Bill noch viele Jahre später schockiert. Geprobt wurde dort offenbar sowieso nicht immer.
Nach der Schule seien die Jungs mit ihren Hausaufgabenheften in den Raum gekommen. Dort wurde geraucht - und nach eigener Aussage auch gekifft.
"Wir haben alles da drin gemacht", wirft Tom ein. Der Proberaum sei damals wie eine kleine "WG ohne Bad" gewesen, in der die Jugendlichen weitgehend machen konnten, was sie wollten.
Ganz ungefährlich klang die Unterkunft ebenfalls nicht. Heute wundern sich die Musiker selbst darüber, dass sich überhaupt Menschen in dem Gebäude aufhalten durften.
Trotz Schimmel, Pipi-Flaschen und reichlich Chaos nahm dort allerdings eine Karriere ihren Lauf, die die vier Magdeburger später um die ganze Welt führen sollte.