Berlin - Bei der exklusiven Preview von "That’s Why the Lady is a Champ" war die Schauspielerin und Moderatorin Collien Fernandes (44) in Berlin vor Ort. Als Filmpatin begleitete Fernandes den Film über die US-Boxerin Christy Salters Martin (58), die trotz ihrer Erfolge im Ring jahrelang Gewalt durch ihren Ehemann und Trainer erlebte.
Fernandes sprach vor der Vorführung mit TAG24 darüber, warum ihr der Film besonders wichtig ist – und weshalb gerade Männer ihrer Meinung nach häufig keine wirkliche Vorstellung davon haben, was häusliche Gewalt bedeutet.
Der Film erzählt die Geschichte der US-Boxerin Christy Salters Martin, gespielt von Sydney Sweeney (28). Im Ring wird Martin zur gefeierten Sportlerin und macht sich einen Namen in der Boxwelt. Privat erlebt sie dagegen über Jahre Gewalt durch ihren Ehemann und Trainer Jim Martin.
Im Anschluss an die Vorführung fand ein von Fernandes moderiertes Gespräch mit Expertinnen von TERRE DES FEMMES, BIG e.V. und S.I.G.N.A.L. e.V. über Gewalt gegen Frauen statt.
Für die Schauspielerin sei der Film vor allem deshalb wichtig, weil er ihrer Ansicht nach einen realistischen Einblick in die Dynamik häuslicher Gewalt vermittelt.
"Ich stelle fest, dass viele, vor allem Männer, das Thema häusliche Gewalt überhaupt nicht kapieren", sagte Fernandes im Gespräch mit TAG24. Häufig gebe es eine falsche Vorstellung davon, wie sich Opfer verhalten würden. Gerade deshalb könne der Film helfen, diese Vorstellungen zu korrigieren.
"Dieser Film gibt einen Einblick in die Realität", erklärte die 44-Jährige. Das liege nicht nur daran, dass die Geschichte auf wahren Ereignissen beruhe, sondern auch an der authentischen Inszenierung.
Fernandes appelliert: "Gerade die Leute, die häusliche Gewalt nicht verstehen, sollten sich diesen Film angucken."
Der schwierige Weg aus einer gewalttätigen Beziehung
Christy Martin brauchte lange, um sich aus ihrer Beziehung zu lösen. "Statistisch gesehen brauchen gewaltbetroffene Frauen sieben Anläufe, bis sie endgültig gehen", sagte Collien Fernandes.
Es sei nicht ungewöhnlich, dass Betroffene eine Beziehung beendeten, dann aber wieder zurückgingen. Auch bei ihr selbst habe es "viele, viele Anläufe" gebraucht. "Aber irgendwann reicht es dann einfach", sagte Fernandes.
Collien Fernandes hatte in den vergangenen Monaten öffentlich über ihre eigenen Erfahrungen mit digitaler und physischer Gewalt gesprochen und dabei Vorwürfe gegen ihren ehemaligen Partner, den Schauspieler Christian Ulmen (51), erhoben. Die Staatsanwaltschaft Potsdam ermittelt inzwischen wegen des Verdachts der Körperverletzung; für Ulmen gilt die Unschuldsvermutung.
Dass Frauen nach Gewalterfahrungen öffentlich über das Erlebte sprechen, kann allerdings einen hohen persönlichen Preis haben. Fernandes weiß das aus eigener Erfahrung.
Sie kritisiert, dass Betroffenen mitunter davon abgeraten werde, ihre Erfahrungen öffentlich zu machen. Für die Schauspielerin sende das ein falsches Signal: "Prozesse hierzu sind per se öffentlich. Sagt man, Frauen sollen so etwas nicht öffentlich machen, dann sagt man gleichzeitig, Frauen sollen so etwas nicht zur Anzeige bringen."
Für Fernandes ist klar: Frauen sollten nicht den Eindruck bekommen, dass es besser sei zu schweigen, wenn sie Gewalt erfahren haben.