Berlin - Für Dieter "Maschine" Birr (82) ist der 13. August 1961 weit mehr als ein Datum aus dem Geschichtsbuch. Der Bau der Berliner Mauer trennte den späteren Puhdys-Frontmann von einem Menschen, mit dem er fast seine gesamte Jugend verbracht hatte: seinen besten Freund Klaus. Ein Wiedersehen sollte es nie geben.
Birr und Klaus wuchsen in Späthsfelde im Berliner Bezirk Treptow auf, gingen gemeinsam zur Schule und verbrachten ihre Tage miteinander. Weit mussten sie dafür nicht laufen. "Klaus wohnte nur eine Querstraße entfernt", erzählte Birr dem "Berliner Kurier".
Auf einem alten Schwarz-Weiß-Foto, das Birr bis heute besitzt, sind die beiden als etwa 14-Jährige gemeinsam mit einem Schäferhund zu sehen. Wenig später, mit 15 oder 16, waren sie regelmäßig in Berlin unterwegs – und zwar auf beiden Seiten der späteren Grenze. Sie fuhren mit der S-Bahn zwischen Ost und West, sonntags ging es unter anderem zum Bahnhof Zoo.
Selbst als Klaus mit seiner Familie kurz vor dem Mauerbau nach West-Berlin zog, konnten sich die Freunde zunächst weiter treffen. Birr besuchte ihn dort. Bei einem dieser Besuche spendierte Klaus ihm seine erste Currywurst. Diese Vorliebe verbindet Birr bis heute mit seinem Jugendfreund.
Dann kam der 13. August 1961. Birrs Vater weckte seinen Sohn an jenem Morgen mit der Nachricht, dass die Grenze geschlossen sei. Welche Folgen das für seine Freundschaft haben würde, begriff der Jugendliche zunächst nicht. Der Gedanke, "dass ich Klaus nie mehr sehen würde", sei ihm in diesem Moment noch nicht gekommen, doch das Schicksal nahm genau so seinen Lauf.
Birr schickte seinem Freund weiterhin Karten und glaubte daran, dass die beiden irgendwann wieder gemeinsam durch Berlin ziehen würden. Die politische Grenze änderte für ihn nichts daran, was Klaus ihm bedeutete: "Die Mauer hatte die Stadt getrennt, aber nicht unsere Freundschaft." Die Hoffnung auf ein Wiedersehen erfüllte sich leider nicht.
Ex-Puhdys Sänger Dieter "Maschine" Birr erzählt, was aus Klaus wurde
Erst Ende der 1970er-Jahre bekam Birr wieder und aus heiterem Himmel eine Nachricht über seinen Jugendfreund. Die Puhdys spielten damals ein Konzert in West-Berlin. Während eines Schlagzeugsolos nutzte Birr die Gelegenheit für eine Zigarettenpause hinter der Bühne. Dort stand plötzlich Klaus’ Mutter vor ihm. Sie erzählte ihm, dass ihr Sohn gestorben war.
Viel Zeit blieb Birr nicht, die Nachricht zu verarbeiten. Er musste zurück auf die Bühne und das Konzert weiterspielen. Als der Auftritt vorbei war, war Klaus' Mutter bereits verschwunden. Was blieb, sind neben den Erinnerungen das Schwarz-Weiß-Foto aus gemeinsamen Jugendtagen.
Jahrzehnte später fand Klaus schließlich auch einen Platz in Birrs Musik.
Für sein Doppelalbum "Große Herzen" nahm der Sänger den Titel "Mein Freund aus alten Zeiten" auf. Beim Schreiben des Liedes, erzählte Birr, seien seine Gedanken wieder bei Klaus gewesen.