Geplatzter Prozess nach Skandal um Gil Ofarim: Was bisher geschah, wie es weitergeht

Leipzig - Nach dem Antisemitismus-Skandal rund um ein veröffentlichtes Instagram-Video von Musiker Gil Ofarim (40) beschäftigte der Fall 2022 die Leipziger Justiz. Im Oktober hätte eigentlich der Prozess gegen den 40-Jährigen beginnen, doch dazu kam es nicht. Was bisher geschah – und wie es 2023 im Fall Ofarim weitergehen könnte.

Der Prozess um Gil Ofarim (40) verzögert sich.
Der Prozess um Gil Ofarim (40) verzögert sich.  © Tobias Hase/dpa

Das Jahr startete für die Behörden mit jeder Menge Ermittlungsarbeit: Ausgiebig wurde das Videomaterial der Überwachungskamera im Foyer des Leipziger Westin-Hotels ausgewertet.

Unter anderem gingen die Ermittler der Frage nach, ob und wie die Kette mit Ofarims Davidstern, der in dem Fall eine tragende Rolle spielt, zu sehen war oder unter seine Jacke hatte rutschen können. Zu diesem Zweck rekonstruierte die Kripo den die Szene im Empfangsbereich des Hotels, die der Musiker in seinem Instagram-Video geschildert hatte.

Für die Staatsanwaltschaft Leipzig reichte die Beweislage für eine Anklage wegen Verleumdung und falscher Verdächtigung, bis diese schließlich vor dem Landgericht Leipzig zugelassen wurde, sollte es noch bis zum September 2022 dauern.

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Der Grund: Ofarims Verteidigung stellte einen Befangenheitsantrag gegen einen der drei verhandelnden Berufsrichter am Landgericht, der in Prüfung ging. Die Verteidiger kritisierten ebenfalls, dass der Fall zu sehr aufgebauscht werden würde, indem er am Landgericht und nicht dem zu erwartenden Strafmaß entsprechend am Amtsgericht behandelt wurde. Nichtsdestotrotz ließ das Landgericht die Anklage der Staatsanwaltschaft durch, ebenso die Nebenklage des betroffenen Hotelmitarbeiters.

Für den Prozessstart wurde der 24. Oktober angesetzt - dazu sollte es jedoch nie kommen.

Prozessstart um Gil Ofarim erst ab April erwartet

Ein Mitarbeiter des betroffenen Hotels will als Nebenkläger im Prozess auftreten.
Ein Mitarbeiter des betroffenen Hotels will als Nebenkläger im Prozess auftreten.  © Dirk Knofe/dpa

Eine Woche vor dem ersten Prozesstermin wurde selbiger auf unbestimmte Zeit verschoben. Wegen einer "Terminkollision" hatten Ofarims Anwälte den Verhandlungstermin abgesagt.

Von der Nebenklage gab es außerdem einen umfangreichen weiteren Antrag, der forderte, einige zivilgerichtliche Ansprüche direkt im Strafprozess mit einzubringen. Auch der Kritikpunkt, dass die mediale Aufmerksamkeit wegen des Promi-Status Ofarims sich negativ auf ein mögliches Urteil auswirken könnte, spielte bei der Absage eine Rolle.

Neue Termine für das Verfahren wurden noch nicht bestimmt. "Mit einer Neuterminierung ist (...) nicht vor Ablauf von 6 Monaten zu rechnen", teilte das Landgericht im Oktober jedoch mit.

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Und nun? Laut Angaben des Landgerichts ist frühestens im April mit neuen Prozessterminen zu rechnen. Experten vermuten eine Verzögerungstaktik seitens Ofarims Verteidigern – Stand jetzt ist der Prozess jedoch nur verschoben, auf keinen Fall aufgehoben.

Ofarim hatte im Herbst 2021 in einem viralen Video geschildert, dass ein Mitarbeiter eines Leipziger Hotels ihn aufgefordert habe, seine Kette mit Davidstern abzunehmen, damit er einchecken könne. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft Leipzig hat sich der Vorfall aber nicht so zugetragen.

Titelfoto: Tobias Hase/dpa

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