Jan Josef Liefers über Sachsen-Anhalt: Das Bild vom "Nazi-Land" ist gelogen
Berlin - Schauspieler Jan Josef Liefers (61) hat im Podcast "Lanz & Precht" über die AfD und ihre Wähler gesprochen. Dabei räumt er mit dem Vorurteil von "Hass und Hässlichkeit" in Sachsen-Anhalt auf.
Drei Wochen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt war Liefers aus Mallorca zu Markus Lanz (57) und Richard David Precht (61) zugeschaltet. Im Gespräch ging es zunächst um seine Erfahrungen bei Dreharbeiten in einem kleinen Ort in Sachsen-Anhalt.
Angesichts der hohen AfD-Werte sei er mit einer bestimmten Erwartung angereist. "Du denkst jetzt, ich bin hier im Nazi-Land", schilderte Liefers. Doch vor Ort habe er etwas völlig anderes erlebt.
Das Bild von "Hass und [...] Hässlichkeit an jeder Straßenecke" sei "einfach gelogen", so Liefers.
Seiner Ansicht nach hätten viele Menschen vielmehr "das Gefühl, keiner sieht sie, keiner nimmt sie wahr". Die AfD profitiere davon, dass sie für viele zur Protestpartei geworden sei.
Genau deshalb lehnt Liefers auch eine pauschale Verurteilung ihrer Wähler ab: "Ich bin eben auch nicht dafür, zu sagen, wer AfD wählt, ist ein Nazi."
Liefers fühlt sich an die DDR erinnert
Das bedeutet allerdings nicht, dass Liefers die AfD befürwortet. Im Gespräch äußerte er sich unter anderem kritisch zu Nationalismus und dem politischen Auftreten der Partei. Gleichzeitig zeigte er sich skeptisch gegenüber der sogenannten Brandmauer.
Liefers stellte infrage, ob es demokratisch sinnvoll sei, die AfD trotz ihrer Wahlergebnisse grundsätzlich von einer Regierungsbeteiligung auszuschließen.
Hinter seiner kritischen Haltung steht auch seine eigene DDR-Erfahrung. Menschen, die die DDR noch erlebt hätten, seien besonders sensibel für Manipulation, erklärte Liefers. Man rieche "zehn Meter durch den Wind", wenn einem etwas eingeredet werden solle.
Bei seiner Kritik an der Brandmauer zog der Schauspieler einen historischen Vergleich. Er erinnerte daran, dass Erich Honecker (†81) einst gesagt habe, die Berliner Mauer werde noch 100 Jahre stehen. Tatsächlich fiel sie nur rund ein halbes Jahr später.
Titelfoto: IMAGO / Panama Pictures

