Berlin - Kerstin Ott (44, "Die immer lacht") gehört zu den erfolgreichsten Schlagersängerinnen Deutschlands. Doch während ihre Karriere steil nach oben ging, kämpfte sie mit Alkohol, Spielsucht und Depressionen. Bis heute ist sie auf Medikamente angewiesen.
Auf die Frage, wie sie den Weg aus der Erkrankung gefunden habe, antwortete die Sängerin dem "Tagesspiegel" kurz und knapp: "Ganz ehrlich: Bin ich nicht."
Als die Depression begonnen habe, habe sie sich eine Psychiaterin gesucht: "Es gibt Probleme, die man nicht allein lösen kann." Nach anfänglicher Skepsis habe sie sich für eine medikamentöse Behandlung entschieden. Die Medikamente nehme sie bis heute. "Ich weiß ehrlich gesagt nicht, warum ich sie absetzen sollte", offenbarte Ott.
Vor der Depression hatte gebürtige West-Berlinerin bereits zwei Suchterkrankungen hinter sich gelassen. Zunächst kämpfte sie mit einer Spielsucht, später mit einer Alkoholabhängigkeit. Besonders der Verzicht auf Alkohol sei für sie ein langer und schwieriger Prozess gewesen.
Während andere weiter feierten, habe sie akzeptieren müssen, dass Alkohol für sie keine Option mehr sei. "Dieses schnelle Glücksgefühl nach Feierabend, das man sich durch Alkohol verschafft, muss man erst einmal loslassen", erzählte Ott.
Nach ihrer Einschätzung unterschätzen viele Menschen das Risiko einer Alkoholabhängigkeit. Alkohol sei gesellschaftlich so akzeptiert, dass problematischer Konsum häufig lange unbemerkt bleibe. Erst mit der Zeit habe sie verstanden, dass ihr Körper viele Glücksgefühle nicht mehr selbst erzeugt habe, weil Alkohol diese Funktion übernommen habe.
Kerstin Ott ernährt sich vegan
Seit drei Jahren lebt Ott nach eigenen Angaben ohne Alkohol und Zigaretten. Zudem ernährt sie sich vegan. Ganz verschwunden sei die Versuchung jedoch nicht. Vor allem im Sommer falle es ihr schwer, wenn Menschen in Restaurants oder Bars gemeinsam trinken. "Da muss ich mich wirklich zusammenreißen", gab sie im Interview mit der Zeitung weiter zu. Das Rauchen habe sie dagegen vollständig hinter sich gelassen.
Rückblickend sei für die Musikerin früh klar gewesen, ihre Erfahrungen öffentlich zu machen. Allerdings habe sie zunächst selbst verstehen müssen, was mit ihr geschehen sei.
Gerade beim Thema Alkohol habe sie Zeit gebraucht, die eigene Abhängigkeit einzuordnen.
Heute wolle sie dazu beitragen, Berührungsängste gegenüber psychischen Erkrankungen und Suchterkrankungen abzubauen.