Luisa Neubauer: "Wir müssen das Klima wieder zur Priorität machen"

USA - Sie ist die deutsche Antwort auf Greta Thunberg und wird auch in Übersee wahrgenommen. Gegenüber den Hörfunksendern von NPR begründete Luisa Neubauer nun, warum das Klima wieder Priorität haben müsse.

Für die Klimaschutzaktivistin von Fridays for Future steht fest: "Wir können viel aus der Corona-Pandemie lernen."
Für die Klimaschutzaktivistin von Fridays for Future steht fest: "Wir können viel aus der Corona-Pandemie lernen."  © Kay Nietfeld/dpa

Während Regierungschefs auf der ganzen Welt über wissenschaftliche und wirtschaftliche Impulse im Kampf gegen das Coronavirus diskutieren, machen sich insbesondere jüngere Generationen weiter Gedanken über die Entwicklung des Klimas.

Dass Covid-19 zur Zeit erstmal Vorrang hat, kann auch Luisa Neubauer zum Teil verstehen. "Natürlich konzentrieren wir uns vorerst auf das Coronavirus, und das ist das Richtige. Es gibt kein Zurück in die Zeit vor Corona", sagte die 24-Jährige zu NPR (National Public Radio).

Allerdings ergänzte sie gleich danach: "Wir haben jedoch verstanden, dass es dem Klima egal ist, wie und womit wir beschäftigt sind und ob wir gerade gegen eine Pandemie kämpfen. Weil sich die Klimakrise weiter verschärft und die Menschen weiterhin gefährdet."

"Wir müssen das Klima wieder zur Priorität machen. Dafür müssen wir uns als Aktivisten einsetzen. Und dies ist nur möglich, wenn wir das Coronavirus effizient, fair und fürsorglich bekämpfen und das so schnell wie möglich", äußerte Neubauer.

Zugleich beteuerte sie, den weltweiten Umgang mit Covid-19 als Beispiel für ein zukünftiges Engagement in Sachen Klima anzusehen. "Wir können noch viel aus der Pandemie lernen. Wir können Krisen ernst nehmen. Wir können auf die Wissenschaft hören. Wir können international zusammenkommen. Wir können ungeahnte Solidarität untereinander zeigen. Wir können Politik generationsübergreifend machen: Die Jungen treten für die Alten ein - jetzt können die Alten klimatisch für die Jungen eintreten."

Menschheit kann in Sachen Klima viel aus der Corona-Krise lernen, findet Neubauer

Luisa Neubauer findet positive Worte für Merkel und kritisiert Trump

Neubauer lobte Angela Merkels Leistungen in der Vergangenheit und attestierte Donald Trump Unverständnis in Sachen Klima.
Neubauer lobte Angela Merkels Leistungen in der Vergangenheit und attestierte Donald Trump Unverständnis in Sachen Klima.  © Evan Vucci/AP/dpa, Wolfgang Kumm/dpa

"Die Klimakrise trifft uns zunächst mit weniger Gewicht, erfordert jedoch prägnantere Maßnahmen. Wir sind dabei, so viele Grundlagen des Lebens zu zerstören, dass wir uns fragen müssen, inwieweit das Leben auf der Erde in Zukunft noch möglich sein wird", so Luisa Neubauer.

Auch auf die deutsche und US-amerikanische Klimapolitik ging die Aktivistin näher ein. So kritisierte sie etwa das Konjunkturprogramm in Deutschland, das nur darauf abziele, "die Wirtschaft und nicht das Klima zu retten". "Wir sollten uns auf das effektive Wohlergehen der Menschen und nicht auf das Wohlergehen der stärksten Lobbys konzentrieren."

Zur deutschen Bundeskanzlerin sagte Neubauer: "Angela Merkel ist für mich nicht mehr die Klimakanzlerin. Aber sie hat vor langer Zeit bewiesen, dass man die internationale Klimapolitik in Schwung bringen und sich damit einen Namen machen kann. Sie hat massiv dazu beigetragen. Sie ist Physikerin. Sie versteht die Physik hinter der Klimakrise."

Negative Worte fand die 24-Jährige vor allem hinsichtlich der Politik des US-Präsidenten: "Die Vereinigten Staaten waren früher die Polizei der Welt. Jetzt sind sie zum Sorgenkind der Welt geworden. Das ist sehr destruktiv und natürlich eine Katastrophe für die Umwelt. Sie haben einen unvorhersehbaren Präsidenten, der offensichtlich nicht versteht, was die Klimakrise bedeutet. Es wäre eine Katastrophe, wenn Donald Trump wiedergewählt würde. Dies würde weit über vier Jahre hinaus schlimme Auswirkungen haben."

Titelfoto: Kay Nietfeld/dpa

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