Als Jungpolitiker von Ausbeutung spricht, geht Markus Lanz dazwischen
Hamburg - Es war eine Doppel-Klatsche für die SPD: Bei den vergangenen zwei Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz stürzte die Partei deutlich ab. Einmal mehr wurde der Ruf nach Konsequenzen laut. In seiner Sendung vom Dienstagabend wollte Markus Lanz (56) im Gespräch mit Philipp Türmer (30, SPD) herausfinden, was bei den Sozialdemokraten schiefläuft.
Der Gast wagte zunächst einen Erklärungsversuch: "Meiner Ansicht nach hat die SPD in den letzten Jahren und Jahrzehnten einen ganz großen Fehler gemacht. Sie hat irgendwie versucht, es allen recht zu machen - also immer Kompromisse, gesellschaftlichen Zusammenhalt gepredigt, aber es immer versäumt zu sagen, was die Vision ist [...]."
Türmer kritisierte weiter, dass seine Partei sich nie mit der Gruppe angelegt habe, die einer gerechten Gesellschaft entgegenstehe. "Mit wem würden Sie sich denn gerne mal richtig anlegen?", hakte Lanz nach.
Darauf brachte der Jungpolitiker die Superreichen ins Spiel, die "völlig von der Realität abgelöst" seien und deren Geschäftsmodell darauf beruhe, die "breite Mehrheit auszubeuten", Reichtümer anzuhäufen und immer mehr politischen Einfluss zu gewinnen. "Wir sehen das in der Trump-Administration ganz stark ..."
Der Moderator ging dazwischen: "Wir sind in Deutschland", lautete sei Einwand, woraufhin Türmer erklärte: "Wir sehen diese Entwicklung auch in Deutschland - mit einer immer weiter sich voneinander entfernenden Gesellschaft, einer kleinen Klasse von Superreichen. [...]" Mit diesen Leuten müsse man den Konflikt suchen.
Moderator muss Philipp Türmer wieder unterbrechen
Angesichts der Aussagen des Juso-Chefs zeigte sich Markus Lanz verwundert: "Ihr Parteivorsitzender sagt, dass wir als Gesellschaft mehr arbeiten müssen. Das richtet sich wieder genau an diese hart arbeitende Mitte, die noch ein bisschen härter arbeiten soll - so verstehe ich das."
Türmer erwiderte: "Wir müssen dafür sorgen, dass Menschen, die arbeiten, hier nicht ganz alleine den gesamten Laden schmeißen. Das sehen wir nämlich an jeder Stelle. [...]"
Lanz unterbrach sein Gegenüber erneut und stellte klar: "Der katastrophale Eindruck, der entstand, mit Blick auf Ihre Partei ist, dass Sie sich insbesondere für diejenigen einsetzen, die den Laden nicht schmeißen, für die, die nicht morgens aufstehen und hart arbeiten."
Die komplette, rund 76-minütige Folge mit allen Meinungen und Standpunkten kann in der ZDF-Mediathek auf Abruf angesehen werden.
Titelfoto: ZDF/Markus Hertrich

