"Sie wollen provozieren": Als Politiker mit hartem Vorwurf kommt, reagiert Markus Lanz sofort
Hamburg - Die jüngsten AfD-Wahlerfolge treffen auch die SPD hart. In seiner Sendung vom Dienstagabend wollte Markus Lanz (57) klären, welchen Anteil die Sozialdemokraten am starken Abschneiden der Rechtspopulisten haben. Dafür war Ex-Arbeitsminister Hubertus Heil (53, SPD) zu Gast, der kurz nach Beginn mit Moderator aneinandergeriet.
Auslöser war der Begriff "Leistungsgerechtigkeit", den Heil in den Mund genommen hatte. Für Lanz war es offenbar genau das richtige Stichwort, um mit der Diskussion loszulegen. "War das Bürgergeld leistungsgerecht?", wollte er von dem Politiker wissen, der sich maßgeblich für dessen Einführung verantwortlich zeichnet.
Heil erklärte: "Nein, deshalb haben wir es auch reformiert. Da haben wir Fehler gemacht, das sage ich ganz deutlich – ich auch, ich alleine. Aber das ist etwas, wo man lernen muss. [...]"
Erinnernd schob der Gastgeber hinterher: "Sie haben nicht reformiert. Sie wurden abgewählt", machte Lanz deutlich, woraufhin sein Gegenüber erwiderte: "Ich habe das Wahlergebnis gesehen, aber [das war] nicht alleine wegen des Bürgergelds." Lanz weiter: "Aber auch."
Heil betonte: "Die Frage ist, wer dieses Land voranbringt. [...] Das sind ganz normale Leute, die gesehen werden wollen. [...]" Wieder musste Lanz einwerfen: "Was heißt denn gesehen werden?" Darauf konterte der SPD-Mann mit einem harten Vorwurf: "Ich weiß, Sie wollen provozieren, aber viele Menschen ..."
Der Moderator unterbrach sofort: "Ich muss Sie ein bisschen aus der Reserve locken. Das ist hier meine Arbeit", stellte er klar.
Hubertus Heil über Umfragewert: "Das ist viel zu wenig"
Im weiteren Verlauf der Sendung konfrontierte Lanz den Bundestagsabgeordneten zur Verdeutlichung der Lage mit Zahlen: "Seit 2021 haben Sie jeden zweiten Wähler verloren. Und die Leute sagen, dass es ungerecht ist, was passiert."
Anschließend ließ er eine Grafik auf Daten-Grundlage von "Infratest dimap" einblenden, die sich um die Frage drehte, wie groß der Anteil an Menschen ist, der meint, dass die SPD noch am ehesten für soziale Gerechtigkeit sorgt. "Es waren 1998 noch gut die Hälfte, jetzt sind Sie runter auf 26 Prozent", musste Lanz feststellen.
Heil erklärte zu dem bitteren Wert: "Das ist viel zu wenig." Die SPD müsse daran arbeiten, dass ihr nicht nur soziale Gerechtigkeit, sondern auch wirtschaftliche Kompetenz zugetraut werde.
Heil nannte dabei als zentrales Ziel, dass bis 2035 jeder junge Mensch in Deutschland die Chance auf eine Ausbildung haben müsse. "Das klingt nicht wie eine Weltrevolution. Das ist aber eine konkrete Vision, für die ich kämpfen will, weil wir sonst im Frust ersticken, wenn wir uns solche Ziele nicht setzen und die erreichen wollen."
Die komplette, rund 75-minütige Folge mit allen Aussagen und Standpunkten kann in der ZDF-Mediathek auf Abruf angesehen werden.
Titelfoto: ZDF/Markus Hertrich

