Musikkarriere beendet: Prinz Pi wechselt vom Mikro an die Werkbank
Berlin - Friedrich Kautz (46) – besser bekannt als Prinz Pi oder Prinz Porno – hängt seine Musikkarriere an den Nagel. Genauer gesagt schlägt er Nägel zukünftig in seine selbstgebauten Möbel. In einem Interview spricht der Musiker ganz offen über den schwindenden Erfolg im Hip-Hop-Business und warum seine Kinder für ihn viel mehr zählen als die Karriere.
In seiner eigenen Schreinerei gab er dem Online-Portal "HipHop.de" sein wohl letztes Rap-Interview. Nach mehr als zwei Jahrzehnten, 19 Studioalben und unzähligen Deutschrap-Klassikern macht der Berliner Rapper jetzt Schluss.
An seine alten Erfolge – wie mit dem Hit-Album "Kompass ohne Norden" von 2013 und seiner erfolgreichsten Single "1,40m" – konnte Prinz Pi zuletzt nicht mehr anknüpfen.
Grund dafür sei auch der Wandel des Zeitgeists, so der Musiker. Der Rapper blickt nüchtern darauf, dass seine Musik heute schlicht nicht mehr die breite Masse erreicht. Früher auf CDs und Vinyl erschienen, kann er mit den Klickzahlen, die es heute auf Streaming-Portalen braucht, nicht mehr mithalten.
Vorwürfe macht sich der 46-Jährige aber nicht: "Ich würde sagen, ich habe alles gemacht, was ich machen konnte, um dafür zu sorgen, dass die Musik erfolgreich ist."
Vaterrolle wichtiger als Musikkarriere: "Das bringt meinen Kindern nichts"
Der dreifache Vater sieht die Sache realistisch und stellt klar, was für ihn wirklich zählt: "Wenn ich merke, es funktioniert einfach nicht mehr genug, kann ich nicht so ein selbstverliebter Künstler sein, der dem Traum nachhängt. Das bringt meinen Kindern nichts. Ich bin Familienvater [...] und das ist [...] worüber ich mich definiere."
Schon auf dem Höhepunkt seiner Karriere setzte Pi nie nur auf eine Karte. Als Grafiker arbeitete er für Größen wie Aykut Anhan alias Haftbefehl (40) und RAF Camora (42) und brachte gemeinsam mit Rapper Fler (44) die Klamottenmarke "Ghetto Sport" heraus.
Sein neuestes berufliches Kapitel wirkt da überraschend bodenständig: Der studierte Designer setzt jetzt aufs Handwerk. Das Tischlern hat sich der angehende Ex-Rapper kurzerhand selbst beigebracht – mit YouTube-Videos und viel Ausprobieren.
Prinz Pi bringt es locker auf den Punkt: "Ich komme nicht von der Handwerkerschule und ich trage nicht die Tischler-Klamotten, aber ich habe einen Weg gefunden, wie man vielleicht ein ganz cooles Regal bauen kann."
Ein Trostpflaster gibt es für die Fans aber noch: Im Oktober geht Prinz Pi ein allerletztes Mal auf Tournee und haut bei rund 20 Konzerten noch einmal seine größten Hits raus!
Titelfoto: Fritz Elsmann/Sony Music Germany/dpa

