Pure Frauenpower! Auf dieser Baustelle legen nur "Mädchen" Hand an
Schlangen (Kreis Lippe) - Seit zwei Wochen baut Model und Handwerks-Influencerin Sandra Hunke (34) eine Villa. Im Gespräch mit TAG24 erklärt die 34-Jährige, warum nur Frauen am Bau beteiligt sind.
Sie modelt, arbeitet halbtags als Anlagenmechanikerin, sorgt als Mama für ihr Kind und bespielt ihren Instagram-Account mit Hunderttausenden Followern - und nebenher baut sie auch noch ein Mehrfamilienhaus. Besser gesagt: die "Baumädchen-Villa", wie Hunke das Projekt nennt.
Denn auf der Baustelle kommen nur weibliche Handwerker zum Einsatz - und das aus gutem Grund. "Ich bin jetzt schon 14 Jahre Handwerkerin. 2012 war ich wirklich das einzige Mädchen in der Klasse und ich wurde in diese Welt halt so reingeschubst", erzählt Hunke.
In den Anfangsjahren habe die 34-Jährige nicht "nicht so viele gute Dinge" erlebt. "Ich habe das damals auf Social Media begleitet und gezeigt, was ich so mache. Und da habe ich dann auch ein paar Hate-Kommentare bekommen oder Kommentare von Männern, die mir das nicht zugetraut haben", erläutert das Model.
Im Austausch mit Handwerkerinnen erfuhr sie, dass viele von ihnen solche Erfahrungen machen müssen.
"Dementsprechend habe ich mir dann überlegt, einfach mal zu zeigen, dass wir Frauen auch ein Haus bauen können", so Hunke.
Sandra Hunke: "Es herrscht eine ganz andere Energie"
Im Dorf Schlangen (NRW) kommt das Projekt gut an. "Es sprechen mich unglaublich viele Frauen an und finden das ganz toll. Viele kommen und gucken zu, wie wir da am Arbeiten sind. Es gibt natürlich auch Leute, die das nicht glauben, die an der Baustelle vorbeifahren und Fotos machen, die den Mann suchen, der auf einmal nicht herumrennt", erzählt die Bestseller-Autorin.
Die Männer fehlen auf der Baustelle bislang überhaupt nicht. Im Gegenteil: Die Atmosphäre sei dort eine ganz besondere, meint Hunke.
"Es herrscht eine ganz andere Energie und Stimmung. Wir loben uns untereinander extrem viel und feiern uns ab, wenn irgendwas richtig gut funktioniert hat. Und das kenne ich so überhaupt nicht", sagt die Handwerkerin.
Es sei ein absolut harmonischer, respektvoller Umgang. Im Gegensatz zu ihrem Job im Alltag habe sie auf der Baustelle der Baumädchen-Villa nie das Gefühl, sich beweisen zu müssen. "Und das beruhigt mein Nervensystem extrem."
Geflucht wird aber wie auf jeder anderen Baustelle, versichert die Mama.
Beteiligte Frauen werden im Haus verewigt
Die Bauherrin hat für die Fertigstellung des Mehrfamilienhauses zwei Jahre eingeplant. Wenn die Maurerinnen mit dem Rohbau durch sind, folgen die Dachdeckerinnen, die Festerbauerinnen die Elektrikerin und so weiter.
Alle beteiligten Handwerkerinnen sollen Teil des Gebäudes werden. "Ich habe mir überlegt, dass ich von jedem Mädchen ein Foto mache. Und dann werden die Bilder gerahmt und im Flur aufgehängt", so die Influencerin.
Sie selbst wird in das Haus nicht einziehen. "Ich bleibe in meinem kleinen bescheidenen Häuschen wohnen, neben meinen Eltern", sagt Hunke.
In das Sechsparteienhaus ziehen Mieter ein, die täglich daran erinnert werden, was Frauen im Handwerk schaffen können.
Wenn es nach Hunke geht, müssen künftige Baustellen aber nicht unbedingt nur mit Frauen besetzt werden.
"Ich möchte dahin kommen, dass wir gar nicht mehr darüber diskutieren, ob männlich oder weiblich oder welche Nationalität oder Sexualität. Deswegen würde ich mich freuen, wenn wir alle als Team funktionieren. Dass wir das verstehen", hofft die Autorin.
Titelfoto: Bildmontage: privat (2)

